Gleiche und ähnliche Ortsnamen rund um Stuttgart Hochdorf gibt es gleich dreimal in der Region

Nur eines von drei Hochdorfs in der Region Stuttgart: die 4800 Einwohner zählende Gemeinde im Kreis Esslingen. Foto: Julia Bosch

Böbingen und Böblingen, Esslingen und Essingen sowie gleich drei Hochdorfs. Rund um Stuttgart besteht akute Verwechslungsgefahr. Mitunter führt dies zu amüsanten Situationen – vor allem wenn man ortsunkundig ist.

Klima und Nachhaltigkeit: Julia Bosch (jub)

Stuttgart - Als Mario Steigleder einen neuen Job annahm, war das Chaos perfekt: Von einer Firma im Stuttgarter Stadtbezirk Vaihingen wechselte er vor wenigen Jahren als Sprecher ins Rathaus nach Vaihingen. Allerdings nicht das Vaihingen in der Landeshauptstadt, sondern jenes an der Enz im Kreis Ludwigsburg. Die zwei Vaihingens sind Luftlinie nur 25 Kilometer voneinander entfernt. „Manchmal verirren sich Leute zu uns, die eigentlich nach Stuttgart wollten“, sagt Steigleder. So sei schon einmal ein Mann vorm Rathaus in Vaihingen/Enz gestanden, der zu einem Mitarbeiter im Bezirksrathaus von Stuttgart-Vaihingen wollte. "Als wir ihm erklärten, wie weit er von seinem Ziel entfernt sei, war er ziemlich enttäuscht.“

 

Was auch passiert: Wenn das neue Semester beginnt, stehen Studienanfänger in Vaihingen an der Enz und suchen die Stuttgarter Universität. „Früher ist das noch öfter passiert, als die Leute nicht so viel mit dem Smartphone navigiert haben“, sagt Anita Götz, die Ortsvorsteherin des Vaihinger Stadtteils Horrheim. „Heute merken es die Studierenden wahrscheinlich schon dann, wenn sie die Straße eingeben.“

Nach Bietigheim-Bissingen kommt Besuch aus Bietigheim

Rund um Stuttgart gibt es mehrere Orte, die ähnliche oder gleiche Namen haben. Neben Vaihingen und Vaihingen sind das zum Beispiel Böblingen und Böbingen (an der Rems im Ostalbkreis), Esslingen und Essingen (ebenfalls im Ostalbkreis) oder Möglingen im Kreis Ludwigsburg sowie Mögglingen, welches ebenfalls im Ostalbkreis liegt. Genauso skurril: Es gibt drei Hochdorfs in der Region: Eberdingen-Hochdorf und Remseck-Hochdorf, die beide zum Kreis Ludwigsburg gehören, sowie die rund 4800 Einwohner zählende Gemeinde Hochdorf, die im Landkreis Esslingen liegt.

Ebenfalls immer wieder mit anderen Ortschaften verwechselt wird Bietigheim-Bissingen, die zweitgrößte Stadt im Kreis Ludwigsburg. Zum einen gibt es da das rund 3500 zählende Dorf Bissingen im Kreis Esslingen, zum anderen ein badisches Bietigheim, in der Nähe von Rastatt. Regelmäßig würden diese durcheinander gebracht, berichtet Anette Hochmuth, die Leiterin des Presseamtes in Bietigheim-Bissingen. „Immer wieder landet Post bei uns, die nach Bietigheim in Baden gehört und umgekehrt. Es haben sich auch schon Gäste in dortigen Hotels eingefunden, die eigentlich zu uns wollten. Ebenso Tagesgäste, die versehentlich ins Badische gefahren sind.“ Inzwischen seien die Bietigheim-Bissinger mit den badischen Bietigheimern in engem Kontakt, teilweise sogar befreundet: Die Badener Bietigheimer kommen regelmäßig mit einem Bus zum Pferdemarktmontag nach Bietigheim-Bissingen.

Esslingen gibt es mehrfach – nicht nur in Deutschland

Post-Irrläufer kennt man auch in Böbingen (Ostalbkreis) und Böblingen. Christine Bart aus dem Böbinger Rathausteam räumt jedoch ein: „Da unsere Gemeinde mit 4500 Einwohnern wesentlich kleiner ist, wird relativ schnell bemerkt, dass es sich um eine Verwechslung handelt.“ Böblingen hat mehr als 50 000 Einwohner.

Auch Esslingen am Neckar wird regelmäßig mit ähnlich klingenden Orten vertauscht. Am häufigsten kämen Verwechslungen mit Ettlingen vor, der mit 39 000 Einwohnern zweitgrößten Stadt nach Bruchsal im Kreis Karlsruhe, berichtet ein Sprecher der Stadt Esslingen. Außerdem gibt es noch Eßlingen als Ortsteil der Gemeinde Solnhofen im bayerischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen sowie die Ortschaft Esslingen in der Gemeinde Egg im Kanton Zürich. Dort existiert sogar ein Stadtteil namens Oberesslingen. „Auch eine Verwechslung von Esslingen am Neckar mit Essingen im Ostalbkreis dürfte es bei der Ortseingabe im Navi immer mal wieder geben“, sagt der Sprecher. Dennoch müsse er deutlich machen, dass „sein“ Esslingen mit der „außerordentlichen Mischung aus Tradition und Innovation, 1243-jähriger Stadt- und 200-jähriger Industriegeschichte eigentlich schon per se unvergleichlich ist“.

Die französischen Freunde standen im falschen Freiberg

Besonders schwierig zu durchschauen sind solche Namenverwandtschaften für Ortsunkundige. Dies hat der Bürgermeister von Freiberg am Neckar, Dirk Schaible, erlebt. „Vor einiger Zeit hatte unsere französische Partnerstadt einen Besuch geplant. Irgendwann klingelte das Telefon und es hieß, sie seien da.“ Die Franzosen hätten sich jedoch gewundert, dass Freiberg plötzlich ganz anders aussehe als sie es in Erinnerung hatten und von Fotos kannten. „Wenn man nur Freiberg ins Navi eingibt oder sich die Karte nicht genau anschaut, kann natürlich leicht eine Verwechslung mit Stuttgart-Freiberg entstehen.“ Der Stadtteil im Bezirk Mühlhausen und die Stadt am Neckar liegen nur 15 Kilometer voneinander entfernt.

Mit mehr als 400 Kilometern deutlich weiter weg ist Freiberg in Sachsen. Trotzdem hat ausgerechnet das Stuttgarter Regierungspräsidium dieses Freiberg schon einmal für jenes am Neckar gehalten und einen Brief nach Sachsen geschickt. „Solche falsch versandte Post kommt immer wieder vor“, sagt Schaible.

Falsche Briefe, Mails, Anrufe: Das alles erhält regelmäßig auch das Team von Kai Jehle-Mungenast, Bezirksvorsteher von Stuttgart-Vaihingen. „Seit einiger Zeit sage ich ganz bewusst immer ‚Stuttgart’ dazu“, sagt er. Der Auslöser dafür war eine Familienfeier, bei der er von seiner neuen Tätigkeit berichtet hatte. „Für einen Verwandten war danach klar, dass ich der neue Oberbürgermeister von Vaihingen an der Enz bin.“

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