Geze-Chefin Vöster-Alber im Interview „Ich musste mich durchboxen“

Brigitte Vöster-Alber hat Geze im Alter von 24 Jahren übernommen. Foto: Geze
Brigitte Vöster-Alber hat Geze im Alter von 24 Jahren übernommen. Foto: Geze

Von wenigen Tiefen und vielen Höhen – Brigitte Vöster-Alber führt ihr Familienunternehmen seit 50 Jahren.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Leonberg - An der Wand des Besprechungsraums der Firma Geze in Leonberg ticken vier Uhren. Sie zeigen die Zeit in Deutschland an sowie die in Moskau, Dubai und Shanghai. Und irgendwie stehen die Chronometer sinnbildlich für die internationale Ausrichtung des Spezialisten für hochmoderne Tür- und Fenstersysteme, dessen Produkte etwa im Stuttgarter Mercedes-Museum eingebaut sind, aber auch im Flughafen von Madrid oder im Eishotel von Jukkasjärvi am Polarkreis. Gesteuert wird die rund 2800 Mitarbeiter zählende Traditionsfirma seit nunmehr fast 50 Jahren von der geschäftsführenden Gesellschafterin Brigitte Vöster-Alber. „Wir wollen aus eigener Kraft wachsen“, sagt sie, „und ein Familienunternehmen bleiben.“

Frau Vöster-Alber, 2018 feiern Sie ein be­sonderes Jubiläum. Dann stehen Sie seit 50 Jahren an der Spitze Ihres Unternehmens. Müssen Sie sich manchmal zwicken, um zu spüren, dass das wahr ist?
Warum zwicken? Für mich fühlt sich das normal an, es ist irgendwie selbstverständlich. Ich kenne es ja auch nicht anders. Und im Übrigen haben in den vergangenen Jahren bei Geze schon andere Mitarbei­terinnen und Mitarbeiter dieses Jubiläum erreicht. So besonders ist es also gar nicht.
Es war 1968 aber schon eine besondere Si­tuation, als Sie nach dem frühen Tod Ihres Vaters plötzlich die Firma übernehmen mussten – und dies als Frau in einer Männerdomäne. Wie schwer war der Einstieg?
Mein Vorteil war, dass ich den Betrieb und viele Mitarbeiter sehr gut kannte. Bei uns in der Familie gab es kein anderes Thema. Deshalb war ich mit den Abläufen vertraut. Nur die Rohmaterialien musste ich kennenlernen, da hatten meine Eltern etwas versäumt.
Das war wohl nicht die einzige Hürde, über die Sie springen mussten.
Natürlich werden Sie als Frau in solch einer Position zunächst kritisch beäugt. Ich denke, das hat sich bis heute nicht wesentlich geändert. Ich musste mich einfach durch­boxen und bei Entscheidungen immer wieder auch bewusst die Ellbogen ausfahren.
Sie haben sich immer starkgemacht für Frauen in Führungspositionen. Wie sieht das in Ihrem eigenen Unternehmen aus?
Da stehen wir nicht schlecht da: Immerhin 30 Prozent unserer Führungskräfte sind Frauen. Ich will aber nicht verhehlen, dass es nicht leicht ist, diesen Stand zu halten. Nicht wenige Frauen wollen gar nicht in die vorderste Reihe. Oder sie ändern – eigentlich sehr gut qualifiziert – mit der Heirat und den Kindern ihren Fokus.
Hilft eine Quote, um mehr Frauen auch in höchste Ränge zu bringen?
Oje, von einer Quote halte ich gar nichts. Entscheidend ist zunächst einmal die fachliche Qualifikation. Und wenn diese nicht gegeben ist, wird eine Frau an der Spitze einer Abteilung oder Firma auch keine Akzeptanz finden. Ich bin sehr dafür, Frauen auf dem Weg nach oben möglichst stark zu unterstützen und sie auch mehr zu mo­tivieren, Führungsämter anzunehmen – aber erzwingen lässt sich das nicht.
Was fehlt den Frauen heute, um sich leichter für Spitzenämter zu erwärmen?
Wichtig ist, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Ganz entscheidend für Familien ist, dass die Kinder gut betreut sind – und da haben wir bei allen Bemühungen der Politik immer noch einen Nachholbedarf.



Unsere Empfehlung für Sie