Gewerbeverein Aidlingen Stabwechsel in der Vorstandschaft
Der Handels- und Gewerbeverein Aidlingen hat eine neue Führung: Reiner Wilhelm tritt nach fast 20 Jahren ab, Yavuz Abay übernimmt.
Der Handels- und Gewerbeverein Aidlingen hat eine neue Führung: Reiner Wilhelm tritt nach fast 20 Jahren ab, Yavuz Abay übernimmt.
Aidlingen - Von einer Zäsur sprach Aidlingens Bürgermeister Ekkehard Fauth. Eine Ära ging zu Ende am Freitagabend beim Handels- und Gewerbeverein (HGV) der Heckengäugemeinde. Nach fast 20 Jahren an der Spitze gab Reiner Wilhelm das Amt des Vorsitzenden weiter an Yavuz Abay. Der 46-Jährige wurde von der Hauptversammlung ebenso einstimmig gewählt wie Vize Hartmut Nietsch, Kassier Marco Bigeschi und alle anderen Ausschussmitglieder.
Dass die erste Amtszeit des neuen Vorsitzenden zwei Jahre dauert, manche andere aber nur ein Jahr, liegt daran, dass die Veranstaltung 2020 wie viele andere Corona zum Opfer gefallen war und ab 2022 jedes Jahr jeweils wieder nur die halbe Führungsmannschaft im Amt bestätigt werden soll. In seinem letzten Bericht konnte Reiner Wilhelm zwar fast ausschließlich ausgefallene Veranstaltungen vermelden, dafür aber, dass immerhin alle derzeit 51 HGV-Mitgliedsbetriebe die Coronakrise ohne Insolvenz überstanden haben.
Projekte wie die Aktion „Türöffner“ wiesen in Zusammenarbeit mit der Gemeinde darauf hin, dass Einkaufen immer auch weiterhin möglich blieb. „Eine Mitgliedschaft im HGV zahlt sich aus“, fasste der scheidende Vorsitzende zusammen, „nur zusammen sind wir stark.“
Bei einer Gesprächsrunde fühlten er und andere HGVler den ebenfalls gekommenen Bundestagsabgeordneten Tobias Bacherle (Grüne) und Marc Biadacz (CDU) auf den Zahn. Überbordende Bürokratie und mangelnde Digitalisierung wurden aus der Runde angesprochen. „Die Coronakrise war aus meiner Sicht ein Armutszeugnis für die deutsche Politik“, kritisierte Reiner Wilhelm außerdem. „Dinge müssen digitalisiert schneller passieren“, waren sich alle einig. Umso erfreulicher, dass Ekkehard Fauth eine Kooperation mit einem führenden Internetanbieter verkünden konnte. „Bis 2023 wird sich einiges bewegen“, ist sich der Aidlinger Schultes sicher.
Im Wahlblock wurde deutlich, dass sich Reiner Wilhelm schon rechtzeitig im Vorfeld um eine Nachfolgelösung gekümmert hat. „Ich bin einer, der viel mit den Händen macht und weniger ein Redner“, stellte sich Yavuz Abay, gelernter Industriemechaniker und seit sechs Jahren als Gemüsehändler vor Ort, der Versammlung kurz vor. Er baue auch weiterhin auf Teamarbeit im GHV-Vorstand. Dem gehören seit Freitag neben ihm auch Hartmut Nietsch und Marco Bigeschi, Schriftführer Nicolas Beer sowie die Ausschussmitglieder Carmen Flaig, Marion Gastel und Dieter Mast an.
Reiner Wilhelm bot an, dass die HGV-Hauptversammlung selbstverständlich auch im kommenden Jahr und ohne ihn an der Spitze im ganz besonderen Ambiente seiner Oldtimer-Fahrzeughalle stattfinden könne. Der 61-jährige Unternehmer, unter anderem in der elektronischen Reisekostenabrechnung aktiv, will zukünftig nach dem beruflichen Ruhestand auch im Ehrenamt kürzertreten. „Wir haben immer den Hut gezogen vor diesem hohen Engagement“, bedankte sich stellvertretend für alle Funktionsträger und Mitglieder Marco Bigeschi. „Es kam von Herzen“, erwiderte Reiner Wilhelm und beendete den offiziellen Teil der 33. Jahreshauptversammlung des Handels- und Gewerbevereins Aidlingen.
Womit er sich künftig noch mehr beschäftigen will, machte der Blick auf seine herrlich restaurierten Vorkriegs-Oldtimer in der Halle deutlich. „Die sind alle fahrtauglich“, erzählte er stolz. Rund ein Dutzend davon besitze er, aber er würde sofort merken, wenn einer fehlt. Seine Liebe zu Oldtimern führte ihn sogar schon bis auf die Stuttgarter Messe „Retro Classics“, die sich in Vor-Corona-Zeiten steigender Beliebtheit erfreute. Dort stellte er zum Beispiel vor vier Jahren einen Ford-Abschleppwagen Baujahr 1935 aus – top-restauriert und quasi im Neuzustand. In seiner Halle schlummern aber noch weitere Schätze.
Ein Ford Model-T etwa, das erste in Fließband-Produktion gebaute Auto. Seit 20 Jahren ist es in Besitz von Wilhelm, der im Alter von 40 befand, dass jetzt mal etwas „wirklich Altes“ in seinen Bestand gehöre. Das Modell mit dem Spitznamen Tin Lizzie, englisch für „Blechliesel“ habe für Wilhelm eigentlich nur einen Nachteil: eine maximale Reisegeschwindigkeit von 45 Sachen. Das hielt das Aidlinger Unikum trotzdem nicht davon ab, mit ein paar anderen T-Enthusiasten damit die Alpen zu überqueren. Dieses Hobby, das viel mit Entschleunigung zu tun hat, hält ihn jung. Die Wochenenden gehörten oft dem Schrauben an den alten Boliden, sagte er mal bei einem früheren Besuch unserer Zeitung. Doch dabei gehe es nicht nur ums Reparieren: das alte Blech will ja auch bewegt werden. Das liebevoll gepflegte Hobby sorgt dafür, dass der jetzige Ex-HGV-Vorsitzende trotzdem nicht ganz ohne Ehrenamt bleibt. Denn in den Vorständen zweier Oldtimer-Vereine bleibt er auch weiterhin aktiv.