Gibt es Zombies? Teil II Was die Wissenschaft über Zombies sagt

„Nicht öffnen. Drinnen sind Tote“: Angesichts der Zombies hinter der Tür ist der Ratschlag aus der TV-Serie „Walking Dead“ besser ernst zu nehmen. Foto: AFP 11 Bilder
„Nicht öffnen. Drinnen sind Tote“: Angesichts der Zombies hinter der Tür ist der Ratschlag aus der TV-Serie „Walking Dead“ besser ernst zu nehmen. Foto: AFP

Der Tod ist der definitive Verlust aller Lebensfunktionen – doch wie ist das bei Zombies? Welchen Tod sind die Untoten gestorben? Was sagt die Wissenschaft?

Leben: Markus Brauer (mb)
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Stuttgart - „Tot ist tot, da helfen keine Pillen“, heißt ein Glaubensseminar, das evangelikale Christen aus Süddeutschland vor einiger Zeit angeboten haben. „Tot ist tot“ – das bedeutet: Der Tod ist der definitive Verlust aller vitalen Lebensfunktionen, das Sterben der Übergang vom Leben zum Tod, der eingetretene Tod der „Exitus letalis“ – der tödliche Ausgang. Danach kommt nichts mehr – zumindest nichts, was man naturwissenschaftlich beweisen könnte.

Doch wie ist das mit Zombies? Warum schleichen sie umher und fallen getrieben von unstillbarer Gier über die Lebenden her, obwohl sie doch eigentlich tot sind? Auch Wissenschaftler lässt diese Frage nicht los.

I. Zombie-Apokalypse

Wer einer Zombi-Epidemie Herr werden will, muss zuerst wissen, mit wem er es zu tun hat. Bei fleischfressenden Untoten ist das besonders schwierig, weil sie zubeißen, bevor man sie in aller Ruhe untersuchen kann. Epidemologen um Philip Munz von der School of Mathematics an Statistic an der Carleton University im kanadischen Ottawa haben mathematisch berechnet, wie eine Zombie-Apokalypse ablaufen und wie die Menschheit sie überleben könnte.

„Nur schnelle aggressive Attacken können das Szenario eines Weltuntergangs abwenden: Den Kollaps der Gesellschaft durch die Übernahme von Zombies“, schreiben die Autoren in ihrer Studie„When zombies attack!: Mathematical modelling of an outbreak of zombie infection.“ Mit Hilfe eines speziellen Computerprogramms inklusive Grafiken und mathematischer Formeln haben sie berechnet, wie lange es dauert bis sich ein Zombie-Virus in einer Stadt ausbreitet – nämlich drei bis vier Tage.

„Der effektivste Weg, den Aufstieg der Zombies einzugrenzen, ist es, die Untoten hart und oft zu treffen.“ Die cineatische Erfahrung mit Untoten und die reale mit Epiodemien bestätigen diese Einschätzung. Echte Infektionskrankheiten lassen sich nur durch ein rasches, entschlossenes Vorgehen bekämpfen.

Ähnliches gilt für Zombie-Viren. Einmal gebissen ist dem Opfer die Mutation gewiss. Es kann ihr nur entgehen, wenn er den Gegner schon beim ersten Kontakt ausschaltet. Als verlässlichste Methode hat sich das Abtrennen des Kopfes erwiesen. Ungeübten fällt dies aufgrund mangelnder Erfahrung schwer, was fatale Folgen haben könnte. Bevor der entscheidende Schlag gelingt, kann der Zombie-Speichel bereits in die Blutbahn gelangt sein.

II. Zombie-Viren

Forscher der University of Washington haben im Juli 2016 in Mäusen und Zebrafischen Gene entdeckt, die nicht zusammen mit ihrem Wirt sterben, sondern auch nach dessen Tod eine Zeitlang weiterexistieren. Sie vermehren sich und geben erst mehrere Tage nach dem Tod des Organismus den Geist auf.

Was wäre, wenn dieser genetische Wachstumsprozess durch äußere Einflüsse verlängert oder verstärkt werden würde? Im Endzeit-Thriller „I m Legend“ (2007) wird ein Virus entwickelt, das Krebs besiegen soll. Stattdessen mutiert es und dezimiert die Weltbevölkerung um 5,4 Milliarden Menschen. Am Ende herrschen die Untoten über den Planeten.

