Schnelles Internet in Stuttgart Tipp, wenn der Glasfaser-Verkäufer klingelt: „Einfach nicht aufmachen“

Die Verbraucherzentrale warnt vor Haustürgeschäften. Foto: Imago stock&people

An mehreren Orten in Stuttgart wird Glasfaser verlegt. Das nutzen manche Firmen für unseriöse Angebote zwischen Tür und Angel. Auch sonst gibt es einiges zu beachten.

Politik: Lisa Kutteruf (lis)

„Dauernd kommen irgendwelche Hausierer und bieten uns Glasfaserkabel an“, sagt Hans-Joachim Hildner. Der 78-Jährige aus Stuttgart-Feuerbach hat vor Kurzem einen Glasfaservertrag unterschrieben. Bis es so weit war, trieben ihn jedoch viele Fragen um. Er ist nicht der Einzige. Auch bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart gehen Anrufe verunsicherter Menschen zum Glasfaserausbau ein. Antworten auf wichtige Fragen.

 

Was spricht für Glasfaseranschluss?

Viele Familien kommen auch ohne Glasfaser mit Bandbreiten von 100 Mbit/s gut aus, selbst wenn mehrere Personen gleichzeitig im Internet surfen und streamen. Generell gilt Glasfaser aber als das Medium der Zukunft. Die Daten werden über Lichtwellen und fast verlustfrei übertragen. Dadurch werden viel höhere Geschwindigkeiten erreicht als mit den alten Kupferkabeln. Zudem ist Glasfaser wenig anfällig für Störungen, etwa durch Witterungsverhältnisse, und die Datensicherheit ist größer.

Klar ist auch: Der Bedarf an Bandbreite steigt über die Jahre immer weiter – die gängigen Internetverbindungen könnten bereits in wenigen Jahren nicht mehr ausreichend sein. Derzeit werben manche Anbieter mit einem kostenfreien Anschluss an das Glasfasernetz. „Das heißt, Glasfaser ist eventuell auch finanziell attraktiver als eine andere Technologie“, sagt Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Welche Anbieter stehen in Stuttgart zur Auswahl?

Buttler rät, zunächst zu prüfen, ob der aktuelle Festnetzanbieter Glasfaser an der eigenen Adresse anbietet; viele Unternehmen haben auf ihren Internetseiten entsprechende Suchmasken. Die Deutsche Telekom und die OXG Glasfaser, eine Vodafone-Tochter, bauen gerade das Glaserfasernetz in Stuttgart aus.

Unabhängig von der Ausbaufirma kann man aber zwischen verschiedenen Vertragsanbietern wählen. Das Glasfasernetz der Telekom nutzen neben der Telekom auch Vodafone, Telefónica (o2) und 1&1, wie der Breitbandkoordinator der Stadt Stuttgart, Christian Beck, mitteilt. Das OXG-Netz nutzen demnach Vodafone, 1&1 und der schwedische Anbieter Bahnhof Nätverk.

Was ist, wenn ich sofort schnelleres Internet brauche?

Manche Unternehmen bieten Übergangslösungen an, bis die Glasfaserverbindung tatsächlich in der eigenen Wohnung nutzbar ist. Die Telekom etwa wirbt mit einer Hybrid-Lösung. Dabei kombiniert der Router Festnetz und Mobilfunknetz, um Daten schneller zu übertragen. Beim Abschluss eines reinen Glasfaser-Vertrags gilt laut Verbraucherzentrale: Solange die Leitungen nicht nutzbar sind, muss dafür in der Regel kein Entgelt bezahlt werden.

Wie sollte man mit Glasfaser-Werbung an der Haustür umgehen?

Verbraucherschützer Buttler rät von Haustürgesprächen oder gar -vertragsabschlüssen ab. „Das ist unseriös. Ich werde hier überrumpelt, bin überhaupt nicht vorbereitet“, sagt er. „Am besten gar nicht aufmachen.“ Wenn die Person bereits im Haus ist, kann man ihr laut Buttler anbieten, Informationsmaterial dazulassen. Manche unseriösen Anbieter behaupteten, ihr Angebot gelte nur an einem bestimmten Tag. Von solchen Maschen sollte man sich nie unter Druck setzen lassen. „Möglichst wenig Daten herausgeben“, empfiehlt Buttler.

Was, wenn ich vorschnell einen Vertrag unterschrieben habe?

Oliver Buttler rät, den Vertrag in Ruhe anzusehen. Wer einen Vertrag an der Haustür abschließt, genießt grundsätzlich ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Diese Frist beginnt in der Regel mit dem Zustandekommen des Vertrags, etwa mit dem Erhalt einer Auftragsbestätigung. Rechtlich darf man nicht länger als zwei Jahre an einen Vertrag gebunden sein. Diese zwei Jahre beginnen laut Verbraucherzentrale nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes bereits zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses – und nicht erst an dem Tag, an dem der Glasfaseranschluss aktiviert wurde. Nach den zwei Jahren kann der Vertrag unter Einhaltung der Kündigungsfrist wieder aufgelöst werden.

Was müssen Mieter und Eigentümer beachten?

Wer zur Miete wohnt, muss sich vor einem Vertragsabschluss für Glasfaser mit dem Vermieter absprechen. Wer eine Wohnung besitzt, hat ein Recht auf einen Beschluss der Wohnungseigentümergemeinschaft zum Anschluss an ein Glasfasernetz. Die anderen Eigentümer dürfen die Zustimmung laut Verbraucherzentrale nicht verweigern.

Wie kommt die Glasfaser in die Wohnung?

Zunächst wird ein Kabel von der Straße zum Gebäude gelegt. Laut Telekom braucht es dafür zwei Baugruben: eine auf öffentlichem Grund, zum Beispiel am Gehweg, und eine am Haus. Über die Grube am Gehweg wird, meist mit Hilfe einer so genannten Erdrakete, ein Kanal bis zur Grube am Haus gebohrt. Das Kabel kommt dann über eine Bohrung im Keller ins Haus. Dort wird das Glasfaserkabel über einen Verteiler in die Wohnung geführt oder über Steigleitungen und Kabelkanäle verlegt. Wie aufwendig die Arbeiten sind, hängt nach Angaben der Verbraucherzentrale auch davon ab, ob schon Leerrohre im Haus vorhanden sind, in die sich das Glasfaserkabel legen lässt.

Werden die Kupferleitungen bald stillgelegt?

„Das glaube ich nicht, zumindest nicht in nächster Zukunft“, sagt Verbraucherexperte Buttler. Nach Angaben der Bundesnetzagentur kann die Telekom die Stilllegung des Kupfernetzes beantragen, allerdings erst, „wenn der freiwillige Wechsel weit vorangeschritten ist“ und eine „gleichwertige Alternative“ vorhanden ist.

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