Gewalt gegen Polizisten Dein Freund und Opfer

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Im Tatort vom Sonntag prügelten Polizisten - in der Realität häufen sich aber auch die Übergriffe gegen Polizisten. Berauschtes Partyvolk, Fußballfans und auch gewöhnliche Bürger wollen immer weniger von Regeln wissen und stellen die Autorität der Staatsorgane infrage.

Manches gehört zum Beruf des Polizeibeamten. Manches aber auch nicht. Foto: dpa
Manches gehört zum Beruf des Polizeibeamten. Manches aber auch nicht. Foto: dpa

Stuttgart - Der Titel klingt wie ein Hilferuf: „Auch nur ein Mensch“, heißt der Rap-Song. Das ruft einer hinaus, der von Berufs wegen Helfer ist. Ein junger Mannheimer Polizeibeamter hat ein Lied geschrieben. Das Video im Internet zeigt dazu Szenen aus dem Polizeialltag. Nach zwei Tagen im Netz hatten den drei Minuten und 44 Sekunden langen Film bereits knapp 70 000 Nutzer angeschaut. Das ist fast dreimal mehr, als es Polizeibeamte in Baden-Württemberg gibt. Der gerappte Aufruf, Verständnis und Respekt walten zu lassen, wenn Bürger und Uniformierte sich gegenüberstehen, wird gehört.

Christian Beck, der rappende Beamte, will dafür werben, den Menschen in der Uniform zu sehen, seine Belastung zu erkennen und das Gegenüber zu respektieren. Vor allem der Respekt schwinde, stellen Polizisten in der ganzen Republik fest. Nicht als Freund und Helfer, sondern zunehmend als Feind würden die Beamten gesehen. Ein Beleg dafür ist die steigende Zahl der Übergriffe gegen die Polizei. 1828 verletzte Beamte sind 2012 in Baden-Württemberg laut Kriminalstatistik zu beklagen gewesen, ein Anstieg um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Diese Tendenz ist erschreckend“, sagt Innenminister Reinhold Gall (SPD). In Stuttgart traf es 901 Beamte: eine Zunahme um 16 Prozent.

So interessant wie das Leben?

Der Beruf soll so interessant sein wie das Leben, verspricht die Eigenwerbung der Polizei um Nachwuchskräfte. Spannend wird das Leben durch die Mischung der schönen, weniger schönen, aber auch der hässlichen und brutalen Erlebnisse. Das weiß vorher, wer diesen Beruf ergreift. Zum Leben gehört das Zusammenleben, und zum Zusammenleben gehören Regeln. Darauf zu achten, dass sie eingehalten werden, es zu ahnden, wenn dagegen verstoßen wird, ist die Aufgabe der Polizei in unserer Gesellschaft. Der Respekt vor Uniformträgern ist dabei mehr als pure Höflichkeit. Er ist ein Anerkennen des Faktums, dass der Staat den Beamten das Gewaltmonopol übertragen hat. Sie können, ja, sie müssen im Ernstfall durchgreifen können. Deswegen bereitet das Schwinden der Achtung vor ihrem Beruf den Beamten auch zunehmend Sorge. Das Landespolizeipräsidium im Innenministerium Baden-Württemberg hat eine „Konzeption zur Reduzierung von Provokation, Aggression und Gewalt gegen Polizeibeamte“ erstellt. Ihr Ziel ist, „Respektlosigkeit, aggressives Verhalten und Gewalt gegen Polizeibeamte zu reduzieren“. Mit Training und Fortbildungen für ein sichereres Auftreten und den besseren Umgang mit Bürgern versucht die Polizei dem Phänomen zu begegnen. Dieses Programm hat das Innenministerium bei seiner Analyse des Kriminalitätsgeschehens im März vorgestellt, und auch die Stuttgarter Polizei präsentierte diese Strategie bei der Vorstellung ihrer jüngsten Kriminalstatistik.