Gewerbeschwerpunkt in Schwieberdingen Vier Kommunen hoffen auf Porsche

Auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche nordöstlich des Bosch-Areals in Schwieberdingen soll der Gewerbeschwerpunkt entstehen. Foto: Werner Kuhnle

In Schwieberdingen soll ein 23 Hektar großes Gewerbegebiet entstehen. Hauptnutzer könnte die Automobilindustrie werden. Mehrere Nachbarkommunen haben sich dafür zusammengetan. Die ganze Region blickt auf ein zukunftsweisendes Projekt.

Schwieberdingen - Groß soll es werden mit 23 Hektar, das interkommunale Gewerbegebiet, das Schwieberdingen nahe des Bosch-Standorts plant. Ob es tatsächlich kommt, ist derzeit noch unklar – den gewünschten Viererbund hat die Gemeinde dafür bereits beisammen: Schwieberdingen entwickelt den regionalen Gewerbeschwerpunkt mit Markgröningen, Hemmingen und Ditzingen. Man sei immer mit einem Viererbund angetreten, sagt der Erste Beigeordnete Manfred Müller. Und mit der Forderung, 51 Prozent der Fläche haben zu wollen.

 

Zwar handelt es sich bisher erst um eine Absichtserklärung, rechtlich bindend wird es für die vier erst mit dem Zweckverband, der derzeit vorbereitet wird. Darauf verweist die Stadt Ditzingen, die nach dem Rückzug Möglingens die Initiative ergriff. Die Stadt gewichtete den Mehrwert größer als die Probleme, die dadurch auftreten könnten.

Kommunen müssen neue Lebensräume schaffen

Nicht nur die Größe des Gebiets ist der Grund für mehrere Beteiligte. „Wenn wir der Landwirtschaft schon Flächen entziehen, hat es Charme, wenn man Partner an Bord hat“, sagt der Schwieberdinger Beigeordnete. Er spielt damit darauf an, dass die Kommunen Ausgleichsflächen schaffen müssen für die Fläche, die für das Gewerbegebiet bebaut wird. Solche Flächen für neue Lebensräume sind in vielen Orten Mangelware. Und dann ist da noch die Finanzierung des Projekts. Müller spricht von Kosten von einem hohen zweistelligen Millionenbetrag.

Lesen Sie aus unserem Angebot: So heftig wurde um den Gewerbeschwerpunkt gestritten

„Das Gewerbegebiet wäre schön“, sagt Müller. Zumal mit Porsche ein florierendes Unternehmen „deutliches Interesse“ bekundet habe – schon bevor sich die Bevölkerung im Rahmen des Bürgerentscheids im Juli 2019 mehrheitlich für den Gewerbeschwerpunkt ausgesprochen hatte. Von 15 Hektar für ein Industrie-Quartier für E-Fahrzeuge war die Rede. „Zu dem stehen wir“, sagt Müller. Jedoch sei man in einer frühen Phase.

Ein Porsche-Sprecher teilt auf Anfrage unserer Zeitung mit: „Wir möchten mit dem Standort Schwieberdingen langfristig unsere Prozesse konsolidieren und die Zukunft gestalten. Der Standort wäre fest mit unserer strategischen Entwicklung verbunden.“ Im Wesentlichen gehe es um eine Montageversorgung des Werks in Zuffenhausen. „Weitere Planungen liegen aktuell jedoch noch nicht vor, weil wir erst abwarten wollen, bis die Gemeindeverwaltung die nächsten Schritte entschieden hat.“

Verhandlungen mit Grundstückseigentümern laufen

Trotz aller Vorfreude – eine große Hürde bleibt: der Grunderwerb. Gespräche mit rund 100 Grundstückseigentümern von insgesamt 45 Hektar Fläche – fünf Hektar für die Weiterentwicklung von kleineren Betrieben aus Schwieberdingen und 17 Hektar als mögliche Erweiterungsfläche für Bosch – laufen. Mit der Bereitschaft der Besitzer, ihre Flächen zu verkaufen, steht und fällt das Projekt Gewerbeschwerpunkt. „Es sieht gut aus“, sagt Manfred Müller. Gleichwohl gebe es bisher nicht mit jedem eine Einigung.

Hemmingen fehlen Flächen für weiteres Gewerbe

Für den Hemminger Bürgermeister war es immer klar, mitzumachen und „folgerichtig, für den Gewerbeschwerpunkt zu werben“. Thomas Schäfer (CDU) sagt: „Wir haben für weitere Gewerbeansiedlungen keine Flächen mehr.“ Aber auch wenn das Gewerbe nicht auf der eigenen Gemarkung liegt – Gewerbesteuer fließt dann dennoch auch nach Hemmingen.

Die Höhe könne freilich noch nicht beziffert werden, sagt Schäfer, der hofft, dass sich gut verdienende Unternehmen ansiedeln. Ditzingen bringe Knowhow mit, das man gern mitnehme, so Schäfer mit Blick auf die dortigen Unternehmen Trumpf und Thales. Bei der Schaffung von Ausgleichsflächen plädiert der Rathauschef, großflächiger zu denken, wie er sagt: Neue Lebensräume entstehen auch außerhalb Hemmingens. Man müsse zeitgemäß agieren, findet Schäfer.

Bebauung, Landwirtschaft und Ausgleichsflächen konkurrieren

„Man kann nicht sagen, es gebe keine Ausgleichsflächen mehr“, sagt auch der Planungschef des Verbands Region Stuttgart, Thomas Kiwitt. Auch wenn es gerade im Landkreis Ludwigsburg eine „sehr, sehr hohe Konkurrenz“ gebe zwischen Bebauung, Landwirtschaft und Ausgleichsflächen, schaffe die landeseinheitliche Ökokontoverordnung durchaus Möglichkeiten, im gleichen oder gar benachbarten Naturraum den Eingriff in die Natur auszugleichen. Für das Bauprojekt könnte also auch beispielsweise auf der Schwäbischen Alb ausgeglichen werden. „Die Frage ist: Will man das?“

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Warum Bürger für Porsche-Ansiedlung sind

Aus Sicht der Region ist das Gewerbegebiet zwingend erforderlich. Die Nachfrage sei groß, doch „wir sind ausverkauft, wenn wir mehr als zehn Hektar brauchen“, sagt Kiwitt. Dabei gebe es im Automotivsektor einen tief greifenden Strukturwandel, und „die Standortentscheidung in den Unternehmen muss jetzt getroffen werden“.

„Keine Landeplätze für Zukunftstechnologien“

In dieser „wichtigen Phase“ müsste die Region ein Angebot machen können. Doch es dauere Jahre, bis Baurecht geschaffen sei. Sechs, sieben Jahre – schon das sei „extrem ambitioniert“, meint Thomas Kiwitt. Die Unternehmen auf das Jahr 2028 oder gar 2030 zu verweisen, sei nicht möglich. „Darauf lässt sich niemand ein.“ Dabei gehe es gar nicht nur um Neuansiedlungen, sondern auch um die ansässigen Unternehmen, ihnen müsse man eine Perspektive bieten können. Das Problem: „Wir haben keine Landeplätze für Zukunftstechnologien.“

Weitere Themen