Gewinnerin des Sebastian-Blau-Preises Ein Multitalent mit festen Wurzeln

Susanne Wahl-Eder in ihrem Atelier in Lonsingen Foto: Faltin

Susanne Wahl-Eder schreibt, malt und macht mit ihrer Tochter schwäbisches Kabarett. Jetzt haben die beiden den Sebastian-Blau-Preis gewonnen.

Klima/Nachhaltigkeit : Thomas Faltin (fal)

St. Johann - Es wäre fast eine Beleidigung, Susanne Wahl-Eder nur als vielseitig zu bezeichnen – in Wahrheit ist sie ein künstlerisches Allroundtalent. Sie arbeitet als selbstständige Grafikerin, malt Bilder und fertigt Skulpturen, schreibt Mundartgedichte und Theaterstücke, bei denen sie auch die Regie führt, mitspielt und die Bühnenbilder macht. Zusammen mit ihrer Tochter Mona Maria Weiblen, einer ausgebildeten Musicaldarstellerin, tourt sie als Duo Traufgängerinnen mit wechselndem Kabarettprogramm durchs Schwäbische. Daneben ist sie Albwanderin, Kunstlehrerin, Ferienwohnungsvermieterin – und die Pudeldame Leni will auch noch ständig raus. „Ich kann und will mich gar nicht festlegen“, begründet die 54-Jährige ihre vielen Neigungen. „Je nach Thema finde ich die eine oder die andere Kunstform viel angemessener.“

 

Jetzt haben sie, ihre Tochter und der Pianist Bernhard Krause als Liedermacher den Sebastian-Blau-Preis gewonnen. Die Auszeichnung des Vereins Schwäbische Mund.art erinnert an den Begründer der Stuttgarter Zeitung, Josef Eberle, der für seine schwäbischen Gedichte das Pseudonym Sebastian Blau gewählt hatte. Das von Wahl-Eder geschriebene Lied „Julius“ ist ganz anders, als man sich ein schwäbisches Stück vorstellt – es ist leise, fast melancholisch und erzählt vom eigenen Großvater, der als Soldat in zwei Weltkriege hatte ziehen müssen und mit gebrochenem Herzen nach Hause kam. „Er war ein gescheiter Mann“, sagt die Autorin, „aber g’lacht hat er fast nie.“

Aufgewachsen im Tal, lebt sie mittlerweile auf der Hochebene

In der Albrevue der Traufgängerinnen geht es dagegen auch flott und witzig zu, aber nie klischeehaft. Susanne Wahl-Eder sagt von sich und ihrer Tochter, sie seien „ein bisschen die Heavy-Metal-Gruppe unter den Mundartdichtern“. Zum Beispiel heißt der Refrain in ihrem Älbler-Rap: „Baby, mach mir den Älbler, zeig mir dein digga Bulldog en dr Garage.“

Tatsächlich ist Susanne Wahl-Eder gerne ein Landei, sie wohnt mit ihrem Mann, einem Architekten, in einem alten Bauernhaus in Lonsingen, einem Ortsteil von St. Johann, hinter Pfuideifel auf der Alb. Sie sei in Bad Urach aufgewachsen, dessen Täler so eng sind, dass schon um 15 Uhr kein Sonnenlicht mehr auf den Talgrund trifft. „Ich wusste deshalb bereits als Kind, dass ich auf der Alb leben will“, sagt sie heute – auf der Alb, wo der Horizont weit ist und die Landschaft der Seele guttut.

Das sieht man auch ihren Gemälden an, die häufig die Alb zum Thema haben. In der Malerei folgt sie ebenfalls keinem Stil, sondern nimmt sich die Freiheit, zu machen, was sie will. Oft male sie ganze Zyklen, wobei das erste Bild recht gegenständlich, das letzte aber fast abstrakt sei – reduziert auf die vom Körperlichen befreite Idee des Bildes. Manchmal sind nur noch gelbe und blaue Bänder auf der Leinwand zu sehen, und doch weiß jeder, der die Alb kennt, dass es Weizenfelder, Hecken und ein hoher Himmel sind, wie sie nur auf der Alb zu finden sind.

Farben statt Fleisch – da schluckte die Mutter zuerst

Schon mit 14 Jahren setzte sich diese Liebe zur Malerei durch, erinnert sich Susanne Wahl-Eder. Sie stammt aus einer eher unkünstlerischen Familie, und vor dem Wochenende wurde sie immer mit Geld zum Metzger geschickt, um den Sonntagsbraten zu kaufen. Aber einmal habe sie allen Mut zusammengenommen, betrat das Geschäft gegenüber und gab das Geld dort für einen Aquarellkasten aus. Ihre Mutter sei zunächst sprachlos gewesen, aber dann habe sie verstanden, wie wichtig der Tochter die Farben waren.

Derzeit rückt aber eher das Schreiben in den Mittelpunkt. Auch da habe sie, sagt die quirlige Mittfünfzigerin, mehr als genug Ideen: „Um die alle auszuleben, müsste ich 300 Jahre alt werden.“

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