Belastete Eier werfen kein gutes Licht auf die Nahrungsproduktion. Die Massenherstellung lädt zu Missbrauch ein. Doch Panik ist fehl am Platz

Leben: Werner Ludwig (lud)

Stuttgart - Der Skandal um das Insektizid Fipronil in Eiern belegt erneut, wie anfällig die billige Massenproduktion von Nahrung für solche Störfälle ist. Denn wenn in diesem System etwas schief läuft – sei es durch Unachtsamkeit oder kriminelle Energie – sind gleich sehr viele betroffen. Deshalb darf der Staat bei den Kontrollen nicht sparen. Zudem müssen bedenkliche Befunde schnell weitergegeben werden, damit die Ware aus den Regalen genommen werden kann. Bei den belasteten Eiern scheint das halbwegs zu funktionieren. Bei ähnlichen Fällen in der Vergangenheit hatte föderales Kompetenzgerangel oft unnötige Verzögerungen zur Folge. Allerdings dürfte es auch dieses Mal schwer werden, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Aller berechtigten Verärgerung über den jüngsten Skandal zum Trotz sollte man sich einen realistischen Blick auf die tatsächlichen Risiken bewahren. So sieht das Bundesinstitut für Risikobewertung bei Fipronil-Eiern keine Gesundheitsgefahr für Erwachsene. Und ein knapp neun Kilo schweres Kind müsste am Tag zwei Eier essen, um den Grenzwert zu überschreiten – dem bereits ein hoher Sicherheitsfaktor zugrunde liegt. Wer zu der These neigt, im Essen seien immer mehr Schadstoffe, sollte sich fragen, warum die Menschen trotzdem immer länger leben. Wenn wir alle systematisch vergiftet würden, wäre das kaum der Fall.

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