Gilbert O’Sullivan in Stuttgart Samtiges Säuseln zwischen Ruinen

Von Frank Armbruster 

Gilbert O’Sullivan hat im Stuttgarter Mozartsaal alte Hit-Zeiten beschworen.

Gilbert O’Sullivan in der Stuttgarter Liederhalle Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt
Gilbert O’Sullivan in der Stuttgarter Liederhalle Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Stuttgart - Zugaben? Gab’s keine beim Konzert von Gilbert O’Sullivan im Mozartsaal, obwohl das Publikum beim letzten Stück, dem Hit „Get Down“ so richtig in Stimmung gekommen war und einige sogar zu tanzen begannen. Doch O’Sullivan und sein Mitmusiker winkten noch einmal freundlich in den Saal, dann wurde das Licht angeknipst und die Musikberieselung hochgefahren: The Beatles, „With a little help from my friends“.

Klar, das kann man so machen. Es wäre aber auch ein etwas liebevollerer Umgang mit dem Publikum denkbar gewesen, das viele Liedtexte des irischen Barden mitsingen kann: „Matrimony“, „Alone again“, und natürlich „Clair“, eine Liebeserklärung an die damals dreijährige Tochter seines Managers, die heute wahrscheinlich unter Pädophilieverdacht geraten würde. Alles Songs aus den siebziger Jahren, als Gilbert O’Sullivan neben Elton Johnals größte britische Musikexporthoffnung galt und mit „Alone again“ sogar einen Nummer-Eins-Hit in den USA landete. Was seine Alben damals durchwegs auszeichnete, waren neben O’Sullivans samtig-gepresster Stimme – sie erinnere an „ein Kornett aus den 20er Jahren, das man auf einem Trichtergrammophon hört“, schrieb das „Rocklexikon“ – die ausgesprochen interessanten Arrangements mit einem breiten Spektrum an Instrumenten.

Davon blieb bei seinem Konzert rein gar nichts übrig, hatte O’Sullivan doch außer seinem sehr versierten Gitarristen Bill Shanley keine weiteren Mitmusiker dabei und begleitete sich selbst auf einem billig klingenden Keyboard. Das erinnerte an einen Alleinunterhalter und war schon allein eigentlich eine Zumutung, doch spätestens als bei einigen rhythmisch bewegteren Songs noch Schlagzeugsamples und künstliche Bässe dazukamen, konnte man sich fragen, ob man nicht besser zu Hause geblieben wäre und eine von O’Sullivans tollen Platten gehört hätte. Nach einem Konzert, so erzählte Gilbert O’Sullivan, hätte ihm einmal ein Zuschauer erzählt, er hätte zwar seinen Lieblingssong gespielt, diesen aber ruiniert. Vielleicht hätte er auf ihn hören sollen.