Gewinn bricht erneut ein So hart treffen Trumps US-Zölle Mercedes-Benz
Neue wie alte Zölle belasten das Ergebnis von Mercedes deutlich. Dennoch sieht die Konzernführung in der Einigung zwischen der EU und den USA Positives.
Neue wie alte Zölle belasten das Ergebnis von Mercedes deutlich. Dennoch sieht die Konzernführung in der Einigung zwischen der EU und den USA Positives.
Die Zölle sind da – und sie zeigen Wirkung. Mercedes-Benz verzeichnet im zweiten Quartal 2025 einen deutlichen Gewinneinbruch. Der operative Gewinn sank um 68 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro – maßgeblich belastet durch neue Zölle auf Fahrzeugimporte in die USA. Auch die derzeit laufenden Sparprogramme des Stuttgarter Autoherstellers schmälern den Gewinn.
Die neuen Importabgaben auf Fahrzeuge aus der EU in die USA haben im zweiten Quartal deutliche Spuren hinterlassen. Die bereinigte Umsatzrendite im Pkw-Geschäft fiel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 10,2 auf 5,1 Prozent. Ohne Zölle hätte sie bei 6,6 Prozent gelegen.
Damit beziffert Finanzvorstand Harald Wilhelm den Zolleffekt für das Gesamtjahr auf rund 1,5 Prozentpunkte – halb so viel wie zunächst erwartet. Und so kann Mercedes-Chef Ola Källenius dem jüngsten Deal zwischen der EU und den USA etwas abgewinnen. Dieser sei „strategisch gut überlegt“ und ein Vorteil für Mercedes-Benz.
Der Konzern hatte lange auf eine branchenspezifische Lösung gehofft – vergeblich. „Wir rechnen nicht mehr mit einem autospezifischen Deal mit den USA“, sagte Källenius. Stattdessen wurde ein umfassendes Abkommen über alle Warengruppen hinweg geschlossen – mit 15 Prozent Zöllen in die eine Richtung und null Prozent in die andere. Für Mercedes-Benz bedeutet das: Exporte aus den USA in die EU sind nun zollfrei – ein Vorteil für den Konzern als starken US-Produzenten.
Im Werk Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama produziert Mercedes-Benz jährlich rund 260 000 Fahrzeuge, von denen etwa zwei Drittel exportiert werden – ein relevanter Teil davon nach Europa. Die Abschaffung der bisherigen zehn Prozent Einfuhrzölle auf diese Fahrzeuge stellt daher einen spürbaren wirtschaftlichen Vorteil dar.
Doch das gilt nicht für alle. Porsche etwa, der Sportwagenhersteller aus Zuffenhausen, produziert keine Fahrzeuge in den USA – und profitiert daher nicht. Für Mercedes-Benz und BMW hingegen, zwei der größten Exporteure aus den USA in die EU, ist dieser Teil des Abkommens ein Gewinn.
Ob Mercedes-Benz die Zölle an Händler oder Endkunden weitergibt, ließ der Konzern offen. Källenius erklärte lediglich, man werde „die Marktbedarfe erfüllen“, kommentiere jedoch keine Details zur kommerziellen Strategie. Es ist daher möglich, dass Mercedes-Benz die Kosten zumindest teilweise selbst trägt – mit direkten Auswirkungen auf die Marge.
Neben den Zolleffekten drücken auch Rückstellungen für das konzernweite Sparprogramm „Next Level Performance“ auf das Ergebnis. Zum Quartalsende wurden rund 560 Millionen Euro für Abfindungen zurückgestellt. Laut Unternehmensangaben haben bereits zahlreiche Beschäftigte entsprechende Angebote angenommen.
Neben den Zöllen belastet auch die Entwicklung in China die Bilanz. Der weltweit größte Automarkt zeigt sich weiterhin schwach. Der Absatz ist rückläufig, die Beiträge zum Konzernergebnis sinken. „Der chinesische Markt ist extrem wettbewerbsintensiv“, sagte Källenius. Mehr als 100 Marken konkurrieren dort um die Kundschaft – deutlich mehr, als der Markt verkraften kann.
Trotz der Belastungen plant Mercedes-Benz keine kurzfristige Verlagerung von Produktionskapazitäten. „Industriestrukturen laufen auf Jahrzehnte“, betonte Wilhelm. Zwar prüfe man Optimierungspotenziale im globalen Produktionsnetzwerk, aber eine „Hau-Ruck-Reaktion“ sei nicht zielführend.
Zur Abfederung der Zölle setzt Mercedes-Benz auf zwei Hebel:
Im laufenden Jahr konnte der Konzern die Zölle teilweise abfedern: Im ersten Quartal galten noch sehr viel niedrigere Zölle (2,5 Prozent), und Mercedes-Benz hatte frühzeitig Fahrzeuge in die USA verschifft, um Händlerlager zu füllen. Ab April griffen die zusätzlichen Zölle in Höhe von 25 Prozent, die nun durch das neue Abkommen (15 Prozent) ersetzt werden.
Dieser Puffer fällt 2026 weg. Dann wird Mercedes-Benz das gesamte Jahr über Fahrzeuge in einen Markt liefern müssen, in dem die Zölle dauerhaft gelten.
Wie sich das auf die Marge auswirkt, ist offen. Aussagen zur Umsatzrendite im kommenden Jahr wollte der Konzern nicht treffen. Für 2025 prognostizieren die Vorstände eine Umsatzrendite zwischen vier und sechs Prozent. Klar ist: Die Produktoffensive, die 2025 mit dem Mercedes CLA begann und mit GLC, C-Klasse und E-Klasse fortgesetzt wird, muss zünden. Das erste volle Verkaufsjahr der Modelle ist 2027. Die kommenden eineinhalb Jahre können als Übergangszeit gewertet werden. Danach zählt’s.