Gewalt gegen Frauen in Göppingen Beratung soll Frauen Mut machen
Es gibt in Göppingen eine neue Beratungsstelle für Frauen, die unter Gewalt leiden. Das Angebot richtet sich an Betroffene aus dem ganzen Landkreis.
Es gibt in Göppingen eine neue Beratungsstelle für Frauen, die unter Gewalt leiden. Das Angebot richtet sich an Betroffene aus dem ganzen Landkreis.
Der Verein Frauen- und Kinderhilfe, der das Göppinger Frauenhaus trägt, eröffnet am Freitag, 5. Dezember, eine neue Frauenberatungsstelle gegen Gewalt an der Grabenstraße 1 in Göppingen. Diese soll für gewaltbedrohte Frauen einen Ort des Vertrauens und der Kraft darstellen. Das betonen Elke Oberländer, Geislinger Rechtsanwältin und ehrenamtlich tätiges Vorstandsmitglied des Frauen- und Kinderhilfevereins, sowie Beate Simon, Leiterin des Frauenhauses in Göppingen.
Im Frauenhaus finden Frauen und ihre Kinder Schutz, die von häuslicher Gewalt betroffen oder bedroht sind. Insgesamt bietet das Haus 16 Plätze für neun Frauen und sieben Kinder; die Adresse ist geheim, um den Betroffenen eine sichere Unterkunft zu bieten. Zusätzlich gibt es eine Interventionsstelle, ebenfalls an der Grabenstraße 1: An diese können sich Frauen nach einem Polizeieinsatz wegen häuslicher Gewalt wenden. Wie können sie sich und ihre Kinder schützen? Welche rechtlichen Schritte möchten sie einleiten? Welche zusätzlichen Hilfen und Unterstützungsangebote gibt es? Zu solchen und weiteren Fragen berät das Fachpersonal der Interventionsstelle die betroffenen Frauen.
Die Beratungsstelle, die nun neu geschaffen wird, möchte schon früher ansetzen, damit es gar nicht erst zu einem Polizeieinsatz kommt, betont Oberländer. Diese richtet sich – genauso wie das Frauenhaus und die Interventionsstelle – an Frauen aus dem gesamten Landkreis. Das Angebot der neuen Beratung sollen Frauen ab 18 Jahren nutzen können, die „Gewalt erfahren und etwas ändern wollen, aber nicht ins Frauenhaus gehen wollen oder können“, ergänzt Simon. Bisher habe das Frauenhaus-Personal diese Beratung übernommen. „Aber wir können dies nicht so leisten, wie es nötig wäre. Die Kapazitäten haben wir dafür einfach nicht“, betont die Leiterin.
Sie und Elke Oberländer sind deshalb sehr froh, dass nun eine halbe Stelle für die neue Beratung finanziert werden kann: Dies ist möglich dank einer Stiftung, die den Verein regelmäßig unterstützt, und eines Zuschusses vom Land Baden-Württemberg. „Wir sind stolz darauf, dass wir nun mit dieser halben Stelle starten können“, verdeutlicht Oberländer. Simon ergänzt, dass der Landkreis durch das Gewalthilfegesetz dazu verpflichtet sei, ab 2027 ausreichend Frauenhausplätze und eine angemessene Beratung für von Gewalt betroffene Frauen zu ermöglichen. „Wir greifen dem nun vor und beginnen damit, die Strukturen zu schaffen.“
Der Bedarf sei groß, sagt Oberländer. „Im Frauenhaus haben wir immer eine starke Belegung.“ So mussten im vergangenen Jahr 90 Frauen abgewiesen werden, weil keine Plätze frei waren. Erfreulich sei hingegen, dass die Beratung durch die Interventionsstelle Wirkung zeige: Dadurch könne teilweise verhindert werden, dass Frauen im Frauenhaus Schutz suchen müssen. „Es ist viel wert, wenn Betroffene gut beraten sind und wissen, wo sie Hilfe erhalten und wie der Weg in die Selbstständigkeit aussehen kann“, betont Beate Simon.
Betroffen seien Frauen aus allen sozialen Schichten; oft handle es sich um Frauen mit kleinen Kindern unter sechs Jahren. „Manche erkennen gar nicht, was Gewalt alles ist. Wenn sie kleingemacht und beleidigt werden, nehmen sie das zunächst gar nicht als Gewalt wahr – aber sie leiden“, gibt Simon zu bedenken. Sie leitet seit 35 Jahren das Frauenhaus und hat beobachtet, dass es inzwischen in der Gesellschaft mehr Bewusstsein für das Thema gebe. „Als ich anfing, waren manche Frauen 40 Jahre lang in einer Gewaltbeziehung. Das gibt es heute so nicht mehr. Inzwischen trauen sich mehr Frauen, die häusliche Gewalt anzusprechen.“
„Dieses Thema liegt mir schon immer am Herzen“, erklärt Oberländer, warum sie sich ehrenamtlich engagiert. „Die betroffenen Frauen sind oft so machtlos. Es ist ein Hamsterrad, aus dem sie schwer rauskommen“, sagt die Rechtsanwältin. „Doch wenn sie jemanden haben, der sie gut berät, fassen sie Mut, um etwas in ihrem Leben zu ändern.“
Organisation
Der Verein Frauen- und Kinderhilfe führt das Göppinger Frauenhaus, das seit 1982 besteht, und regelt die finanziellen und rechtlichen Angelegenheiten. Insgesamt gibt es vier Mitarbeiterinnen in zwei Voll- und zwei Teilzeitstellen. Der Landkreis finanziert das Frauenhaus über Tagessätze und die Interventionsstelle; außerdem gibt es Zuschüsse vom Land sowie finanzielle Unterstützung durch Spender und zwei Stiftungen.
Zahlen
Laut der Statistik des Vereins kamen im vergangenen Jahr 29 Frauen und 26 Kinder im Göppinger Frauenhaus unter. Die Frauen wurden zum Großteil von ihren Ehemännern misshandelt, aber auch von ihren Partnern, Ex-Partnern oder anderen männlichen Angehörigen aus der Familie. Nach den Aufenthalten im Frauenhaus konnten 14 Frauen eine neue, eigene Wohnung beziehen; drei kehrten in die bisherige Wohnung und damit zum misshandelnden Partner zurück. Sechs Frauen konnten bei Verwandten, Freunden oder Nachbarn unterkommen. Drei Frauen wechselten in ein anderes Frauenhaus.