Gläubige in Ludwigsburg Gibt es bald einen Garten der Religionen?
Glaubensgemeinschaften wünschen sich einen Ort, an dem man das Miteinander sehen kann: Da kommen gleich mehrere ganz zentrale Stellen in Ludwigsburg in Frage.
Glaubensgemeinschaften wünschen sich einen Ort, an dem man das Miteinander sehen kann: Da kommen gleich mehrere ganz zentrale Stellen in Ludwigsburg in Frage.
Im Moment ist es nur eine Idee, doch die Hoffnung von Muhittin Soylu vom Zentralrat der Muslime ist groß, dass aus der Idee Realität wird. Und zwar nicht irgendwann in ferner Zukunft, sondern möglichst zeitnah: Ludwigsburg soll einen Garten der Religionen bekommen. Einen Ort, an dem sich Bürger wohlfühlen und zusammenkommen. Ein Ort, an dem die Vielfalt der in Ludwigsburg lebenden Religionen sichtbar wird. Ein Ort, der für die Veranstaltungen genutzt werden kann, die die Planungsgruppe „Dialog der Religionen“ auf die Beine stellt, und gleichzeitig etwas Dauerhaftes ist, das in die Stadtgesellschaft hineinstrahlt.
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Die Idee ist nicht neu. In einigen Städten gibt es bereits Gärten der Religionen. In Karlsruhe etwa. Auf der Fläche, die der Stadt gehört, sind Inhalte aus sieben in Karlsruhe beheimateten Religionen dargestellt. Durch Symbole, Zitate und Bodenmosaike. In einem runden Außenbereich umarmen und umrahmen drei Stelen mit Auszügen aus den Grund- und Menschenrechten und deren lokalen Bezügen sowie auf einem kleinen Außenmäuerchen Weisheiten aus aller Welt die „Religionsorte“.
Wo der Ludwigsburger Garten der Religion sein könnte, ist noch nicht klar. „Es gibt verschiedene Ideen – auch zum Standort – die wir aber noch konkretisieren“, sagt Soylu. Eigentlich hatte man einen Bereich auf dem Arsenalplatz im Kopf, erzählt der Ludwigsburger. „Doch mittlerweile gibt es ja eine Ausschreibung für das Areal und deshalb wird dort wohl nichts zu realisieren sein.“
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Bleibt die Idee, eine Fläche in der Nähe zum Rathausplatz zu gestalten – ähnlich dem burkinischen Dorf. Aber auch hinter dem Staatsarchiv könnte der besondere Garten entstehen oder auf der Bärenwiese. „Wir stehen noch ganz am Anfang – auch wie wir ihn inhaltlich gestalten wollen. Dann gehen wir zeitnah auf die Stadt mit unseren Plänen zu“, erklärt Muhittin Soylu, der auch Vorstandsvorsitzender der Islamischen Glaubensgemeinschaft Baden-Württemberg (IGBW) ist.
Den Dialog der Religionen gibt es in der Barockstadt seit 20 Jahren. Nach den Anschlägen am 11. September 2001 gingen Bürger mit dem Wunsch auf die Stadt zu, etwas zu tun, um möglichen Spannungen entgegenzuwirken. „Wir wollten zeigen, dass die Religionen friedlich miteinander leben können“, erinnert sich Soylu.
Die daraus entstandene Arbeitsgruppe sei für das ganze Land Vorreiter, lobt die Erste Bürgermeisterin Renate Schmetz. „Als ich nach Ludwigsburg kam, war ich sehr beeindruckt – auch wie ehrlich, offen und klar der Dialog geführt wird.“ Grundlage der Arbeit der Planungsgruppe ist die Ludwigsburger Erklärung der Religionsgemeinschaften, die 2009 anlässlich des 300-Jahr-Jubiäums der Stadt von mehr als 30 Kirchen und Religionsgemeinschaften unterzeichnet worden war. In der Erklärung mit dem Titel „Suchet der Stadt Bestes“ verpflichten sich Muslime, Buddhisten, Aleviten, Hindus und Christen zum friedlichen Miteinander.
Jetzt, nach 20 Jahren, zeigt sich, dass kein Papiertiger produziert worden ist, sondern eine Idee mit Leben gefüllt wurde. Das machte Soylu im Gemeinderat am Mittwoch bei der Präsentation zum Jubiläum deutlich. Das Miteinander der Religionsgemeinschaften biete eine Plattform, ins Gespräch zu kommen, voneinander zu lernen und sich kennenzulernen. Soylu: „Der Garten der Religionen wäre ein dauerhafter Ort, an dem der Dialog im Alltag seinen Platz finden könnte in der Stadt. Für alle sichtbar.“