Vielmehr standen Pläne zur Ausweisung von zwei neuen Gewerbestandorten auf der Tagesordnung – einer auf der Gemarkung Aichelberg (Kreis Göppingen), der andere bei Mundelsheim (Kreis Ludwigsburg). Aber auch hier regt sich bereits Widerstand in den betroffenen Regionen. Um es vorweg zu nehmen: In beiden Fällen hat eine große Mehrheit der Regionalversammlung beschlossen, die notwendigen Verfahren zur Änderung des Regionalplans einzuleiten – und damit den Weg zu umfassenden Prüfungen der Pläne und zur frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit frei zu machen.
Großer Flächenbedarf für Hochtechnologiefirmen
Begründet wird das mit der Feststellung, dass angesichts des anstehenden Umwandlungsprozesses der Automobilindustrie vom Verbrennungsmotor zu alternativen Antriebsformen gerade in der Region Stuttgart großer Flächenbedarf für neue Hochtechnologiefirmen entstehe. Zwar sei es wünschenswert, solche neuen Firmen in bestehenden Gewerbegebieten anzusiedeln. Doch das vorhandene Platzangebot reiche da bei weitem nicht aus.
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Wolle die Region ihre führende Rolle behalten, müsse sie deshalb neue Flächen zur Weiterentwicklung zur Verfügung stellen. Dazu dienen Vorhaltestandorte wie der Hungerberg, oder eben regionale Gewerbeschwerpunkte. Dabei ist es dem VRS wichtig, dass die Projekte vor Ort von mehreren Gemeinden zusammen angegangen werden, die dort ihre wirtschaftlichen Aktivitäten bündeln. Der VRS sichert sich nur kleinere Flächen für regionalrelevante Projekte.
Auch Logistik wäre möglich
Beispiel Aichelberg: Dort soll nördlich der Autobahn-Anschlussstelle eine Fläche von 18 Hektar als regionaler Gewerbeschwerpunkt ausgewiesen werden. 13 Hektar davon könnten bebaut werden. Für kleinteilige Entwicklungen zur Deckung des örtlichen Bedarfs sollen rund fünf Hektar zur Verfügung stehen, drei Hektar werden für mittelständische Betriebe reserviert und die restlichen fünf Hektar für großflächige, regional wirkende Betriebe, auch Logistik wäre möglich.
Beispiel Mundelsheim: Hier soll das neue Gewerbegebiet in einem engen räumlichen und funktionalen Zusammenhang mit dem bereits bestehenden interkommunalen Gewerbegebiet Ottmarsheimer Höhe stehen. Ziel ist es, möglichst viele neue Arbeitsplätze zu schaffen – von 50 bis 60 Arbeitsplätzen pro Hektar ist die Rede. Kleinere Unternehmen sollen eine neue Heimat im Bereich der Ottmarsheimer Halde finden, Firmen mit größerem Flächenbedarf am neuen Standort untergebracht werden.
Interkommunalen Kooperationen bevorzugt der VRS, weil er sich davon ein höheres Engagement aller Beteiligter bei der Realisierung der Gewerbegebiete verspricht. Die früher vom VRS betriebene Ausweisung von autobahnnahen Gewerbegebieten von Einzelgemeinden an der A 81 habe nicht den gewünschten Erfolg gehabt, heißt es. Im Fall des geplanten Schwerpunkts nördlich der Ausfahrt Aichelberg arbeitet der VRS mit dem Gemeindeverwaltungsverband Bad Boll zusammen, in dem Aichelberg, Dürnau, Gammelshausen, Hattenhofen und Zell unter Aichelberg vertreten sind.
Einen Rückschlag hat es hier schon gegeben: Bad Boll wird sich nicht an dem interkommunalen Gewerbegebiet beteiligen. Dem Zweckverband für das geplante Gewerbegebiet Benzäcker bei Mundelsheim haben sich Besigheim, Gemmrigheim, Hessigheim, Mundelsheim, Walheim und Neckarwestheim angeschlossen.
Bad Boll macht nicht mit
Verkehrsgünstig an der Autobahn
Die Parallelen zur Situation am Hungerberg sind auffällig. Beide nun ins Auge gefassten Standorte liegen verkehrsgünstig in unmittelbarer Nähe zu Autobahnauffahrten der A 8 und der A 81. Der durch ein solches Gewerbegebiet entstehende Verkehr könnte also abgewickelt werden, ohne dass dabei eine Ortschaft tangiert werde. Auch ein geeigneter Abstand zur Wohnbebauung wäre gewährleistet.
Allerdings gibt es wie beim Hungerberg einen ganz großen Haken. Alle drei Standorte liegen in Gebieten, die der Regionalplan von 2009 aus damals wie heute gutem Grund als schützenswerte regionale Grünzüge ausgewiesen hat. Zwar ist der Regionalplan nicht in Stein gemeißelt. Er soll sogar, so hat es die Regionalversammlung beschlossen, „atmen“ und kann aufgrund neuer Erkenntnisse und bei entsprechenden Ausgleichsmaßnahmen geändert werden. Einige hohe Hürden werden aber alle Beteiligten im Lauf des Prozesses noch nehmen müssen, sollen tatsächlich neue regionale Gewerbeschwerpunkte entstehen.
Braucht es neue Flächen?
Diskussion
Die Grünen halten zusätzliche Gewerbeflächen für unnötig und nennen als Beispiel die im Jahr 2015 festgelegten Regionalen Gewerbeschwerpunkte entlang der A 81 bei Ingersheim, Bietigheim-Bissingen, Schwieberdingen und Korntal-Münchingen. Hier zeichne sich, laut Vorlage, „eine bauliche Entwicklung nur vereinzelt ab“.
Argumente
Der Grund dafür liege nicht in der mangelnden Nachfrage der Industrie, betont der Verband Region Stuttgart, sondern unter anderem auch am mangelnden Interesse der Kommunen. Flächen sowohl für neue Technologiestandorte, aber auch für Logistikunternehmen, deren Bedeutung angesichts des gesellschaftlichen Wandels ständig wachse, würden händeringend gesucht. hol