Glemstalschule Schwieberdingen und Hemmingen Der Schulstreit spitzt sich zu

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Die Kosten für den Umbau der Glemstalschule explodieren. Nun suchen alle nach einem Kompromiss. Aber wie kann dieser aussehen?

Die Schule muss saniert und erweitert werden. Offen ist, in welcher Form. Foto: factum/Archiv
Die Schule muss saniert und erweitert werden. Offen ist, in welcher Form. Foto: factum/Archiv

Hemmingen - Die Tagesordnung des Hemminger Gemeinderats ist lang gewesen, doch nur ein Themenkomplex beherrschte den Abend: die Zukunft der Glemstalschule. Konkret ging es um die Modernisierung der Gemeinschaftsschule und die Einführung einer gymnasialen Oberstufe. Zu Beginn der Sitzung am Dienstag übergab der stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende Robert Schönfelder dem Bürgermeister eine Liste mit 400 Unterschriften. Eltern formulierten damit ihren „Wunsch und Bitte, endlich beide Themen anzugehen“. Das machten die Räte auch – aber ohne konkretes Ergebnis.

Der Gemeinderat befasste sich erstmals öffentlich mit dem Thema, seit bekannt wurde, dass die Kosten für die Modernisierung der Gemeinschaftsschule um rund das Doppelte auf 28 bis 30 Millionen Euro ansteigen. Die Räte müssen entscheiden: Sanierung des Bestands und Erweiterung der Schule oder Abriss und Neubau.

Bekannte Positionen

Die Positionen der Parteien waren bereits vor der Ratsdebatte im Wesentlichen bekannt. Die Sozialdemokraten betonten, für die nachfolgenden Generationen investieren zu wollen. Man wolle ihnen eine „bestmögliche Bildung“ ermöglichen, sagte der Fraktionsvorsitzende Wolfgang Stehmer. Für die SPD sind dabei die Rahmenbedingungen wichtig – moderne Schulgebäude und eine gymnasiale Oberstufe. Die CDU hat vor allem die Kosten im Blick. Sie plädierte für Abstriche bei den Baukosten. „Man sollte in Bildung investieren, nicht in Flure“, sagte Wilfried Gentner.

Das Beratungsbüro Drees und Sommer hatte vor wenigen Wochen die aktualisierte Kostenschätzung im Gemeindeverwaltungsverband Schwieberdingen-Hemmingen vorgelegt. Die Schule wird von beiden Gemeinden gemeinsam finanziert.

Die Kommunen diskutieren nun also über ein bis zu 30 Millionen Euro teures Projekt, das in einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2016 noch mit 15 bis 16 Millionen veranschlagt war. Zwischenzeitlich hat Drees und Sommer aber die Wünsche der Schule sowie veränderte bildungspolitische Vorgaben eingearbeitet, was letztlich zu dieser Kostensteigerung führte.

Weil sie vor allem mit den hohen Kosten argumentieren, lehnen sowohl die Christdemokraten und Freie Wähler als auch die FDP die gymnasiale Oberstufe der Gemeinschaftsschule rundweg ab. Schließlich wäre dafür noch mehr Platz erforderlich. Einem entsprechenden SPD-Antrag erteilten sie in der Sitzung am Dienstag deshalb erneut eine Absage.

Die zu Beginn des Abends überreichte Unterschriftenliste spielte in der Diskussion nur am Rande eine Rolle. Stattdessen erinnerten sich SPD, CDU und Freie Wähler gegenseitig mehrfach an den seit Jahren schwelenden Konflikt um die Schule. Sowohl die Freien Wähler als auch die CDU verwahrten sich eins ums andere Mal gegen Vorwürfe des ehemaligen SPD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Stehmer, die Schule nicht zu unterstützen, weil sie eine Gemeinschaftsschule sei.

Die grün-rote Landesregierung hat diese Schulform 2012 eingeführt. Die Glemstalschule wandelte sich von einer Realschule zur Gemeinschaftsschule. Kommendes Jahr werden die ersten Zehntklässler der Gemeinschaftsschule ihren Realschulabschluss machen.

Verwaltungsverband wird sich mit Thema befassen

CDU, Freie Wähler und FDP bekräftigten ihre Zustimmung zur Sanierung und Erweiterung der Einrichtung – aber nicht für 30 Millionen Euro. „Das ist für unseren Haushalt nicht finanzierbar“, sagte etwa der Freie-Wähler-Fraktionschef Wolfgang Gerlach. Der SPD-Mann Stehmer hielt dagegen, die Gemeinde habe 20 Millionen auf der hohen Kante. „Wir können nicht sagen, wir gehen am Stock.“ Dass die Reserven mittelfristig größtenteils aufgebraucht sind, wie der Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU) entgegnete, ließ Stehmer nicht gelten. Schäfer plädierte neben der Erweiterung für die Sanierung der bestehenden Raumstruktur.

Ungeachtet dessen forderte Gerlach weitere Informationen, etwa zur Entwicklung der Schülerzahlen und zu den Kosten der Ausstattung. Diese sind noch nicht mit eingerechnet. Damit befasst sich nun der Gemeindeverwaltungsverband.