In Auenwald-Hohnweiler bleibt ein Weg zur Grundschule gesperrt. Der Grund: giftige Raupen mit gefährlichem Potenzial. Wie groß ist die Gefahr?
Von weitem wirkt es wie eine übliche Baustelle: rot-weißes Flatterband, eine gesperrte Wiese, ein unpassierbarer Gehweg. Doch wer näher tritt, erkennt schnell – hier wird nicht gebaut. In Auenwald-Hohnweiler (Rems-Murr-Kreis) warnt aktuell ein Schild unmissverständlich: „Achtung! Eichenprozessionsspinner – Allergiegefahr!“
Auf Nachfrage bei der Gemeindeverwaltung klärt sich, was genau hinter der auffälligen Absperrung steckt: Raupen des Eichenprozessionsspinners haben sich auf einer Eiche ausgebreitet – an einem sensiblen Ort in unmittelbarer Nähe zur Grundschule und zu Tennisplätzen. „Wir haben bereits am Freitagmorgen den Bereich vorsorglich gesperrt“, erklärt Pierre Mayer, Leiter des Bauamts.
Die pelzigen Raupen sind nicht nur lästig – sie gelten laut Experten als biologisches Warnsignal: für die Folgen des Klimawandels und ein aus dem Gleichgewicht geratenes Ökosystem. Ihre feinen Brennhaare, mit dem gefährlichen Protein Thaumetopoein angereichert, können bei Menschen Hautausschläge, Atemnot oder allergische Schocks auslösen – selbst wenn sie nur durch den Wind getragen werden.
Eichenprozessionsspinner: Warnsignal für Klimawandel-Folgen
Laut Angaben des Landratsamts beginnt die kritische Phase Ende Mai. Besonders gefährlich wird es in den Hochsommermonaten Juli und August. Spaziergänger sollen laut Empfehlung der Behörde betroffene Gebiete meiden, das Forstamt mahnt zur Vorsicht.
Professionelle Entfernung der Eichenprozessionsspinner-Nester
Die Gemeinde betont im konkreten Fall, dass es sich bei der weiträumigen Absperrung, die auch den Fußweg zur Grundschule betrifft, um eine reine Vorsichtsmaßnahme handele. Ein professionelles Unternehmen sei bereits mit der Entfernung der Nester beauftragt worden. Dieses werde mit einem Spezialstaubsauger anrücken, denn ein Abbrennen könnte die Haare weiter verteilen. Solange auch nur ein Restrisiko besteht, bleibt das Areal abgesperrt, so Mayer.
In sensiblen Zonen – rund um Schulen, Kindergärten und Spielplätze – setzt die Gemeinde laut dem Bauamtsleiter auf ein regelmäßiges Monitoring. Der Fall in Hohnweiler ist in der Gemeinde Auenwald derzeit der einzige bekannte Befallsherd. Kreisweit gibt es hingegen mehrere Befunde.
Eichenprozessionsspinner: Massenbefall mit dramatischer Dynamik
Der Eichenprozessionsspinner lebt in typischen Gespinstnestern und zieht in langen Reihen über Eichenstämme. Ab Juli verpuppen sich die Raupen, im August schlüpfen die Falter. Ein Weibchen kann bis zu 150 Eier ablegen – ein Massenphänomen mit dramatischer Dynamik.
Klimawandel fördert Eichenprozessionsspinner-Ausbreitung
Der Naturschutzbund (Nabu) sieht einen klaren Zusammenhang mit dem Klimawandel. Wie aus einem Hintergrundpapier von Mai 2024 hervorgeht, fördert das warme, trockene Frühjahr die Vermehrung des Schädlings. Seit den 1990er Jahren nehmen Massenbefälle in Süddeutschland deutlich zu.
Auch der Deutsche Wetterdienst ist mittlerweile involviert. Mit Systemen wie PHENTHAUproc lässt sich per Wettermodell lokaler Befallsdruck vorhersagen – Frühwarnsysteme für eine neue Realität. In betroffenen Regionen wird geraten, Bänke oder Grillplätze nahe alter Eichen in den Sommermonaten zu meiden.
Tipps im Zusammenhang mit dem Eichenprozessionsspinner
- Gefährdete Bäume meiden: Besonders von Mai bis August Abstand halten von alten Eichen, Waldrändern oder Einzelbäumen.
- Wege nicht verlassen: Im Befallsgebiet unbedingt auf gekennzeichneten Wegen bleiben.
- Symptome ernst nehmen: Hautrötung, Augen-/Atemprobleme sollten ernst genommen werden. Arztbesuch bei Andauern.
- Sichtungen melden: Befall sofort und genau erklären – per Telefon oder Mail etwa an das örtliche Bauamt melden.
- Nicht selbst eingreifen: Keine Nester berühren oder entfernen! Nur Fachfirmen sind dafür ausgerüstet.
- Informationen einholen: Online-Tools (zum Beispiel DWD Frühwarnsystem PHENTHAUproc) bieten Hinweise zur lokalen Gefährdung.
- Schutzmaßnahmen zuhause: Nach Aufenthalt in verdächtigem Gebiet – Kleidung wechseln, duschen, gegebenenfalls Haustiere reinigen.
Der akute Fall in Hohnweiler zeigt: Der Eichenprozessionsspinner ist mittlerweile auch im Rems-Murr-Kreis angekommen. Dank schneller Reaktion der Gemeinde, koordinierter Fachbekämpfung und Information durch Forst- und Gesundheitsbehörden ist die Lage unter Kontrolle – so weit es möglich ist in Zeiten des Klimawandels.
Doch das Signal ist klar: Aufmerksam bleiben, Abstand halten, Fachleute an den Insektenbefall ranlassen. So schützt man die Gemeinschaft und vor allem Kinder vor nagenden Brennhaaren und möglichen schweren Reaktionsketten.