Gewalt am Stuttgarter Schlossplatz Erhöhte Alarmstufe für den Königsbau

Im Königsbau am Schlossplatz hat es die Polizei seit langem mit einem problematischen Publikum zu tun (Archivbild) Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Problematische Cliquen begehen nachts am Schlossplatz zunehmend Raub- und Gewaltdelikte. Jetzt soll ein privater Wachdienst verstärkt patrouillieren.

Lokales: Wolf-Dieter Obst (wdo)

Wieder ein nächtlicher Zwischenfall im Königsbau: Diesmal hat ein 26-Jähriger bei einer Auseinandersetzung in der Nacht zum Freitag schwere Stich- und Schnittverletzungen erlitten. Die Polizei konnte später drei Tatverdächtige ermitteln, die eine Stunde später in eine Auseinandersetzung am Hirschbuckel verwickelt waren. Die Stadt, bei der sich die Beschwerden häufen, reagiert mit einer Ausweitung eines privaten Wachdienstes, der in den öffentlichen Teilen des Königsbaus patrouillieren soll.

 

Die jüngste Auseinandersetzung spielte sich kurz vor Mitternacht in der Passage im historischen Königsbau ab. Ein 26-Jähriger erlitt blutende Verletzungen. „Die Art der Tatwaffe ist noch unbekannt“, sagt Polizeisprecher Stephan Widmann. Gegen 1.15 Uhr wurden drei Verdächtige im Alter von 22, 23 und 25 Jahren nach einem weiteren Streit vor einer Disco am Hirschbuckel festgenommen. Der Hintergrund des Gewaltdelikts ist unklar. Opfer wie Tatverdächtige sollen Landsleute nordafrikanischer Herkunft sein.

Mehr private Wachleute beauftragt

Erst diese Woche hatte eine Krisensitzung von City-Initiative Stuttgart (CIS), Königsbaupassagen-Management, Anrainern, Polizei und Ordnungsamt stattgefunden. „Es gibt nachts eine Klientel, die wandert, und die nun am Königsbau für echte Probleme sorgt“, sagt CIS-Geschäftsführer Sven Hahn. Es gebe Videos aus Überwachungskameras. Und die städtische Reaktion? „Der von der Stadtverwaltung beauftragte private Sicherheitsdienst wird seine Kontrollen am Königsbau ausweiten, auch personell“, sagt Stadtsprecherin Jacqueline Albinus. Auch der Vollzugsdienst habe seine Einsatzzeiten dort ausgedehnt, obwohl dieser derzeit auch vor Bürgerbüros oder Zulassungsstelle stark gefordert sei.

Raubüberfälle wegen Goldketten und Smartphones

Seit Wochen häufen sich im Königsbau Raub- und Gewaltdelikte. Am Montag hatten Räuber die Goldkette eines 31-jährigen im Visier, der Betroffene konnte sich aber erfolgreich zur Wehr setzen. Am Mittwoch wurde ein 20-Jähriger im Bereich der nahe gelegenen Freitreppe am Kleinen Schlossplatz beraubt. Die Täter flüchteten mit seiner Tasche, in dem sich Bargeld und ein iPhone 14 befanden. In der Nacht zum vergangenen Freitag traf es einen 22-Jährigen, dessen Musikbox mehrere Jugendliche zum Überfall animiert hatte. An einem frühen Sonntagmorgen Ende Juni wurde ein 32-Jähriger von einer Gruppe junger Männer zusammengeschlagen und schwer verletzt. Ein 19-Jähriger sitzt in U-Haft.

Die City – nicht grundsätzlich unsicher

Bei weiteren Auseinandersetzungen im April und Mai traf es Opfer im Alter von 23 bis 27 Jahren. Dabei finden die Taten nicht nur innerhalb des Szenepublikums statt. Mitte Mai wurde eine 28-jährige Mitarbeiterin eines Verkaufsstands ihre iPhones beraubt.

Der Citymanager Sven Hahn warnt indes dafür, die Innenstadt und speziell den Schlossplatz als grundsätzlich unsichere Zone zu betrachten. „Wir sprechen hier von einer kleinen Gruppe, die an verschiedenen Orten auffällig wird“, so Hahn. Die CIS als Interessengemeinschaft für Händler und Kulturschaffende habe deshalb alle verantwortlichen Behörden an einen Tisch gebracht. Auch der Gemeinderat sei gefordert.

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