Gewalt gegen Frauen Ludwigsburg Für ein weiteres Frauenhaus braucht es alternative Geldgeber

Der Verein Frauen für Frauen mit der Geschäftsstelle in der Abelstraße will nicht aufgeben. Foto: Avanti/Ralf Poller

Der Umbau der Immobilie, die für ein weiteres Frauenhaus noch freigehalten wird, kostet rund 3,6 Millionen Euro. Nachdem der Bund finanziell nicht einsteigt, bemühen sich Kreis, Stadt und Verein um eine andere Lösung.

Ludwigsburg: Karin Götz (kaz)

Der Bund steigt nicht in die Finanzierung für einen weiteren Frauenhaus-Standort ein. Vor Kurzem hat die Absage den Verein Frauen für Frauen erreicht. Nach eineinhalb Jahren des Drängelns und Wartens. 1980 wurde der Verein gegründet. Zwei Jahre später eröffnete das Frauenhaus. 19 Plätze werden schutzbedürftigen Frauen und Kindern an drei Standorten geboten. Eine Wohnung mit vier Plätzen ist barrierefrei – im Land eher eine Seltenheit. Die 19 Plätze sind so gut wie immer belegt. „Wer unterkommt, hat Glück“, sagt Arezoo Shoaleh. Der Bedarf für weitere Plätze in Baden-Württembergs zweitgrößtem Kreis ist groß.

 

Und eigentlich auch anerkannt. Denn Deutschland hat die Istanbuler Konvention unterzeichnet. Das internationale Abkommen schafft Rechtsnormen gegen Gewalt an Frauen und häusliche Gewalt und legt fest, dass es pro 10 000 Einwohner einen Platz geben müsste. Macht mit Blick auf den Kreis einen Bedarf von 50 Plätzen aus.

Plätze meist belegt

Zumindest zwölf bis 15 weitere will der Verein Frauen für Frauen umsetzen. „Diese Zahl ist aus unserer Sicht realistisch“, sagt Shoaleh. Eine Immobilie gibt es, allerdings hatte der Eigentümer diese eigentlich nurmehr bis Herbst freihalten wollen. Und seit dem Nein des Bundes wackelt jetzt die Finanzierung. Die Umbaukosten würden sich, Stand April 2023, auf rund 3,6 Millionen Euro belaufen.

Das Nein sei eine große Enttäuschung, erklärt Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht. Mit dem Landrat habe die Stadt viele Kanäle genutzt, um auf eine Förderung hinzuwirken. Die Stadtverwaltung suche mit voller Kraft nach Investitionszuschüssen oder anderen Finanzierungsmöglichkeiten, versichert Knecht. Dazu gehöre auch der Kontakt zur Landesregierung. Zudem werde er bei Kommunen und Institutionen im Landkreis um Unterstützung werben. „Mir ist wichtig, dass sich ein breites Bündnis im Kreis für das Frauenhaus einsetzt. Wir lassen den Verein nicht alleine, wir benötigen eine schnelle Lösung.“ Auch Landrat Dietmar Allgaier kritisiert den Bund. Dieser komme seiner Verpflichtung, das Frauenhaus wie angekündigt zu finanzieren, nicht nach. Der Landkreis werde Alternativen prüfen. „Als Landkreis ist es für uns auch denkbar, dass es Plätze im Landkreis, aber außerhalb von Ludwigsburg gibt.“

Welche Möglichkeiten konkret vorliegen und welche dann auch realistisch weiterverfolgt werden können, wolle man mit dem Verein Frauen für Frauen, aber auch mit den Gremien und dem Sozialministerium des Landes Baden-Württemberg und weiteren Akteuren besprechen.

Anfang November habe er die Vertreterinnen des Vereins und den Geschäftsführer der Wohnungsbau Andreas Veit deshalb zu einem Gespräch eingeladen, informiert Allgaier. Kommende Woche haben sich die Grünen-Abgeordneten Silke Gericke und Tayfun Tok beim Verein angesagt.

Die SPD erwägt, die reservierte Immobilie zu kaufen

Die Kreis-SPD möchte prüfen lassen, wie die Realisierung und Finanzierung eines zweiten Frauenhauses durch den Kreis und weitere Zuschussgeber erfolgen könnten. Dazu gehöre auch die Prüfung des Kaufes der bisher dafür reservierten Immobilie, heißt es in einem Antrag der Sozialdemokraten.

Das Frauenhaus finanziert sich über Tagessätze. Die Vereinbarung ist in Paragraf 17 Absatz 2 SGB II geregelt und wurde zwischen dem Jobcenter und dem Kreis geschlossen. „Berufstätige Frauen, die ins Frauenhaus einziehen müssen, bezahlen nur die Kosten der Unterkunft und Heizung und keine psychosoziale Betreuung. Das würde sonst berufstätige Frauen an die Armutsgrenze bringen“, erklärt Christiane Scheuing-Bartelmess von Frauen für Frauen.

Für kleinere Investitionen und Reparaturen kann der Verein beim Land einen Zuschussantrag stellen – pro Jahr maximal 14 000 Euro. „Den Rest müssen wir über Eigenanteile tragen. Deshalb sind Spendengelder so wertvoll für uns.“ Zudem finanziert das Land zu 80 Prozent laufende Zwecke, wie etwa Gruppenarbeit mit schwer traumatisierten Frauen und Kindern oder die Beteiligung an gewaltpräventiven Seminaren.

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