Stuttgart - Der Wirtschaftsausschuss der Regionalversammlung hat am Mittwoch den Weg frei gemacht für eine Vereinbarung zwischen Region und drei Kommunen, die die Entwicklung eines gewerblichen Vorhaltestandorts im Gebiet „Hungerberg“ an der A 8 bei Kirchheim/Teck regelt. Dafür stimmten CDU/ÖDP, Freie Wähler, SPD, AfD und FDP, dagegen Grüne und Linke/Pirat. Der endgültige Beschluss für das Projekt fällt aber frühestens in ein paar Monaten.
Zeitgleich laufen auf regionaler und kommunaler Ebene die Planungsverfahren. Dafür gab es in den Gemeinderäten von Kirchheim/Teck und Notzingen deutliche Mehrheiten. In Dettingen, auf dessen Markung das Gebiet liegt, ist das Vorhaben freilich umstritten: Im Gemeinderat gab es nur ein knappes 7:6-Votum bei zwei Enthaltungen – und auch nur deshalb, weil die zunächst nutzbare Fläche von 42 auf 21 Hektar verkleinert wurde. Eine mögliche Erweiterung soll erst in einigen Jahren Thema werden. Auch in der Bevölkerung gibt es Widerstand. Auf regionaler Ebene muss der Regionalplan geändert werden, weil dort ein regionaler Grünzug ausgewiesen ist, der von Bebauung freigehalten werden soll.
Freie Flächen für kurzfristigen Bedarf
Mit dem Vorhaltegebiet will die Region auf die Transformation in der Wirtschaft, besonders in der Automobilbranche reagieren. Das Areal soll reserviert sein, wenn kurzfristiger Bedarf für größere Fabrikflächen von Industrieunternehmen entsteht, etwa im Bereich der Elektromobilität oder Wasserstofftechnologie. Die Region, in der es wenige schnell verfügbare und große Flächen gebe, müsse hier ein Angebot machen, sagte der regionale Wirtschaftsförderer Walter Rogg. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass Firmen und damit Arbeitsplätze abwanderten. Er verkenne nicht, dass die Nutzung auch Nachteile für Anwohner und den Klimaschutz mit sich bringe. „Wir brauchen aber neue Fabriken für neue Produkte“, sagte er.
Zielkonflikt bestimmt die Debatte
Dieser Zielkonflikt bestimmte auch die Debatte, in der immer wieder von einen „schwierigen Abwägung“ die Rede war. „Toptechnologie muss Markenkern unserer Region bleiben“, sagte CDU-Regionalrat Andreas Koch. „Wir brauchen gewerbliche Entwicklung“, betonte Gerd Maisch (Freie Wähler). Jürgen Zieger (SPD) betonte, dass es zwar ökologische Nachteile gebe, es aber auch um die Lebensgrundlagen von vielen Beschäftigten gehe. „Nachhaltigkeit hat auch einen sozialen Aspekt“, sagte er. Zudem widersprachen er und seine Vorredner wie auch Joachim Hülscher (AfD) und Volker Weil (FDP) der Ansicht, dass die neuen Fabriken in bestehenden Gewerbearealen gebaut werden könnten: „Es ist eine Mär, dass Transformation nur im Bestand stattfinden könne.“
Neue Flächen oder Bauen im Bestand
Im Gegensatz dazu stellte Dorothee Kraus-Prause (Grüne) infrage, dass „neue Technologien zwingend große Flächen brauchen“. Diese Entwicklungen könnten auch auf heute schon industriell genutzten Arealen stattfinden. „Transformation bedeutet für uns auch, mit der Ressource Fläche klug und nachhaltig umzugehen“, sagte sie, zumal Nutzer und Nutzungen noch offen seien und große Flächen „nicht automatisch viele Arbeitsplätze bedeuten.“ Auch Sebastian Lucke (Linke/Pirat) unterstütze dies und lehnte den Standort als „nicht ideal“ ab. Besser sei ein Gebiet in Vaihingen/Enz mit Schienenanschluss.
Kosten werden geteilt
Laut der Grundsatzvereinbarung soll die Wirtschaftsfördergesellschaft der Region (WRS) nun mit den Kommunen offene Fragen von der Wirtschaftlichkeit über die Auswirkung auf die Landwirtschaft bis hin zum Klimaschutz klären. Die Kosten für diese Untersuchungen von 700 000 Euro teilen sich WRS (350 000 Euro) und die drei in einer Verwaltungsgemeinschaft organisierten Kommunen: Dettingen zahlt 175 000 Euro, Kirchheim 150 500 Euro und Notzingen 24 500 Euro.