Gläserne Produktion im Kreis Böblingen Wie eine Rostbratwurst entsteht

Bei den Veranstaltungen der Gläsernen Produktion können Besucher einen Blick hinter die Kulissen von landwirtschaftlichen Betrieben im Kreis Böblingen werfen. Foto: factum/Weise
Bei den Veranstaltungen der Gläsernen Produktion können Besucher einen Blick hinter die Kulissen von landwirtschaftlichen Betrieben im Kreis Böblingen werfen. Foto: factum/Weise

Bei den Veranstaltungen der Gläsernen Produktion darf man einen Blick in Ställe und Produktionsstätten von Höfen im Kreis Böblingen werfen. Eine Hocketse des Gärtringer Schlachthofs bildet in diesem Jahr den Auftakt der Reihe.

Böblingen: Rebecca Baumann (rmu)
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Böblingen - Wie werden Lebensmittel im Kreis Böblingen produziert? Wie arbeiten Landwirte? Und wie sieht ein Stall von innen aus? Diesen Fragen können die Besucher der Veranstaltungen aus der landesweiten Reihe „Gläserne Produktion“ auf den Grund gehen. 13 Betriebe aus dem Kreis, darunter Bauernhöfe, Imkereien oder Gärtnereien, nehmen in diesem Jahr daran teil, sagt Bruno Lemp vom Amt für Landwirtschaft und Naturschutz des Landratsamtes. „Wir wollen dem Verbraucher die landwirtschaftliche Produktion nahebringen und ihm die gesamte Nahrungsmittelkette zeigen“, erklärt er. Wichtig sei, das Vertrauen in die regionale Lebensmittel- und Getränkeproduktion zu erhalten und zu stärken.

Den Auftakt der Reihe übernimmt der Schlachthof in Gärtringen. Am Sonntag, 30. April, können Besucher zum ersten Mal seit 2004 an einer Führung durch die Anlage teilnehmen und sich die einzelnen Stationen erklären lassen. „Zu dieser Zeit befinden sich aber natürlich keine Tiere darin“, sagt der Betriebsleiter Wilhelm Dengler. Das sei schon aus hygienischen Gründen nicht möglich. „Immerhin produzieren wir hier Lebensmittel.“ Nach dem Fest würde der Schlachthof dann zunächst gründlich gereinigt und desinfiziert, bevor die Arbeit wieder aufgenommen werde.

Wie aus einem Tier eine Rostbratwurst entsteht

Im Anschluss geben Mitarbeiter des Landwirtschaftsamtes Erläuterungen zur gesunden Ernährung, auch diverse andere Infostände sind geplant. Bevor es wieder zurück nach draußen geht, wo beim Schlemmermarkt des Metzgerhandwerks allerlei Kulinarisches geboten wird, können Besucher sich noch eine Schauzerlegung sowie eine Wurstproduktion ansehen. „Uns ist es wichtig zu zeigen, wie aus einem Tier eine Rostbratwurst entsteht“, so Dengler.

Im Jahr 2004 hatte der Schlachthof bei einem Tag der offenen Tür zum letzten Mal seine Pforten geöffnet, rund 5000 Besucher waren damals gekommen. Auf eine ähnlich hohe Zahl hoff Dengler auch in diesem Jahr. Damals hatte es aber Probleme mit den Parkplätzen gegeben. Dieses Mal dürfen die Besucher jedoch auf dem Gelände der benachbarten Firma Nordfrost parken. „Das ist eine Riesenerleichterung für uns“, sagt Dengler.

Schlachthof steht für regionale Produktion

In der Schlachthof-Genossenschaft sind sowohl Landwirte als auch Metzger organisiert. So etwas gebe es nur in Gärtringen, sagt Dengler: „Das ist unser Alleinstellungsmerkmal.“ Die insgesamt 116 Mitglieder und einige Nicht-Mitglieder nutzen die Anlage, um ihre Tiere schlachten zu lassen. „Wir sind ein reiner Dienstleister und in keiner Weise selbst am Markt aktiv“, erklärt der Vorstandsvorsitzende, der einen Hof im Oberen Gäu mit Ackerbau und Schweinehaltung bewirtschaftet.

Insgesamt werden in Gärtringen 900 bis 1000 Schweine, 60 bis 80 Rinder und 50 bis 80 Lämmer pro Woche geschlachtet. Die Höfe der Landwirte liegen in einem Umkreis von bis zu 60 Kilometern, erklärt Dengler. Weil auch die Metzger, die das Fleisch verarbeiten, in der näheren Umgebung angesiedelt seien, sei der Schlachthof eine rein regionale Anlage. „Das gehört zu unserer Philosophie: wir wollen regional und nachvollziehbar produzieren.“ Damit liege man eigentlich im Trend, trotzdem werde der Markt nicht einfacher. Daher appelliert Dengler an die Kunden. „Wenn man diese regionalen Strukturen halten will, muss der Verbraucher auch dort einkaufen, sonst fallen sie irgendwann weg.“

Kunst- und Handwerkermarkt mit 30 Ständen

Auch der Biolandhof Bodemer in Ehningen ist in diesem Jahr wieder bei der Gläsernen Produktion dabei. Landwirt Jochen Bodemer freut sich schon darauf, seinen Hof am 15. und 16. Juli den Besuchern präsentieren zu können. „Wir möchten ihnen die biologische Landwirtschaft näherbringen“, sagt er. Zum vierten Mal öffnet er nun schon seine Hof- und Stalltüren. Geboten werden neben der Besichtigung der Stallungen unter anderem auch eine Landmaschinenausstellung, eine Felderrundfahrt und ein Kinderprogramm. „Es ist uns wichtig, dass wir für die ganze Familie, von Groß bis Klein, etwas bieten.“

Ein weiterer Höhepunkt sei der Kunst- und Handwerkermarkt, der in diesem Jahr größer und vielfältiger ausfallen dürfte als im Vorjahr, sagt Bodemer. Er rechnet mit rund 30 Ständen. „Wir legen Wert darauf, dass alle Handwerker, die dabei vertreten sind, ihre Produkte auch selbst herstellen“, erläutert der Landwirt aus Ehningen.

Auch kulinarisch sollen die Besucher auf dem Biolandhof auf ihre Kosten kommen. Die Produkte für die Speisen, die beim Tag der Gläsernen Produktion auf den Tisch kommen, stammten zu 80 Prozent von seinem Hof, sagt der Ehninger Jochen Bodemer.




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