Gewaltige Umleitung Flughafentunnel: So soll der Radverkehr während der Sperrung umgeleitet werden

Das 60er-Jahre-Bauwerk muss saniert werden, um seine Betriebserlaubnis zu behalten. Foto: Caroline Holowiecki

Manche im Filderstädter Gemeinderat bewerten die geplante Umleitung als „Murks“. Der Tunnel, der Plieningen und Bernhausen verbindet, wird 2027 monatelang saniert.

Im Jahr 2027 kommen auf Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer auf den Fildern echte Erschwernisse zu. Der Flughafentunnel, der unter der Start- und Landebahn des Stuttgarter Airports hindurchführt und somit Bernhausen und Plieningen verbindet, wird für mehr als ein halbes Jahr gesperrt. Ab dem Januar 2027 bis voraussichtlich Ende August wird die Verbindung in beide Richtungen gekappt.

 

Das 60er-Jahre-Bauwerk muss saniert werden, um seine Betriebserlaubnis zu behalten. Anpacken will man insbesondere die technische Ausstattung, unter anderem die Beleuchtung und die Belüftung, die Stromversorgung, die Alarmierungsanlagen sowie eine moderne Nebellöschanlage. Die mehr als 500 Meter lange Röhre wird in der Bauphase komplett gesperrt.

Tunnelsperrung: Diese Umwege müssen Radfahrer in Kauf nehmen

Für die gut 20 000 Fahrzeuge, die pro Tag durch den Tunnel fahren, heißt das, dass sie sich andere Wege fahren müssen. Auch der Radverkehr wird umgeleitet. Wie, damit hat sich nun der Technische Ausschuss des Filderstädter Gemeinderats befasst. Eine Arbeitsgruppe unter der Federführung des Landes, bestehend aus Kommunen, Kreis sowie Personen aus der Landwirtschaft und der Radszene, hat sich demnach Gedanken gemacht. Fahrräder werden während der Sperrung von Plieningen entlang des Flughafens nach Osten, durch den Autobahntunnel bei Neuhausen und dann über Feldwege zurück nach Bernhausen geleitet.

Hierfür sollen die landwirtschaftlichen Wege zeitnah hergerichtet werden. Jede Kommune – ob Stuttgart, Ostfildern oder Neuhausen – arbeitet auf ihrer Gemarkung, alle Rechnungen zahlt das Land. Im Fall von Filderstadt sind das 145 000 Euro.

Wege auf den Fildern: 18 marode Betonplatten müssen gerichtet werden

Das dortige Tiefbauamt plant, 18 marode Betonplatten herzurichten, zudem sollen die Wege mit Randmarkierungen und Wegweisern versehen werden. Sofern der Gemeinderat am 18. Mai dem Vorgehen zustimmt, sollen die Arbeiten zeitnah starten und schon im Herbst abgeschlossen sein. Eine Beleuchtung ist laut dem Amtsleiter Klaus Pascher indes nicht vorgesehen. Er betont: „Das sind keine Radwege, sondern weiterhin Feldwege. Sie werden von uns nicht geräumt oder gestreut.“ Einen Reinigungs- und Winterdienst möge nach dem Willen der Stadt das Land organisieren.

Richtig gut findet die Lösung in Filderstadt wohl niemand. Der Umweg ist gewaltig und daher in den Augen vieler wenig praktikabel. „Dann fahren die halt wieder Auto“, sagte Walter Bauer (SPD). Hinzu komme: Während der Erntezeit und bei Regen sei ein Befahren der Feldweg mit dem Rad kaum zumutbar. Auch Dominic Dean Haag (Grüne) sprach von „Murks“. Richard Briem (Freie Wähler) und andere brachten abermals einen Radwegeneubau etwas nördlicher ins Spiel, um das Unfall- und Konfliktpotenzial zu senken. Dieter Weinmann (CDU), dessen landwirtschaftlicher Betrieb im Gebiet liegt, mahnte zur Gelassenheit. „Das ist eine Zwischenlösung, mit der müssen wir jetzt leben.“ Und auch Falk-Udo Beck, der Erste Bürgermeister, sah Vorteile. „Die Platten sind kaputt. Entweder wir zahlen es oder jemand anderes. Wir bekommen es auf dem silbernen Tablett.“

Filderstadt will, dass der Radverkehr auf der Straße mitfahren darf

Das Thema Radfahren und Flughafentunnel ist vorbelastet. Ein Vorstoß des Verkehrsministers Winfried Hermann, den Tunnel zugunsten des Radverkehrs teils für Autos zu sperren, ist erst mal vom Tisch. Aktuell müssen sich Räder und Fußgänger einen schmalen Steg teilen. Nach der Sanierung des Tunnels wird er wieder freigegeben. Die östliche Umfahrung wird indes als Zwischenlösung bestehen bleiben und bis voraussichtlich Mitte der 2030er-Jahre genutzt werden. Derweil soll weiter an einer dauerhaften Lösung für den Radverkehr gearbeitet werden. Im Raum steht laut dem Tiefbauamt, eine Teilsperrung des Tunnels mit der Fertigstellung des sechsstreifigen Ausbaus der B27 zu verknüpfen und parallel relevante Abschnitte der Radschnellverbindung zwischen Stuttgart und Filderstadt voranzubringen.

Auf Wunsch des Gemeinderats hat die Stadt eine Stellungnahme ans Ministerium erarbeitet. Darin wird hervorgehoben, dass schon während der Tunnelsanierung Vorbereitungen getroffen werden sollten, dass der Radverkehr – zumindest zeit- oder versuchsweise – auf der Straße mitfahren kann. Was es dafür aus Filderstädter Sicht braucht? Unter anderem eine bessere Belüftung, mehr Helligkeit, eine Tempo-30-Regelung, die man kurzfristig anordnen könnte, Überwachungsmöglichkeiten sowie bessere Radverkehrsführung rund um den Tunnel.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Sperrung Filderstadt Stuttgart