Gewerbeschwerpunkt im Kreis Ludwigsburg Porsche und Schwieberdingen nähern sich an

Von Michael Bosch 

Der Sportwagenbauer sendet positive Signale und beteuert sein Interesse an einem Gewerbequartier zwischen Intercity-Bahnlinie und Bosch-Standort. Allerdings stehen der Kommune schwierige Gespräche mit einer anderen Partei ins Haus.

Der Taycan wird in Zuffenhausen gefertigt. Teile für den Sportwagen könnten irgendwann aus Schwieberdingen kommen. Foto: dpa/Gollnow
Der Taycan wird in Zuffenhausen gefertigt. Teile für den Sportwagen könnten irgendwann aus Schwieberdingen kommen. Foto: dpa/Gollnow

Schwieberdingen/Zuffenhausen - Von null auf hundert Kilometer in der Stunde in höchstens vier Sekunden. Der Porsche Taycan ist ein Hochleistungssprinter. Bauteile für den ersten rein batteriebetriebenen Sportwagen aus Zuffenhausen sollen irgendwann auch in Schwieberdingen gefertigt werden. Das ist zumindest der Plan. Der Weg dahin ist aber kein Sprint, sondern ein Marathon. Das wissen die Beteiligten, allen voran Schwieberdingens Bürgermeister Nico Lauxmann, am besten. Das Ja zum neuen, regionalen Gewerbeschwerpunkt beim Bürgerentscheid im vergangenen Juni war nur der erste Schritt dahin, die Zuffenhäuser in die 11 000-Einwohner-Gemeinde zu locken.

Aber ein wenig geht es offenbar voran, wenn auch langsam. Im Dezember haben Lauxmann und sein Erster Beigeordneter Manfred Müller ein wegweisendes Gespräch mit Vertretern von Porsche geführt. Konkretes über das Treffen ist von Seiten des Autobauers aber nicht zu erfahren. Ein Unternehmenssprecher teilt auf Nachfrage unserer Zeitung lediglich mit, dass das Interesse, einen Teil der Vorproduktion für den Taycan in der Strohgäu-Stadt anzusiedeln, weiterhin bestehe. „Aber wir können momentan nichts tun. Der Ball liegt bei der Stadt Schwieberdingen.“

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Mehr als dass es Gespräche gegeben hat und Porsche positive Signale sende, will auch Nico Lauxmann nicht sagen. Aber an anderer Stelle meldet er Fortschritte. Der Schwieberdinger Gemeinderat hat zwei Expertenbüros auserkoren, um Gutachten zu erstellen. Das eine überprüft, inwiefern Tier- oder Pflanzenarten gefährdet sind, wenn das Industriegebiet tatsächlich bebaut werden würde. Überraschungen sind nicht ausgeschlossen, was andere Bauprojekte landauf, landab zeigen. Das zweite Fachinstitut ermittelt den Wert der Flächen, die sich bisher noch in Privatbesitz befinden. Die Ergebnisse sollen bis Mitte des Jahres vorliegen und sind Grundlage für die Verhandlungen mit den mehr als 100 Grundstückbesitzern, die zum Verkauf bewogen werden sollen.

Die Bürgerinitiative verweist auf Hemmingen und Weissach

Lauxmann hält sich bei der Frage nach möglichen Verkäufern noch zurück. Er weiß, so viele Leute auf einmal zu überzeugen, ist ein schwieriges Unterfangen. „Es ist noch keine Tendenz erkennbar“, sagt der Bürgermeister deshalb. Auf ihn seien aber schon Grundstückbesitzer zugekommen, die sich vorstellen können, zu verkaufen. Andere wiederum hätten einen Verkauf eher ausgeschlossen, seien aber zumindest bereit, sich das Angebot der Stadt anzuhören.

Wie viel die Besitzer am Ende für ihre Grundstücke bekommen sollen, darauf sind auch die Vertreter der Bürgerinitiative Lebenswertes Strohgäu, die inzwischen ein eingetragener Verein ist, gespannt. „Mal schauen, wie sie das rechnen“, sagt ihr Sprecher Karl Bendel. Die Spanne dürfte zwischen 70 und 175 Euro pro Quadratmeter liegen. So oder so hofft Bendel, dass sich möglichst wenig für einen Verkauf entscheiden, denn von der Porsche-Ansiedlung hat Schwieberdingen seiner Meinung nach nichts.

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Die Argumente, die Bendel und seine Mitstreiter ins Feld führen, sind die gleichen wie vor dem Bürgerentscheid. Die Gewerbesteuereinnahmen, die Porsche in die Kassen der Stadt spült, seien marginal. Denn Autobauer führe sie anderswo ab. Als Beispiel nennt Bendel die Gemeinden Weissach und Hemmingen, in denen einst üppige Porsche-Gewerbesteuereinnahmen massiv eingebrochen sind, erst recht, seitdem die Marke zu VW gehört. „Man müsste da zumindest irgend eine Vereinbarung treffen, die regelt, dass Porsche einen Teil der Gewerbesteuern hier zahlt“, so Bendel. Positiv entwickeln könnten sich indes die Einkommenssteuer, falls sich Porschemitarbeiter in Schwieberdingen ansiedeln. Geld, das die Gemeinde dringend braucht.

Der Haushalt wächst, die Rücklagen schrumpfen

Für die Erweiterung der Gemeinschaftsschule mit Hemmingen, für den Hochwasserschutz entlang der Glems und für ein neues Hallenensemble. Bis 2023 steigt der Haushalt auf mehr als 34 Millionen Euro (2020: 9,6 Millionen). Um die vielen Projekte zu finanzieren, plündert die Gemeinde ihre Rücklagen, 18,5 Millionen sollen aufgewendet werden.

Vor Weihnachten hatte Nico Lauxmann in seiner Haushaltsrede dafür geworben, in Infrastrukturprojekte zu investieren. Schwieberdingen will die Machbarkeitsstudie zum Stadtbahnprojekts abwarten und dann entscheiden, ob es mit in den Förderantrag aufgenommen werden möchte. Von 2030 an soll im Kreis Ludwigsburg zwischen Pattonville und Markgröningen eine neuartige Bahn fahren – und möglicherweise auch nach Schwieberdingen. Karl Bendel meint, dass die fehlende Sicherheit in Sachen Bahnanbindung am Ende gar dazu führen könnte, dass Porsche es sich noch einmal anders überlegt. „Das wird sich ziehen“, sagt er, „und ich glaube, Porsche kann und will nicht so lange warten.“