Gin A’ Fair im Wizemann In Stuttgart liebt man Gin in allen Variationen und Farben

Von Christoph Kutzer 

Beim Gin A’ Fair Winter Garden im Wizemann huldigten am Freitagabend zahlreiche Besucher ihrer Lieblingsspirituose: Gin in allen Farben und Variationen.

Thomas Thomann von Thommes 506 an seinem Stand bei der Gin-Messe im Wizemann Foto: Lichtgut/Julian Rettig 8 Bilder
Thomas Thomann von Thommes 506 an seinem Stand bei der Gin-Messe im Wizemann Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Lächelnd präsentiert Daniel Connell vom Sylter Weinhaus Schachner eine graue Flüssigkeit. „Angst Gin“ nennt sich die Kreation aus London Dry Gin, Kräutern und Waldbeeren. Der Clou: Gießt man die Spirituose mit Tonic auf, verfärbt sie sich rot. „Wir beliefern vor allem Restaurants und Bars“, erklärt der gebürtige Brite den Interessierten, die sich am Stand auf der Gin A’ Fair Winter Garden im Wizemann versammelt haben. Man besuche die Kunden auch persönlich und trage Sorge dafür, dass die Farbspiele vom Personal auch gebührend in Szene gesetzt würden.

Der Andrang zum Gin-Event ist groß. Dabei spielt es eine untergeordnete Rolle, ob die Londoner Traditionalisten von Sipsmith zur Verkostung laden oder die Belegschaft der Hamburger Hersteller Tonka Gin, die ihr mit Tonkabohne verfeinertes Destillat in eckigen Flaschen anbieten, wie sie zur Zeit der Prohibition in den USA beliebt waren: Sie eigneten sich herausragend zum Schmuggeln. „Ich finde es toll, wie viel Mühe sich die Aussteller mit ihren Produkten geben“, schwärmt Steffi (23), die mit ihren Freundinnen zum Gin- und Tonic-Festival gekommen ist. „In der anderen Halle hat sogar jemand ein ausgestopftes Wildschwein stehen!“

Von schlichtem Gin bis viel Brimborium

„Wir verwenden Schwarzwälder Trüffel“, erklärt Hannes Schmidt von Boar-Gin. Da lag der Keiler als Markenzeichen nahe. „Man riecht und schmeckt die Pilze nicht, aber sie mildern den Alkoholgeschmack ab“, verrät er. Dieses Konzept hat bereits von Hong Kong bis Las Vegas Preise abgeräumt. Oliver (45) wirkt ein bisschen skeptisch. Mit Kennermiene riecht er zunächst an seinem Test-Becherchen, ehe er die Geschmacksnerven mit einer Kostprobe konfrontiert. „Viel Wacholder“ stellt er anerkennend fest.

„In Bayern gibt es einen Gin, der mit Hopfen gemacht wird“, informiert ein Bartträger in Hemd und Hosenträgern seinen Begleiter, während sie am Food Truck Schlange stehen. Es gibt Burger mit Gin-Zwiebel Relish. Den Bajuvaren-Drink sucht man im Wizemann vergebens. Dafür gibt es japanischen Gin mit Ingwer oder Keller’s Gin aus der Schwarzwaldregion, der mit 66 Zutaten wirbt. Stoff Büttner, der gemeinsam mit drei Mitstreitern Applaus Gin, die erste Stuttgarter Marke etabliert hat, hält nichts von allzu viel Brimborium.

„Wir bieten einfach einen leckeren Dry Gin mit Zimtnote“, lässt er wissen. „Den kann man nicht nur mit Tonic, sondern auch hervorragend mit naturtrübem Apfelsaft trinken.“ Stilvolle Etiketten und ein stimmiges Gesamtkonzept gibt es freilich trotzdem: Bei Applaus dreht sich alles um das bis 1918 auf dem Marienplatz betriebene Zirkusgebäude. Das passt hervorragend zur Stimmung im Wizemann, denn die ist bei allem Expertentum und aller Kunst vor allem von einem sympathischen Spieltrieb geprägt.

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