Girls’ Day in Böblingen Einblicke in die Ferrari-Werkstatt

Unter Aufsicht des KfZ-Mechatronikers Mert Merdan dürfen die Schülerinnen Leonie und Emily selbst Hand anlegen. Foto: /Foto: Stefanie Schlecht

Luftdruck prüfen, Schrauben anziehen, Rad montieren - nichts für zarte Frauenhände? Von wegen. Neun Schülerinnen traten beim Girls’ Day im Autohaus Alfred Gohm den Gegenbeweis an.

Böblingen: Veronika Andreas (va)

Glänzender Lack, röhrende Motoren und schillernde Felgen: Im Rahmen des bundesweiten Girls’ Day versuchten sich neun Mädchen in der Werkstätte des Ferrari-Autohauses Alfred Gohm in Böblingen einen Tag lang als Kfz-Mechatronikerinnen. An bis zu 1000 PS starken, rot glänzenden Luxuswagen maßen sie den Reifendruck, schraubten Räder an und testeten die Lichtanlage.

 

Die 14-jährige Emily und ihre gleichaltrige Freundin Leonie durften unter Anleitung des KfZ-Mechatronikers Mert Merdan selbst Hand anlegen und die Dämmmatte von der Motorhaube entfernen. Dafür brauchte es nicht nur Kraft, sondern auch Geschick. „Es ist cool, dass uns hier so viel Vertrauen geschenkt wird und wir mithelfen dürfen“, sind sich die Realschülerinnen aus Dornstetten einig. Im Anschluss durfte sich Emily in den Ferrari setzen und die Lichter testen. Doch die Batterie war leer. Die Mädchen lachten. Das kann selbst bei einem PS-starken Luxuswagen passieren.

Der Girls’ Day als Nachwuchspool

Bei Ferrari nimmt man sich Zeit für Reparaturen. „Während man in anderen Werkstätten ein Auto nach dem anderen repariert, so sind es bei Gohm vielleicht fünf am Tag“, sagt der 26-jährige Werkstattleiter Dominik Hofmann, der seit zwei Jahren bei Ferrari in Böblingen arbeitet. Wichtig ist, dass das Auto dem Kunden tadellos zurückgegeben wird.

Leonie (links) und Emily haben Spaß in der Werkstatt. /Foto: Stefanie Schlecht

Mehrere Stunden lang bekamen die Mädchen im Alter zwischen 14 und 15 Jahren die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen des Autohauses und der Werkstatt zu werfen und dabei mehr über die Ausbildung als Kfz-Mechatroniker zu erfahren. „Wir beteiligen uns in diesem Jahr zum ersten Mal beim Girls Day“, berichtet Lukas Vogel, der Marketing Manager der Firma. Die Marke Ferrari versuche dadurch auch, qualifizierten Nachwuchs zu generieren, erklärt er. Denn das sei gar nicht so einfach. „Die Werkstatt ist sehr männerlastig, wir würden mehr Damen begrüßen“, sagt Vogel.

Beim Lego-Workshop kommt es auf Schnelligkeit an

Andere Programmpunkte waren an diesem Tag eine Führung durch das Gebäude, bei der man die unzähligen hochwertigen Autos und sogar die ein oder andere Rarität zu Gesicht bekam, und ein Lego-Workshop. Dort durften die Jugendlichen einen Ferrari aus Lego schnellstmöglich zusammenbauen. Am besten kam bei den Mädchen der praktische Teil in der Werkstatt an. Die 15-jährige Sarah, die die Mildreed Scheel Schule in Böblingen besucht, interessiert sich für den Beruf des KfZ-Mechatronikers. „Toll fand ich, dass man den Autos unter die Motorhaube schauen konnte, viel erklärt wurde und dass jede Frage beantwortet wurde“, sagt die Schülerin.

Das Fazit von Emily und Leonie fällt ebenfalls positiv aus: „Es war eine coole Erfahrung, so nah an den Autos dran zu sein und alles hautnah mitzuerleben.“ „Ich wäre nächstes Jahr gerne wieder mit dabei“, sagt Emily. Als Beruf käme KfZ-Mechatroniker jedoch eher nicht für sie in Frage. „Ich will immer noch Grundschullehrerin werden“, sagt die 14-Jährige. Sarah hingegen kann sich das gut vorstellen: „Ich mag Berufe, wo man mit den Händen arbeitet und anpacken muss.“

Einen Tag Arbeitsluft schnuppern

Aktionstag
Am Girls’ Day und Boys’ Day haben Mädchen und Jungen einmal pro Jahr die Möglichkeit, Einblicke in Berufe zu erlangen, in denen Frauen oder Männer unterrepräsentiert sind.

Hintergrund
Mit bundesweit rund 23 300 Angeboten und insgesamt rund 174.000 Plätzen für Schülerinnen und Schüler, kommen der Girls’Day und der Boys’Day dem anhaltenden Wunsch nach klischeefreier Beruflicher Orientierung bei jungen Menschen nach. Unternehmen und Institutionen zeigen mit ihrem hohen Engagement am Aktionstag ihre Offenheit für Vielfalt und treten dem Fachkräftemangel entgegen.

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