Gewinner und Verlierer am Aktienmarkt Wie Trump die Börsenwelt neu ordnet
Bitcoin und US-Aktien hui, BMW, Mercedes, Porsche und Co. pfui: Trumps Rückkehr mischt die Karten für Anleger neu. Wer verliert? Wer profitiert? Fragen und Antworten.
Bitcoin und US-Aktien hui, BMW, Mercedes, Porsche und Co. pfui: Trumps Rückkehr mischt die Karten für Anleger neu. Wer verliert? Wer profitiert? Fragen und Antworten.
Die Rückkehr von Donald Trump als US-Präsident spaltet nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Börsenwelt. Seit seiner Wiederwahl zeigt sich am Finanzmarkt ein klares Bild: Neben Kryptowerten wie der größten Digitalwährung Bitcoin sind US-Aktien die großen Profiteure – Anleger hoffen, dass Trumps „America-first“-Wirtschaftsagenda amerikanischen Unternehmen mit Steuersenkungen und Deregulierung zu höheren Gewinnen verhilft. In Europa hingegen belasten seine geplanten Zollerhöhungen die Börsen, das trifft auch für den Dax zu.
Was bedeutet Trumps Agenda für europäische Firmen? „Für Europa bedeutet Trumps Sieg, dass der schlimmste wirtschaftliche Albtraum wahr wird“, sagt ING-Bank-Chefökonom Carsten Brzeski. Die Konjunktur sei ohnehin schon schwach, Europa ächze bereits unter einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit. Das gilt besonders für Deutschland. So verwundert es nicht, dass im Dax nach der Trump-Wahl die Verlierer klar überwiegen. Deutschlands Wachstum hängt stark an der exportorientierten Industrie – neue Handelskriege könnten verheerend für die wichtigsten Schlüsselbranchen sein.
Welche deutschen Aktien gerieten am stärksten unter die Räder? Für BMW, Porsche, Mercedes-Benz und Volkswagen ging es an der Börse über fünf Prozent nach unten. Die USA sind für deutsche Exporteure der größte Absatzmarkt außerhalb der EU, die Autoindustrie steht wegen ihrer globalen Lieferketten besonders zwischen den Fronten. Trump droht mit Basiszöllen von 20 Prozent auf Einfuhren aus der EU. Zudem will er 60 Prozent auf „alles“ aus China erheben, wo die deutschen Autokonzerne ebenfalls sehr präsent sind und bereits unter Absatzproblemen leiden. Für die Hersteller käme der Zollschock auch deshalb zur Unzeit, weil ihnen der Umstieg auf Elektromobilität hohe Kosten verursacht und große Schwierigkeiten bereitet.
Ende vergangener Woche geriet zudem eine Reihe von Pharmaaktien spürbar unter Druck. Grund war Trumps beabsichtigte Nominierung des Impfskeptikers Robert F. Kennedy Jr. zum Gesundheitsminister. Neben großen US-Vakzinherstellern wie Pfizer, Moderna und Novavax mussten auch Biontech und Curevac aus Deutschland deutliche Kursverluste hinnehmen.
Wer büßte nach Trumps Wahlerfolg sonst noch kräftig ein? Der Chemieriese BASF aus Ludwigshafen verlor in der Woche nach den US-Wahlen knapp vier Prozent an der Börse, der Energieriese Eon geriet noch etwas stärker ins Minus. Der Chemikalienhändler Brenntag stürzte um fast sieben Prozent ab. Am schlimmsten erwischte es mit Kursverlusten von rund 15 Prozent die Bayer AG. Allerdings war Trump hier nicht der Hauptgrund. Der Agrarchemie- und Pharmakonzern lieferte tiefrote Quartalszahlen und kürzte seine Geschäftsprognose. Die Leverkusener stecken seit der Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto, der wegen mutmaßlich krebserregender Unkrautvernichter mit Massenklagen kämpft, in einer tiefen Krise. Auch bei BASF, Eon und Brenntag spielten neben Trump die Finanzberichte für das jüngste Quartal eine wichtige Rolle.
Gibt es am deutschen Aktienmarkt auch Gewinner des „Trump Trades“? Unmittelbar nach dem Wahlsieg erhielt die Deutsche Bank kräftig Auftrieb, jedoch bröckelten die Gewinne rasch wieder ab. Experten sehen die Aktie trotzdem als möglichen Profiteur Trumps, der den US-Finanzsektor durch Deregulierung entfesseln will. Insgesamt wirkte sich das Wahlergebnis negativ auf europäische Bankaktien aus, da US-Geldhäuser der hiesigen Konkurrenz weiter enteilen könnten. Allerdings gibt es Institute, die eine große US-Präsenz haben und stark im Kapitalmarktgeschäft aufgestellt sind, dem eine Renaissance des Investmentbankings unter Trump zugutekäme. Dazu zählt JPMorgan-Analyst Kian Abouhossein die Deutsche Bank.
Grundsätzlich stehen beim „Trump Trade“ exportlastigen Unternehmen, die empfindlich von Strafzöllen getroffen würden, solche gegenüber, denen Trumps Präsidentschaft in die Karten spielt oder zumindest nicht viel anhaben kann. Das gilt vor allem für Konzerne, die stark in den USA vertreten sind und von einem dortigen Wachstumsschub profitieren könnten. Dazu zählt etwa der Bonner Telekom-Konzern, der einen Großteil seines Geschäfts mit der US-Tochter T-Mobile macht. Ein großes US-Engagement hat auch der Dialyse-Dienstleister Fresenius Medical, dessen Aktienkurs auf Jahreshoch notiert und seit Monatsbeginn um 20 Prozent zugelegt hat. Weitere deutsche Unternehmen, die ihre Umsätze weit überwiegend in den USA erzielen, sind der Baukonzern Hochtief und der Kochboxenanbieter Hellofresh.
Wie nachhaltig ist der Trend an der Börse? Das ist die große Frage. Inwieweit Trump seine Wirtschaftsagenda umsetzt, bleibt abzuwarten. An den US-Aktienmärkten geriet die Rallye zuletzt ins Stocken, der Leitindex S&P 500 gab in den vergangenen fünf Tagen um über zwei Prozent nach. Nach der anfänglichen Euphorie über geplante Steuersenkungen und Bürokratieabbau machten sich zunehmend Sorgen breit, dass Trumps Politik den Haushalt stark strapazieren, die Inflation wieder anfachen und die staatlichen Finanzierungskosten durch höhere Anleiherenditen steigen lassen könnte, was der US-Notenbank weitere Leitzinssenkungen erschweren würde.
Ist Trump überhaupt von Vorteil für die US-Wirtschaft? Ökonomen haben Trumps Pläne schon vor der Wahl immer wieder zerpflückt. Dass er der ohnehin schon seit Jahren brummenden Wirtschaft dauerhaft zu höherem Wachstum verhelfen kann, wird bezweifelt. Trumps Politik der Abschottung und seine angestrebten Massenabschiebungen stellen ein Konjunkturrisiko dar, weil dem ohnehin schon engen Jobmarkt wichtige Arbeitskräfte verloren gingen. Sein protektionistischer Kurs steht außerdem im Widerspruch zu seinem Ziel, den US-Dollar zu schwächen, um der US-Exportwirtschaft unter die Arme zu greifen. „Trumps Rückkehr ist wahrscheinlicher eher negativ für die Wirtschaft“, meint Nordamerika-Chefvolkswirt Paul Ashworth vom Analysehaus Capital Economics.