Gismo Graf aus Zuffenhausen Steile Einwicklung mit der Gitarre

Von Georg Linsenmann 

Ein Gipsy-Swing-Jazz-Konzert am Mittwoch ist für den 21-jährigen Gismo Graf ein Heimspiel. Seine Premiere im Theaterhaus hatte der junge Mann aus Zuffenhausen vor sieben Jahren: mit 14.

Gismo Graf hat schon als Kind seine Gitarre dauernd mitgeschleppt. Foto: Tom Maurer
Gismo Graf hat schon als Kind seine Gitarre dauernd mitgeschleppt. Foto: Tom Maurer

Zuffenhausen - Seine Premiere im Theaterhaus hatte der junge Mann aus Zuffenhausen vor sieben Jahren: mit 14, als Zugabe zum Ziegele-Winter-Quintett. Zwischendurch hat er dort noch ein paar Mal gespielt – und jetzt kommt er als „Frontman“ des GGT, des Gismo-Graf-Trios. Und als international gefeierter „Shooting Star“ des Gipsy-Swing-Jazz.

Für Gismos Eltern, Nino und Joschi Graf – der Vater ist der Rhythmus-Gitarrist des Trios – kommt die steile Entwicklung nicht ganz überraschend: „Seine kleine Gitarre hat er den ganzen Tag rumgeschleppt, noch bevor er richtig gehen konnte“, erzählt Nino, „später sogar in den Ferien. Man musste ihn nie zum Üben antreiben“. Den ersten Unterricht gab’s von Papa mit vier, und „mit fünf, sechs hat er mich schon mit den ersten Akkorden begleitet.“ Gismo lächelt: „Für mich war das ganz normal. Ich habe einfach geklimpert, bis was raus kam.“

„Lern’ was G’scheites!“

So ging es weiter: „Er hat stundenlang geübt, war nicht ansprechbar, hat sich was zum Essen geholt und weitergeübt,“ berichtet Joschi Graf, und weil Gismo an der Park-Realschule ein guter Schüler war, ist er die Schule ganz pragmatisch angegangen: „Manchmal habe ich in der großen Pause Mathe und so abgeschrieben und gedacht: Zuhause übe ich lieber Gitarre.“ Was er mal werden wolle? „Ich werde Musiker. Das war klar.“ Lehrer haben dann geraten: „Das ist kein richtiger Beruf, davon kann man nicht leben. Lern’ was G’scheites!“ Gismo lacht und ergänzt: „Heute kommen sie in meine Konzerte.“

Der Mama wurde die totale Hingabe an die Musik zwischenzeitlich ein bisschen unheimlich: „Ich habe ihn drei Jahre zum Schwimmen gezwungen. Aber wenn man so weit kommen will wie er, muss man es wohl so machen“, betont Nino Graf und zeigt auf zwei Porträts schräg hinter ihr: Gismos Großväter, Geiger und Gipsy-Profis. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm? „Das Klischee stimmt einfach. Sonst sind wir Sinti deutscher als deutsch. Aber Musik ist der Kern unserer Kultur, unserer Identität. Das ist für uns wie die Luft zum Atmen“, weiß Joschi Graf.

Der Leitstern dieser Musik: Django Reinhardt. „Er war ein Genie, hat über 300 Stücke geschrieben, die in der ganzen Welt kopiert werden. So wie Jango wollte ich immer spielen können“, sagt Gismo. So war es eine Art Ritterschlag, als der 21-Jährige diesen Sommer erstmals eingeladen wurde nach Samois, Reinhardts Ruhestätte, Pilgerort aller Gipsy-Fans und einmal im Jahr Treffpunkt der großen Könner: Gismo Graf hat die fast 4000 Besucher zu stehenden Ovationen hingerissen. Ein Triumph.

Gipsy-Jazz-Einlage zum Frühstück

Keine Gefahr jetzt mal ein bisschen abzuheben? „Keine Sorge, Gismo ist kein künstlich hochgepushter Star“, beruhigt Nino Graf. „Jeder Schritt ist hart erarbeitet. Wir bleiben dankbar. Und wir verstehen uns als Familienbetrieb. Da hat jeder seine Aufgabe.“ Am Samstag hat Gismo die Kehrwoche gemacht: „Ich habe keine Blasen an die Hände gekriegt. Ich bin das gewohnt.“ Und was macht die Mutter? „Den Schreibkram, und ich bin Hausmeisterin im Kindergarten. Einer muss auch was „G’scheites machen.“ Helles Lachen, ringsum.

„Richtig Noten gelernt“ hat Gismo nie: „Ich sehe alles am Griffbrett, habe alles im Kopf.“ Also greift er zur Gitarre, spielt Jangos „Trouble en bolero“ an, original. Dann macht er sein „eigenes Ding draus, denn es soll nach Gismo klingen“. Joschi Graf swingt ein, mit seinem nagelneuen venezianischen Instrument. Es folgt die Melodie von Edward Griegs 2. Norwegischen Walzer, in derselben Manier. Und um zu zeigen, dass sich Gismo übers Django-Repertoire hinaus längst viel Eigenes schafft und aus einem weiten Horizont schöpft, „I want you back“ von Michael Jackson – der Vocal-Part von Cheyenne Graf astrein intoniert. Die 19-jährige Schwester kennt ebenfalls ihren Weg, hat Gesangsunterricht genommen und will „immer besser werden“. Zum Frühstück also, wie aus dem Ärmel geschüttelt, die kleine Gipsy-Jazz-Einlage. Ganz normal irgendwie bei den Grafs. Und der „Shooting-Star“ als ganz normales Mitglied im Familienbetrieb. Aber jetzt geht Gismo, der sicher gleich wieder üben will: „Nein,“ entgegnet er und lacht. „Jetzt gehe ich zum Friseur. Ich habe ja Geburtstag am Mittwoch. Da muss ich g’scheit aussehen.“

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