1,3 Milliarden Gewinn hat der VW-Konzern in den ersten neun Monaten mit seiner Kernmarke Volkswagen erwirtschaftet. Das klingt gut – aber nur auf den allerersten Blick. Innerhalb von neun Monaten hat sich die Gewinnspanne damit halbiert – von schwachen vier auf nun hauchdünne zwei Prozent. Betrachtet man den sogenannten Netto-Cashflow, will man am liebsten gar nicht mehr hinschauen. Denn die Einnahmen dieser deutschen Industrie-Ikone reichen schon heute nicht mehr, um Zukunftsprojekte zu finanzieren – tatsächlich verliert die Marke Geld und lebt aus der Substanz.
Dass in dieser Situation allen Ernstes über Gehaltserhöhungen von sieben Prozent verhandelt wird, wirkt vor diesem Hintergrund wirklichkeitsfremd. So richtig es ist, dass die Betriebsparteien über die Zukunft und auch über Verteilungsspielräume streiten: Über die wirtschaftliche Lage derart hinwegzusehen, zeugt nicht von Realitätssinn. Selbst wenn die Arbeitnehmerseite sich durchsetzen würde, sie erzielte einen Pyrrhussieg: Woher sollte das Geld denn kommen?
China überflügelt seinen Lehrmeister
Lange Zeit wurden deutsche Löhne durch enorme Gewinne aus China subventioniert, wo man zunächst billig produzieren und später die teuersten Autos zu teilweise immensen Preisen verkaufen konnte – auch bei Mercedes. Deutschland hat China stark gemacht, das nun seinen Lehrmeister überflügelt und immer hochwertigere Autos zu konkurrenzlos günstigen Preisen verkauft.
Dabei steht deren Offensive auf den europäischen Märkten erst noch bevor. Es wäre schon viel gewonnen, wenn es gelingt, der sich beschleunigenden Erosion der wirtschaftlichen Basis zumindest Einhalt zu gebieten. Nichts wäre weltfremder als die Hoffnung, dass die alten Zeiten wiederkommen werden.