Glasfaser-Ausbau in der Region Ist ein Hello-Fiber-Nachfolger gefunden?
Nach dem Rückzug des Glasfaser-Anbieters läuft die Suche nach Alternativen. Der Anbieter GVG wirft seinen Hut in den Ring – jetzt laufen Verhandlungen mit mehreren Firmen.
Nach dem Rückzug des Glasfaser-Anbieters läuft die Suche nach Alternativen. Der Anbieter GVG wirft seinen Hut in den Ring – jetzt laufen Verhandlungen mit mehreren Firmen.
Die Nachricht hat Anfang des Jahres alle überrascht: Der Glasfaser-Anbieter Hello Fiber, der mit vollmundigen Versprechen angetreten war, bis zum Jahr 2024 ländlich gelegene Kommunen im Rems-Murr-Kreis sowie die Kreise Esslingen und Reutlingen mit schnellem Internet zu versorgen, hatte sich zurückgezogen.
Inzwischen hat Christian Böing, der Chef der Marke, die zur Gruppe Liberty Networks gehört, gegenüber dem englischen Branchenportal „Broadband TV News“ die Gründe erläutert. Der Zeitpunkt sei für Hello Fiber die letzte Möglichkeit gewesen, auf den „Stopp-Knopf“ zu drücken, nachdem eine Erwägung der Risiken ergeben habe, dass die „makroökonomischen Bedingungen“ sich geändert hätten. Die steigende Inflation, das Zinsniveau und der Zugang zu externen Finanzmitteln seien derart ungünstig, dass sich ein Weitermachen nicht gelohnt habe. Auch die steigenden Kosten bei der Glasfaserverlegung, der Mangel an Handwerkerkapazitäten und die „wachsende Herausforderung, Gemeinden mit passenden Eigenschaften anzuziehen“, habe dazu beigetragen. Die Firma habe Insolvenz angemeldet.
Andere Anbieter sehen nun offenbar Chancen im Rückzug von Hello Fiber. So hat die Kieler Unternehmensgruppe GVG Glasfaser, die vor allem im norddeutschen Raum aktiv ist, jüngst ihren 100 000. Vertrag für einen Glasfaseranschluss geschlossen – und bei dieser Gelegenheit bekannt gegeben, sich möglicherweise auch in Baden-Württemberg stärker zu engagieren. Dort ist die GVG Glasfaser mit ihrer Marke Teranet aktiv. Nun prüft die Gruppe nach eigenen Angaben auch die Übernahme des Glasfaserausbaus in Kommunen, die vom Rückzug von Liberty Networks Germany mit der Marke Hello Fiber betroffen sind. „Wir stehen bereits in Kontakt mit der Gigabit Region Stuttgart“, so der GVG-Geschäftsführer Michael Gotowy. „Aktuell prüfen wir die entsprechenden baden-württembergischen Ausbaugebiete, stellen Wirtschaftlichkeitsberechnungen an und werden im Anschluss mit allen relevanten Beteiligten Gespräche führen.“
Dabei ist die GVG aber offenbar nicht der einzige Anbieter, der Interesse haben könnte. Die Telekom beispielsweise ist der wichtigste Akteur im Glasfaserausbau in der Region Stuttgart – im Landkreis Esslingen beispielsweise will das Unternehmen eigenen Angaben zufolge in diesem Jahr Glasfaserleitungen in 17 Kommunen verlegen. Im Rems-Murr-Kreis können bereits jetzt gut 39 000 Haushalte durch die Telekom mit Glasfaseranschlüssen versorgt werden. Helmuth Haag, der Sprecher der Gigabit-Region Stuttgart, erklärt: „Mit welchem der Anbieter die einzelnen Kommunen jetzt Verträge zum eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau schließen, entscheiden die Gemeinderäte. Die Entscheidungskriterien waren bisher meistens unter anderem, welche Anbieter eine möglichst geringe Vorvermarktungsquote aufrufen, ob sie möglichst viel vom kommunalen Gebiet abdecken und ob sie als kompetenter und zuverlässiger Partner bekannt sind.“
Das Landratsamt des Rems-Murr-Kreises betont, das Glasfaserausbau-Ziel des Landkreises werde durch das Aus von Hello Fiber nicht gefährdet, dieses werde weiterhin erfüllt. Allerdings besteht dieses lediglich darin, bis zum Jahr 2030 90 Prozent der Unternehmen und Haushalte mit schnellem Internet zu versorgen. „Ein Glasfaserausbau durch Hello Fiber sollte diese Planungen zuletzt beschleunigen“, heißt es in einer Mitteilung der Behörde. „Auch das in wenigen Wochen startende Bundesförderprogramm soll den betroffenen Gemeinden beim Glasfaserausbau neue Perspektiven eröffnen.“
Wer dringend und zeitnah eine schnellere Internetverbindung benötigt, kann zudem prüfen, ob an seinem Wohnort eine gute mobile Verbindung verfügbar ist. Über das schnelle Funknetz lassen sich schließlich nicht nur Smartphones, sondern auch Rechner daheim oder in der Firma mit dem Internet verbinden. Allerdings hat diese Technologie auch ihre Nachteile: Oft sind die Verträge mit einem Datenlimit versehen, und die Surfgeschwindigkeit sinkt deutlich, sobald dieses erreicht wird.
Gerade auf dem Land wird auch nicht immer die von den Anbietern beworbene Maximalgeschwindigkeit erreicht – wie schnell man surfen kann, hängt bei dieser Technologie auch davon ab, wie viele Teilnehmer in einer Funkzelle eingewählt sind. Helmuth Haag erklärt zudem, dass Glasfaser- und Mobilnetze voneinander abhängig sind: „Ohne Glasfaser gibt es auch keinen Mobilfunk. Denn auch die Funkmasten werden schließlich über Glasfaser angeschlossen.“