Gewalt in Stadtbahnen Rabiate Schwarzfahrer: Schon wieder Angriffe in Stuttgarter Bahnen

Im Stadtbahnverkehr häufen sich die Zwischenfälle mit rabiaten Fahrgästen ohne Ticket (Symbolbild). Foto: Max Kovalenko/Lichtgut

Kein Fahrschein – dafür fliegen die Fäuste: Seit dem Tod eines Bahnmitarbeiters im Februar in Kaiserslautern reißen Gewalttaten im Bahnverkehr nicht ab. Diesmal in Stuttgart-Ost.

Lokales: Wolf-Dieter Obst (wdo)

Die Fahrscheine, bitte! Meist gehen die Kontrolltrupps ohne größeren Ärger durch die Reihen – doch an der Stadtbahn-Haltestelle Metzstraße im Stuttgarter Osten kommt es am Wochenende ganz anders. Gleich zweimal wird das Prüfpersonal vehement angegriffen. „Und in beiden Fällen ermittelt die Kriminalpolizei gegen die Beschuldigten wegen räuberischer Erpressung“, sagt die Stuttgarter Polizeisprecherin Kara Starke.

 

Der jüngste Zwischenfall spielt sich in einer Stadtbahn der Linie U 2 von der Innenstadt in Richtung Bad Cannstatt ab. Die Bahn ist am Sonntag gegen 16.15 Uhr gerade in der Neckarstraße zwischen Stöckach und Metzstraße unterwegs, als ein 24-jähriger Kontrolleur nach den Fahrtickets fragt. Ein 25-jähriger Fahrgast hat offenbar kein gültiges – und er ist auch nicht gewillt, seine Personalien anzugeben. Er schlägt dem Kontrolleur ins Gesicht und flüchtet an der Haltestelle Metzstraße aus der Bahn nach draußen.

Im Gerangel gehen beide zu Boden

Der Mann rennt in der Neckarstraße davon – wird allerdings von dem 24-Jährigen sowie seinen 43 und 44 Jahre alten Kollegen verfolgt, eingeholt und festgehalten. Offenbar beklagt er sich später bei der Polizei, dabei zu hart angefasst worden zu sein. Die alarmierte Polizei nimmt ihn zur Anzeigenaufnahme mit auf ihre Dienststelle, setzt ihn später wieder auf freien Fuß.

Bereits zwei Tage vorher, am Freitag gegen 15.45 Uhr, hat es am selben Ort einen weiteren Polizeieinsatz gegeben. Diesmal in einer Stadtbahn der Linie U 1, ebenfalls stadtauswärts Richtung Bad Cannstatt unterwegs. Da ist es ein 30-Jähriger, der ohne Fahrschein erwischt wird. Auch er zeigt sich wenig einsichtig – versucht an der Haltestelle Metzstraße nach draußen zu kommen. Ein 26-jähriger Mitarbeiter des Prüfpersonals stellt sich ihm in den Weg. „Dabei kommt es zu einem Gerangel, und beide gehen zu Boden“, beschreibt Polizeisprecherin Starke den Vorgang. Beide Männer tragen dabei leichte Verletzungen davon.

Gefährliche Flucht Richtung S-Bahn-Tunnel

Keine Einzelfälle. Erst vor wenigen Tagen hat ein 31-Jähriger eine noch halsbrecherischere Flucht angetreten, als er in einer S-Bahn der Linie S 2 ohne Ticket erwischt wurde. Er versuchte am unterirdischen Halt Schwabstraße durch den Tunnel zu flüchten, ehe er sich wegen einer einfahrenden S-Bahn zurück auf den Bahnsteig retten musste. Anschließend waren mehrere Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes und des Prüfpersonals samt Pfefferspray notwendig, um den Mann zu überwältigen.

In der unterirdischen Stadtbahn-Haltestelle Schlossplatz ging ein 30-Jähriger auf einen 33-jährigen Fahrkartenprüfer und dessen 57 Jahre alten Kollegen los. Herbeieilendes Sicherheitspersonal der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) griff ein und konnte den Schwarzfahrer bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Auch gegen sie wird wegen räuberischer Erpressung ermittelt.

3000 Attacken bundesweit im Bahnverkehr

Sind solche Zwischenfälle Ausfluss einer allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung? Die Gewaltdelikte nehmen in Stuttgart zu – ein eindeutiger Trend lässt sich da in der jüngsten Kriminalitätsstatistik der Stuttgarter Polizei finden. Die Zahl der schweren Körperverletzungen ist um 16 Prozent auf 2031 Fälle gestiegen. Außerdem gibt es knapp 13 Prozent mehr Nötigungen und Bedrohungen, insgesamt 2526 registrierte Straftaten dieser Art.

Laut Deutscher Bahn gab es 2025 bundesweit mehr als 3000 Angriffe – statistisch etwa acht pro Tag. Die Hälfte der Attacken richtet sich laut Bahn gegen Beschäftigte im Regionalverkehr. Sicherheitskräfte seien in gut einem Drittel der Fälle betroffen. Manchmal geraten aber auch Reinigungs- oder Servicekräfte an Bahnhöfen ins Visier.

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