Die Gemeinde Altbach ist wie alle Kommunen in der Region fast ausschließlich durch die Netze der Deutschen Telekom und durch das Kabelnetz von Vodafone ans Internet angeschlossen. Diese beiden Netze basieren jedoch fast ausschließlich auf dem klassischen Kupferkabel, was sich trotz aller Bemühungen in naher Zukunft wohl nicht so schnell ändern wird. Besagte Kupferkabel schränken aber auf den letzten Metern ins Haus die Übertragungsrate spürbar ein – je länger das Kupferkabel bis zum Hausanschluss ist, desto stärker sinkt die Rate. Nicht nur in Zeiten von Homeoffice und Homeschooling geht das Netz da schnell mal in die Knie, auch einen simplen Film zu streamen kann manchmal zu einer nervigen Angelegenheit werden. Denn die Datenmengen werden immer größer – dem Kupferkabel als Leitungsmedium sind aber schlicht physikalische Grenzen gesetzt. Die Alternative ist eine Glasfaserleitung bis zum Endverbraucher – dadurch können Daten mit Lichtgeschwindigkeit übertragen werden.
Der Ausbau wäre flächendeckend und für die Kommune kostenfrei
Bislang hat sich in Altbach kein Telekommunikationsunternehmen mit einer Ausbauplanung für eine flächendeckende Glasfaserinfrastruktur blicken lassen. Bis jetzt. Die Firma GVG Glasfaser aus Kiel sieht für die Erschließung der bebauten Ortslage mit Glasfaser gute Möglichkeiten, 98 bis 99 Prozent des gesamten Ortsgebiets eigenwirtschaftlich mit schnellem Internet zu versorgen. Der Vorteil: Der Ausbau würde flächendeckend und für die Kommune kostenfrei erfolgen. Die Erschließung soll in einem Cluster mit dem Ausbau der Gemeinde Deizisau erfolgen, sonst lohnt es sich für die GVG nicht. Hierzu müssten die beiden Kommunen einen Kooperationsvertrag schließen.
Voraussetzung für das Angebot ist allerdings, dass bei der Vorvermarktung genügend Haushalte – mindestens 40 Prozent der Bürger und Gewerbetreibenden im gesamten Ausbaugebiet Altbach und Deizisau – einen entsprechenden Anschluss bestellen. Das Netz der GVG-Marke „teranet“ würde zu 100 Prozent aus Glasfaserleitungen und damit völlig getrennt vom klassischen Telefonnetz aus Kupferleitungen eingerichtet.
Alle Haushalte, die sich während der Vermarktungsphase für einen Glasfaseranschluss entscheiden, erhalten laut GVG ihren Hausanschluss – natürlich nur im Fall einer positiven Ausbauentscheidung nach erreichter Vermarktungsquote – kostenfrei. Die GVG peilt nach dem erfolgreichen Abschluss des Kooperationsvertrag mit den beiden Gemeinden den Vermarktungsstart im Laufe der zweiten Jahreshälfte an. Ausgenommen von dem Angebot sind das Gewerbegebiet und die Gewerbetreibenden auf der Neckarinsel, hierfür erhält die Gemeinde Altbach eine Förderung von insgesamt 90 Prozent durch Bund und Land.
Rund 35 Kilometer Glasfaser müssten verlegt werden
„Unser Motto ist Zugang zur Zukunft schaffen“, erklärte Miguel Gutierrez Prieto von der GVG Glasfaser den Altbacher Gemeinderäten. Im Norden der Republik gehört das Kieler Unternehmen bereits zu den Topvermarktern und hat einige Referenzen im Portfolio, auch in Bayern und in Hessen wurden bereits einige Regionen mit dessen schnellem Netz versorgt. „Bislang haben wir alle geplanten Vorhaben auch erfolgreich zu Ende geführt. Hier im Süden wäre Altbach/Deizisau unser Pilotprojekt“, so Prieto weiter. Für die Versorgung der beiden Kommunen veranschlagt er rund zweieinhalb Jahre– ein halbes Jahr für die Vorvermarktung und zwei Jahre für die Baumaßnahmen. Das gesamte Ausbaugebiet umfasst rund 13 500 Einwohner mit rund 6100 Wohneinheiten – dafür müssten rund 35 Kilometer Glasfaser verlegt werden. Hinzu kommen ein bis zwei Technikzentralen.
Auch Oliver Bauer vom Zweckverband Breitbandversorgung im Landkreis Esslingen steht dem Angebot positiv gegenüber. „Die alten Leitungen stoßen einfach an ihre Grenzen“, bestätigte der Infrastrukturmanager. Angesichts der Tatsache, dass sich das Datenvolumen etwa alle eineinhalb Jahre verdopple, sei der Umstieg auf Glasfaser die einzige Lösung. „Wir begrüßen das – wir haben zwar einen Vertrag mit der Telekom, aber ein Exklusivrecht hat die Telekom nicht“, sagte Bauer. Um den flächendeckenden Ausbau voranzutreiben, sei solch ein Angebot nur von Vorteil: „Letztlich kann die Telekom eh nicht alles alleine stemmen.“
Der Gemeinderat findet Gefallen an dem Angebot
Angesichts der angespannten finanziellen Situation in Altbach fügte Bürgermeister Funk noch hinzu, dass die Telekom zudem stets einen gewissen Eigenanteil in den Kommunen einfordere. Auch bei den meisten Altbacher Gemeinderäten fand das Angebot Anklang – bei einer Enthaltung wurde die Verwaltung beauftragt, einen Vertrag mit der GVG sowie mit den Deizisauern auszuarbeiten und dem Gremium zur Beschlussfassung vorzulegen.
Deutschland hinkt beim Netzausbau meilenweit hinterher
Glasfaserausbau
Laut einer Statistik der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, bewegte sich der Anteil von Glasfaser-Anschlüssen in Deutschland Ende 2020 bei 5,4 Prozent. Angeführt wird die Statistik von Südkorea mit 84,4 Prozent, gefolgt von Schweden (75 Prozent) und Spanien (73,2 Prozent). Selbst der Durchschnitt in den 38 Mitgliedsstaaten der OECD liegt mit 30,6 Prozent weit über dem von Deutschland.
GVG Glasfaser GmbH
Der Sitz des 2014 gegründeten Unternehmens, das bundesweit 315 feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, ist Kiel. Aktuell hat die GVG gut 80 000 Privat- und Geschäftskunden in rund 180 Kommunen, die über die Marken „nordischnet“ und „teranet“ mit Internet-, Telefonie und Fernsehdiensten mit Bandbreiten von 50 Megabits bis 1 Gigabit versorgt werden. Geplant ist, in den nächsten Jahren mehr als eine Milliarde Euro in den eigenwirtschaftlichen Ausbau der direkten Glasfaseranbindung (FTTH) zu investieren. Hinter der GVG steht das Konsortium Palladio Partners aus Frankfurt als Investor.