Gewalt gegen Backnangerin Schläge, Erniedrigungen und ein Showdown im Fitnessstudio

Immer wieder setzte es für die junge Frau Schläge (Symbolbild). Foto: Annette Riedl/dpa

Ein 40-Jähriger bekommt eine Bewährungsstrafe für Misshandlungen seiner Ex-Freundin. Auch ein Amtsrichter wird zufällig in eine der Attacken involviert.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)

Schläge und andere Misshandlungen, Beleidigungen, Todesdrohungen und Erniedrigungen: Immer wieder hat ein Mann in Backnang (Rems-Murr-Kreis) seine Freundin derart behandelt. Jetzt ist der 40-Jährige dafür vom Amtsgericht Backnang verurteilt worden. Zwar räumte er die Misshandlungen in den meisten Fällen ein, dennoch ergaben die Zeugenaussagen ein dramatisches Bild einer toxischen Beziehung.

 

Eine einzige Frau hilft dem Opfer im Backnanger Fitnessstudio

Zu dramatischen Szenen kam es beispielsweise im Oktober 2023 in einem Backnanger Fitnessstudio. Wieder einmal traf das Paar, das eine On-off-Beziehung führte, aufeinander, wieder einmal ging es um das weggenommene Handy der Frau und mutmaßlich auch um Eifer- beziehungsweise Kontrollsucht. Doch während einige, die dort trainierten, teilnahmslos blieben, schaltete sich eine Frau ein. „Ich bin selbst Gewaltopfer, habe deswegen eine Therapie machen müssen“, erzählte die 37-Jährige. Sie stellte sich mutig vor die aufgelöste junge Frau und bot dem aggressiven 40-Jährigen Paroli.

„Er hat zu mir gesagt, ich solle erst einmal meine Titten einpacken und mich nicht einmischen“, sagte die Zeugin. Während ein Freund des Angeklagten versucht haben soll, diesen zu beschwichtigen, bekam die couragierte Frau Ärger von unerwarteter Seite: Ein Trainer des Studios soll ihr Tattoo der türkisch-nationalistischen „Grauen Wölfe“ bemerkt und sich auf die Seite des irakisch-kurdischen Angeklagten geschlagen haben. Erst als die Polizei zum zweiten Mal anrückte, konnte sich die Situation beruhigen – die Zeugin begleitete die junge Frau in die Umkleidekabine und nach draußen. In das Studio geht sie seitdem nicht mehr: „Ich fühlte mich dort nicht mehr sicher.“

Sogar ein Richter ist zufällig involviert

In einem anderen Fall wurde sogar ein Richter des Amtsgerichts Backnang in den Fall involviert, der zufällig vor Ort war und mitbekam, wie das Paar vor einem Backnanger Friseursalon aneinandergeriet. Offenbar hatte die junge Frau gesehen, wie er sich dort eine Testosteronspritze setzen ließ. Da er dadurch laut ihrer Aussage jedes Mal aggressiv wurde, verurteilte sie dies, und stellte ihn zur Rede. Dann eskalierte die Situation.

Darüber, warum, gingen die Schilderungen aber auseinander. Während das Opfer vor Gericht beteuerte, nicht gewalttätig geworden zu sein, hatte eine Zeugin beobachtet, dass sie den Mann am T-Shirt riss und ihm eine Backpfeife gab. Fest steht aber auch: Kurz darauf lag sie auf dem Boden des Salons, der 40-Jährige setzte ihr mit Schlägen zu. Als sich der besagte Amtsrichter einschaltete, spuckte ihm der Iraker ins Gesicht, später soll er auch versucht haben, mit einer Flasche auf ihn loszugehen, was Polizisten verhindern konnten.

Etliche weitere Fälle spielten sich ähnlich ab – etwa, als der 40-Jährige sie auf dem Parkplatz des Schwimmbads Wonnemar verprügelte und sich von der Frau, während sie mit der Ohnmacht kämpfte, mit den Worten „Gute Nacht“ verabschiedete. Am Ende stand eine Bewährungsstrafe für den 40-Jährigen – gerade noch so.

„Ich habe durchaus Zweifel daran, ob Sie sich in Freiheit bewähren können“, mahnte der Richter. „Ihre Gewaltbereitschaft und Ihre Einstellungen zu Frauen und zu Amtsträgern wird sich jetzt, in dieser kurzen Zeit, nicht grundlegend geändert haben“ – trotz einer an das Opfer gerichteten Entschuldigung, die der Iraker mit eigenen Worten und auf Deutsch vortrug.

Bewährungsstrafe mit strengen Auflagen – reicht das?

Auch sein Verhalten dem Amtsrichter gegenüber sei „ekelhaft“ gewesen, betonte dessen Amtskollege. Und selbst Provokationen und Tätlichkeiten seitens der Ex-Partnerin änderten nichts daran, dass der Mann gegen das Gesetz verstoßen habe. Ein Jahr und neun Monate, so das Urteil, und der 40-Jährige bekommt eine ganze Reihe an Bewährungsauflagen.

Da bei vielen der Taten sein Auto eine Rolle spielte, ist der Mann seinen Führerschein für zwei Monate los. Er bekommt einen Bewährungshelfer, darf sich seiner Ex-Freundin nicht näher als 50 Meter nähern und sie nicht kontaktieren. Zudem muss er binnen vier Wochen aus der Stadt Backnang wegziehen, muss an einem Anti-Gewalt-Training teilnehmen und jeweils 1500 Euro an die Geschädigte sowie an die Beratungsstelle Pro Familia in Waiblingen zahlen. Verstößt er dagegen oder macht er sich wieder strafbar, droht ihm tatsächlich eine Haftstrafe. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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