Glasfaserausbau in der Region Neues Modell – ein Netz, zwei Betreiber
Eine Kooperation der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim mit der Telekom soll dem Ausbau des Glasfasernetzes in der Region neuen Schub verpassen.
Eine Kooperation der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim mit der Telekom soll dem Ausbau des Glasfasernetzes in der Region neuen Schub verpassen.
Ludwigsburg - Für Matthias Knecht ist es ein „erhebender Moment“ gewesen. Nach monatelangen, intensiven Verhandlungen haben die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) und die Deutsche Telekom im Ordenssaal des Ludwigsburger Schlosses einen nicht nur aus Sicht des Ludwigsburger Oberbürgermeisters bundesweit wegweisenden Vertrag zum schnelleren und gezielteren Ausbau des Glasfasernetzes unterzeichnet. Auch Hans-Jürgen Bahde, der Chef der Gigabit Region Stuttgart, hofft, dass es den Glasfaser-Ausbauplänen bundesweit weitere Schubkraft gebe.
Der Vertrag regelt das künftige Miteinander von SWLB und Telekom - wobei die Betonung ganz eindeutig auf Miteinander liegt. Denn die Telekom verzichtet in Ludwigsburg darauf, selbst ein Glasfasernetz aufzubauen und überlässt die gesamten baulichen Maßnahmen den SWLB. Während normalerweise die Telekom die Netze im Anschluss alleine betreibt, wird es in Ludwigsburg in Zukunft zwei Netzbetreiber geben. Die SWLB werden auch weiterhin Megabit-Internet, IP-Telefonie und IP-Fernsehen anbieten. Die Telekom wiederum nutzt die von den SWLB geschaffene Infrastruktur, um alle ihre Dienste und Serviceangebote aus einer Hand anzubieten. Darüber hinaus ermöglicht die Telekom – wie das gesetzlich vorgeschrieben ist – über so genannte Wholesale-Verträge anderen Anbietern die Nutzung des Ludwigsburger Glasfasernetzes. „Jeder Ludwigsburger kann also selber entscheiden, welchen Anbieter er wählen will“, betont der SWLB-Geschäftsführer Christian Schneider.
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Von der nun auf den langen Zeitraum von 30 Jahren vereinbarten Zusammenarbeit sollen alle profitieren: die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim, die Telekom – und vor allem die Ludwigsburgerinnen und Ludwigsburger. Dank der Anstrengungen der SWLB ist man bereits jetzt in der Region ganz vorne dabei: Schon rund 50 Prozent aller Ludwigsburger Haushalte sind ans Glasfasernetz angeschlossen.
Doch jetzt soll das Projekt noch mehr Fahrt aufnehmen: Bis Ende 2024 wollen die SWLB das komplette Stadtgebiet, und damit alle 56 000 Haushalte in den mehr als 15 000 Gebäuden der Stadt mit dem schnellen Glasfasernetz bis ins Haus ausstatten. Dazu wird die Stadt in so genannte Cluster aufgeteilt, in denen dann alle noch fehlenden Haushalte mit einem Glasfaseranschluss versorgt werden. Sobald ein Ausbaugebiet fertiggestellt ist, können Anschlüsse und die Dienste der Telekom gebucht werden. Auch alle Unternehmensstandorte werden mit der neuen Technik versorgt.
Insgesamt 74 Millionen Euro nimmt die Stadt Ludwigsburg in die Hand, um mehrere hundert Kilometer Glasfaser zu verlegen. Das sei zwar viel Geld, sagt Ratschef Matthias Knecht, aber es sei gut investiert. Schließlich sei ein umfassend ausgebautes Glasfasernetz in Zeiten von Homeoffice, Homeschooling und der sich immer schneller entwickelnden digitalen Welt ein riesiger Standortvorteil.
Auch Gigabit-Chef Hans-Jürgen Bahde hofft, dass das Ludwigsburger Beispiel in der Region Schule machen könnte. Dabei blickt er konkret auf vier der fünf Städte der insgesamt 179 Kommunen in der Region, die sich dem Gigabitprojekt der Region noch nicht angeschlossen haben. „Gerade für glasfaseraffine Stadtwerke wie Böblingen, Sindelfingen, Schorndorf und Göppingen könnte die Ludwigsburger Vereinbarung mit zwei Netzbetreibern, die ihre jeweiligen Stärken in die Verträge einbringen, wegweisend sein“, sagt Bahde. Dass im Markt aktuell viel Bewegung herrscht und auch andere Unternehmen versuchen, sich ihren Teil vom Glasfaserkuchen zu sichern, lässt Bahde hoffen, dass auch die Ziele der Gigabit-Region Region erreicht werden können.
Die sind verglichen mit den Plänen in Ludwigsburg allerdings bescheidener. Bis 2025 sollen alle Schulen und Gewerbegebiete sowie die Hälfte der Haushalte einen Zugang zum Höchstgeschwindigkeitsinternet im Gigabitbereich auf Glasfaserbasis erhalten. Bis 2030 sollen 90 Prozent der Haushalte versorgt sein. Eine Sonderrolle spielt Kornwestheim, das 2011 neben Rastatt eine der beiden Städte im Südwesten war, in denen die Telekom ein nahezu flächendeckendes Glasfasernetz aufgebaut hat: Die Versorgungsquote liegt dort bereits bei 93 Prozent.
Angebote für Breitbandskeptiker
Hausanschluss
Damit möglichst viele Haushalte auch tatsächlich mitmachen, verlegen die SWLB im Rahmen des Ausbauprogramms die ersten zwölf Meter des Breitbandkabels auf privatem Grundstück kostenlos. Jeder weitere Meter schlägt dann mit 50 Euro zu Buche.
Anschluss
Niemand ist jedoch verpflichtet, sich Glasfaser ins Haus legen zu lassen. Aktuell nutzen rund 80 Prozent aller Bürger das kostengünstige Angebot. Ein Anschluss zu einem späteren Zeitpunkt ist aber jederzeit möglich, dann allerdings mit erheblich höheren Kosten verbunden.
Ausbau Die Arbeiten zum Ausbau des Leitungsnetzes werden weitgehend auf den Gehwegen stattfinden. So sollen die Beeinträchtigungen für die Anwohner möglichst gering gehalten werden.