Glemstalschule in Schwieberdingen Fledermäuse verzögern und verteuern Bauvorhaben

An der Fassade der Glemstalschule leben Zwergfledermäuse. Foto: Simon Granville

Die Sanierung der Glemstalschule Schwieberdingen-Hemmingen beginnt ein Jahr später als geplant. Schuld sind kleine Säuger.

Leonberg: Stefanie Köhler (koe)

Die Bürgermeister von Schwieberdingen, Nico Lauxmann, und Hemmingen, Thomas Schäfer, beide CDU, können sich nun guten Gewissens Experten für Zwergfledermäuse nennen. Die nicht mal fünf Zentimeter großen Säugetiere heißen wissenschaftlich Pipistrellus pipistrellus, wiegen bis zu sieben Gramm und halten sich zurzeit im Winterquartier auf, erzählen sie bei einem Termin im Rathaus.

 

Etwa 40 Tiere kehren bald zurück – an die Glemstalschule in Schwieberdingen. Genau deshalb kennen sich die Rathauschefs so gut mit ihnen aus, wenngleich notgedrungen: Seit Oktober ist bekannt, dass Zwergfledermäuse an der Fassade leben, dank abgeplatztem Fugenmaterial in wenigen Zentimeter kleinen Löchern. „Es überrascht, dass die sich bei uns so wohl fühlen, denn sie mögen keinen Lärm“, sagt Silke Benner. Sie ist die Rektorin der Gemeinschaftsschule, die für rund 28 Millionen Euro saniert und erweitert wird – und die Zwergfledermäuse durchkreuzen den Zeit- wie den Kostenplan.

Umzug mit Lockgeräuschen und Lockstoffen

Die Sanierung verzögert sich nach aktuellem Stand um ein Jahr auf Herbst 2023. Die Folgen ziehen Mehrkosten von 1,8 Millionen Euro nach sich. Im September war die Freude noch darüber groß, dass die Schule gut ein Jahr früher als geplant modernisiert und erweitert ist – im Sommer 2024.

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Nun müssen Lauxmann und Schäfer mit Experten an Bord erst mal dafür sorgen, dass die besonders geschützten Fledermäuse nach ihrer Rückkehr binnen eines Jahres mit Hilfe von Lockstoffen und Lockgeräuschen in Ersatzquartiere ziehen. Freiwillig. Die Kästen kommen im März an die benachbarte Grundschule. 120 000 Euro kostet das „Maximum an Maßnahmen, das wir verwirklichen“, so Lauxmann: „Artenschutz ist wichtig und muss beachtet werden.“ Von einer „verschärften Situation“ berichtet Schäfer mit Blick auf eine Wochenstubenkolonie. „Außerdem sind die Tiere nicht als sehr umzugswillig bekannt.“

Bundesförderung steht womöglich auf der Kippe

Vor allem das bereitet Schäfer und Lauxmann Kopfzerbrechen: Für das Bauprojekt bekommen sie eine Bundesförderung von viereinhalb Millionen Euro, weil die Gebäude hohe Energiestandards erfüllen. Die Finanzspritze steht auf der Kippe, wenn die Sanierung nicht im Herbst 2023 startet.

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Nico Lauxmann spricht von „Glück im Unglück“. Die Nachricht sei zwar ein Schock gewesen. Doch man sei froh, dass man das Quartier erkannt hat, bevor die Bauarbeiten losgehen. Seit Januar wissen sie, dass man die Löcher nicht einfach stopfen kann, während die Fledermäuse ausgeflogen sind.

Trotzdem klares Ja zu Bauvorhaben

Die Bürgermeister betonen, dass das Bauvorhaben nach wie vor realisiert wird. „Auch mit dieser Herausforderung handelt es sich um unser entscheidendstes Projekt“, sagt Nico Lauxmann. „Wir zweifeln nicht an der Umsetzung.“ Zumal die Kommunen laut der Bürgermeister nicht in eine finanzielle Schieflage geraten: Sie haben rund 900 000 Euro Förderung mehr erhalten als gedacht und einen Puffer von gut 800 000 Euro für Unvorhergesehenes eingeplant.

Zudem hoffen sie auf ein Förderprogramm, das im Idealfall eine Finanzspritze von einer Million Euro bringt. Die Vorfreude aller Beteiligten auf das Bauprojekt sei riesig, sagt Lauxmann. 28 Millionen Euro seien „die größte Investition, die wir je getätigt haben“. Doch so wichtig die Bürgermeister Artenschutz auch finden: Im Zweifel wollen sie beim Regierungspräsidium einen Antrag auf eine Sondergenehmigung stellen, damit die Fledermäuse auf andere Weise umgesiedelt werden. Dabei würden die Folgen für Schüler und Lehrkräfte ebenso berücksichtigt wie die Finanzen der Kommunen.

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