2014 entdeckten französische Wissenschaftler um Matthieu Legendre von der französischen Aix-Marseille Université im sibirschen Permafrostboden rund 30 000 Jahre alte Riesenviren, die sie „Pithvirus sibericum“ tauften und die seitdem im Internet als „Zombie-Viren“ herumgeistern. „Unseres Wissens ist dies das älteste, Eukarryoten-infizierende Virus, das bisher zum Leben erweckt wurde“, schreiben die Forscher.

Niemand weiß, was noch alles in den Böden schlummert und bei Bohrungen oder Grabungen aus dem Tiefschlaf erwachen könnte. US-Regisseur John Carpenter hat dieses Thema in seinem Horrorfilm „Das Ding aus einer anderen Welt“ („The Thing“, 1982, ein Remake des Originals von 1951) als Adaption der „Büchse der Pandora“ aufgegriffen.

III. Zombie-Neurologie

Steven Schlozman, Psychiatrie-Professor an Harvard Medical School und Zombie-Experte, hat sich sehr intensiv mit dem Gehirnen von Untoten beschäftigt. Aus Ermangelung an realen Forschungsobjekten hat er Zombies aus Filmen wie „Walking Dead“ untersucht. Zombies seien die ultimative Bedrohung, erklärt er. Sie kümmerten sich nicht darum, wer ihre Opfer sind, sondern würden sofort reinbeißen. „Das macht die Untoten so bedrohlich.“

Ursache ihres abnormen Verhaltens ist Schlozman zufolge eine neurodegenerative Hunger-Störung mit dem Kürzel ANSDS. In seinem Buch „Zombies Autopsies: The Book“ erläutert er, dass eine Verletzung des Frontallappens im Gehirn dazuführt, dass Individuen nur noch von Aggressionen und Hunger getrieben sind Da sei, so der Arzt, der Grund für den unstillbaren Appetitt von Zombies. „Sie essen und essen – und werden doch nie satt.“ Eine virale Infektion, die zur Ausrottung der ganzen Menschheit führen könnte, hält Schlozmann allerdings für ausgeschlossen.

IV. Zombie-Prävention

Warum warten bis es zu spät ist? Die CDC-Foundation (Centers for Disease Control and Prevention), eine gemeinnützige Organisation zur Bekämpfung und Prävention von Krankheiten mit Sitz in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia), hat das Szenario einer weltweiten Pandemie mit Zombie-Viren durchgespielt. „Preparedness 101: Zombie Pandemic“ heißt das Projekt, von dem man nicht genau weiß, wie ernst es gemeint ist.

Die Studie ist ausgesprochen unterhaltsam, was auch daran liegt, dass sie als Comic erzählt wird. Am Ende gibt das CDC überlebenwichtige Tipps (ausreichend Wasser, Nahrung und Extra-Batterien horten, wichtige persönliche Dokumente kopieren), die auch bei einem totalem Strom-Blackout oder Atomkrieg von Nutzen sein könnten.

V. Zombie-Strategien

Das USSTRATCOM (United States Strategic Command) ist eine Behörde des US-Verteidungsministeriums und zuständig für die Atomstreitkräfte. Das Strategische Kommando der Vereinigten Staaten macht sich über vieles Gedanken wie zum Beispiel die Durchführbarkeit eines nuklearen Krieges, das Überleben danach – und eine Zombie-Apokalypse.

Das (ernstgemeinte!) Ergebnis dieses offiziellen Brainstorming ist das strategische Planspiel „Conplan 8888“. Eine ellenlange, detaillierte Analyse, was im Falle einer Invasion von Untoten zu tun ist, um die Menschheit und Amerika vor dem Schlimmsten zu bewahren. Ein makabrer Scherz? Mitnichten. „Yes, it’s real. We verified that the U.S. Government did in fact publish this report“, schrieb das Magazin „Forbes 2014 in einem Bericht über das „Counter-Zombie Dominance document“ der Regierung von Präsident Barack Obama. Da man man nur sagen: „Be prepared.“




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