Gewissheit bei Corona Schnelle PCR-Tests: Sind sie die Lösung?

PCR-Tests im Labor bringen Gewissheit, ob eine Infektion vorliegt: Bis ihr Ergebnis da ist, braucht es jedoch zunehmend mehr Geduld. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Explodierende Zahlen, ausgelastete Labore: In diesen Tagen rücken PCR-Tests in den Fokus, die nach wenigen Minuten Ergebnisse liefern. Was hat es damit auf sich?

Region: Verena Mayer (ena)

Stuttgart - Wie gut ihre Idee war, haben die Johanniter sofort gemerkt: Alle Termine für ihr neues Testangebot in Esslingen waren sofort ausgebucht. Das neue Angebot besteht in so genannten NAT-Tests, die salopp auch als schnelle PCR-Tests bezeichnet werden. Wie beim gängigen PCR-Test wird an der Teststelle ein Abstrich gemacht. Doch anders als beim üblichen Verfahren muss die Probe nicht langwierig in einem Labor ausgewertet werden. Stattdessen wird sie vor Ort analysiert, und ein Ergebnis liegt bereits nach rund 15 Minuten vor. „Damit haben die Getesteten wesentlich schneller Gewissheit und können entsprechend früher handeln“, sagt Philipp Timmermann, der Dienststellenleiter der Johanniter.

 

Das Ergebnis liegt schnell vor

Die Esslinger Johanniter nutzen diese Tests allerdings nicht exklusiv. Es gibt sie schon länger und sie werden auch an anderen Teststellen eingesetzt. Tatsächlich könnte dieser Methode nun jedoch große Bedeutung zuwachsen. Denn die Labore, in denen die klassischen PCR-Tests ausgewertet werden, kommen mit der Arbeit kaum hinterher, seit die Corona-Infektionszahlen täglich neue Höchststände erreichen.

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Nach Angaben des Sozialministeriums wurden in den Laboren im Land vorige Woche rund 140 000 PCR-Tests ausgewertet. Der Auslastungsgrad lag damit bei 63 Prozent, viel Luft nach oben ist nicht mehr. „Limitierender Faktor ist in erster Linie der Mangel an qualifiziertem Fachpersonal“, formuliert das Ministerium, das deshalb einen Aufruf an Biologiestudenten mit Laborerfahrung gestartet hat. Sie sollen, so die Hoffnung, in den Laboren aushelfen.

Zuverlässige Ergebnisse mit Abstrichen

Thorsten Pilgrim merkt diesen Engpass daran, dass seine Teststellen zunehmend von Bürgerinnen und Bürgern aufgesucht werden, die nicht noch länger auf das Ergebnis ihres Abstriches aus einem Labor warten wollen. Pilgrim ist Arzt und Inhaber des Dienstleisters Via-Med, der in den Kreisen Ludwigsburg, Böblingen und Calw Impf- und Teststellen betreibt. Auch er arbeitet mit schnellen PCR-Tests.

Er bezieht seine von einem anderen Hersteller als die Johanniter. Doch generell gilt: Die schnellen PCR-Tests sind nicht schlechter als die weniger schnellen. Ihr Hauptunterschied besteht, neben der Auswertungsdauer, darin, dass sie nicht anzeigen, mit welcher Virusvariante ein Patient infiziert ist. Auch eine Aussage, wie infektiös er ist, ist mit ihnen nicht möglich.

Kein Vergleich zum Labor

Bislang kamen sie bevorzugt bei Testungen in Ambulanzen, Pflegeheimen, Schulen oder anderen Einrichtungen zum Einsatz, in denen es schnell gehen muss. Das Stuttgarter Klinikum etwa setzt die Technik in großem Stil in seiner Notaufnahme ein. Dass mit ihnen nun eine massive Entlastung der Labore einher geht, ist allerdings nicht automatisch gesagt.

Denn zum einen sind nicht massentauglich. Thorsten Pilgrim kann pro Tag etwa 500 Abstriche vor Ort auswerten. Kein Vergleich zu einem Labor, wo mehrere Tausend Proben am Tag analysiert werden. Das Klinikum macht aktuell etwa 100 schnelle Tests am Tag. Die Johanniter in Esslingen kommen an einem Tag mit langer Öffnungszeit auf knapp über 60 mögliche Abstriche. Und Gregor Kern, der in Ludwigsburg und Tübingen Teststellen betreibt, auf insgesamt 140. Wobei er kurz davor war, auf PCR-Tests mit Laborauswertung umzustellen, gezwungenermaßen. Weil – dies also zum anderen – sich die Vergütung bei den schnelleren Tests nicht mehr rechnet, wie er sagt.

Das Geld wird knapp

Bislang gab es dabei keinen Unterschied, ob es sich um schnelle oder weniger schnelle PCR-Tests handelt. Sie wurden mit knapp 52 Euro vergütet. Diese Summe setzte sich zusammen aus rund 44 Euro für die Labordiagnostik und acht Euro für den Abstrich als solchen. Inzwischen jedoch können schnelle PCR-Tests, bei denen kein Labor involviert ist, lediglich noch mit 38 Euro abgerechnet werden.

Es gehe nicht darum, an Tests jeden möglichen Cent zu verdienen – „aber Geld mitbringen können wir nicht“, sagt Gregor Kern, der glaubt, dass es darauf hinauslaufen würde. Wenn man Personal und Schutzmaterial zu den Kosten für das Testkit hinzurechne, sei das nicht mehr wirtschaftlich. Inzwischen jedoch hat sich die Stadt Ludwigsburg bereit erklärt, ihn zu unterstützen. Wie genau, steht laut Kern noch nicht fest.

Einsatz mit Nebenkosten

Auch das Bundesgesundheitsministerium hofft, dass die schnellen PCR-Tests breiter zum Einsatz kommen und will den Kreis derjenigen erweitern, die sie anbieten dürfen. Das Stuttgarter Klinikum hat bereits weitere Geräte bestellt. Sie sollen in der Königstraße zum Einsatz kommen, wo das Klinikum bereits eine Impfstation betreibt.

Und die Johanniter in Esslingen wollen ihr Angebot ebenfalls ausbauen, in dem sie die Öffnungszeiten ihrer Teststation noch erweitern. Und sie wissen schon jetzt, dass sie mit den schnellen PCR-Tests nicht kostendeckend arbeiten. Doch Philipp Timmermann sagt: „Das ist unser Einsatz für die Pandemie.“

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