Gewalt in Indien Zweischneidiger Einfluss des Westens

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Viele glauben auch, dass der Einfluss des Westens, der mit der Öffnung des Marktes nach Indien schwappt, eine zweischneidige Rolle spielt. „Das westliche Konzept, dass Frauen Menschen aus eigenem Recht sind, dringt auch in Indien ein. Aber es kollidiert mit traditionellen Ideen, wann in Indien eine Frau als Mensch betrachtet wird“, so der Psychoanalytiker Kakar. Leichter passe sich dagegen die Idee ein, dass der weibliche Körper ein „Amüsierpark“ sei, wie es die westliche Konsumkultur in Werbung, Filmen und Medien vermittele – und wie es auch Indiens Medien plump imitierten, meint Kakar. Die Folge: das „Zum-Objekt-Machen“ von Frauen gelte bei Männern nicht als rückständig, sondern als modern.

Der tiefe Konflikt, der erbitterte Widerstreit in Indiens Gesellschaft spiegelt sich auch in dem neuen Antivergewaltigungs­gesetz wider, das das Parlament nun verabschiedet hat. Es verschärft die Strafen für Vergewaltigungen und stellt erstmals auch Stalking und „Eve teasing“ unter Strafe.

Was wird das neue Gesetz bringen?

Wichtiger ist eine andere Neuerung: Polizisten, die sich weigern, eine Vergewaltigungsanzeige aufzunehmen, droht künftig ebenfalls eine Strafe. Die Komplizenschaft der Polizei ist ein Riesenproblem. Bislang scheitert eine Verfolgung von Vergewaltigern oft daran, dass Polizisten die Opfer einfach davonjagen und bisweilen sogar nochmals vergewaltigen.

Ob das Gesetz wirklich eine Wende einleitet, muss man abwarten. Zumal es in anderen Punkten den reaktionären Kräften in die Karten spielt, die Frauen nur als Besitz und Verfügungsmasse ihres Vaters oder Ehemannes sehen. So steht Vergewaltigung in der Ehe nur dann unter Strafe, wenn die Ehefrau 14 Jahre oder jünger ist.   Unverheirateten Liebespaaren unter 18 Jahren droht dagegen ein Jugendarrest von bis zu drei Jahren, wenn sie einvernehmlich Sex haben.

Frauenrechtlerinnen sehen das Gesetz daher mit gemischten Gefühlen. Sie halten es für einen ersten wichtigen Schritt, aber noch lange nicht für den Durchbruch.