Glemstalschule Zusammenrücken heißt das Motto

Von Julia Schweizer 

Aus Hemmingen gab es Kritik an der Leiterin der Schwieberdinger Gemeinschaftsschulleiterin, weil diese in der gemeinsam betriebenen und beengten Bildungseinrichtung mehr Kinder aufnehmen wolle als vereinbart. Nun gibt es einen Kompromiss. Doch schon jetzt zeichnen sich weitere Konfliktfelder ab.

Die meisten Glemstalschüler kommen zwar aus Schwieberdingen – die zweitgrößte Gruppe stellen aber die Eberdinger. Foto: factum/Weise
Die meisten Glemstalschüler kommen zwar aus Schwieberdingen – die zweitgrößte Gruppe stellen aber die Eberdinger. Foto: factum/Weise

Hemmingen - Die Atmosphäre war angespannt, die Front verlief zwischen den heimischen Gemeinderäten und denen aus Schwieberdingen auf der anderen Seite des Hemminger Ratssaals. Von Lügen und fehlendem Vertrauen war die Rede, von Gemeinsamkeit wenig zu spüren, auch wenn es in der Gemeindeverwaltungsverbands-Sitzung um die zusammen betriebene Gemeinschaftsschule ging. Die Glemstalschule – als eine der wenigen aus einer Realschule hervorgegangen – gilt zwar als erfolgreich. Doch das schafft nun Probleme.

Wolfgang Gerlach (Freie Wähler) war der erste, der zum Angriff auf die Leiterin der Glemstalschule blies. Sandra Vöhringer würde sich nicht an Absprachen halten und trotz der jetzt schon akuten Raumnot in Schwieberdingen viel zu viele Kinder auch von anderen Orten locken – immer allein mit dem Ziel, später genügend für eine Oberstufe zu haben. Darüber würden die eigenen vernachlässigt. „Ich wünsche mir, dass künftig mehr Wert auf die Kinder gelegt wird, die die Schule besuchen und nicht die, die das künftig tun könnten.“

Derzeit gibt es 120 Fünftklässler, davon kommen nur 40 aus Schwieberdingen und 26 aus Hemmingen. Mehr als 30 sind es aber aus Eberdingen, knapp 20 aus Münchingen. Das macht fünf Klassen – dabei hätten die Hemminger sogar aufgrund des Platzes am liebsten nur drei gehabt. Sie waren dann aber den Kompromiss mit der Vierzügigkeit eingegangen. Mit nun aber fünf Eingangsklassen habe sich die Schule in eine „komplett andere Richtung entwickelt“, ergänzte Ute Freitag, Hemminger CDU-Rätin.

Den Hemmingern geht es auch ums Geld. Das Schulgebäude muss erweitert werden. „Uns war von Beginn an klar, dass die Räume nicht ausreichen“, sagte Walter Bauer (CDU) nach der Sitzung. Aber die Schwieberdinger hätten sich mit dem drohenden Problem nicht so intensiv befasst, kritisierte er. „Wir bauen für zig Millionen was Neues, und anderswo steht eine Schule leer“, sagte er mit Blick auf die Münchinger Flattichschule, die vor dem Aus steht. Kinder von dort hätte man abweisen müssen.

Doch darauf hat Vöhringer keinen Einfluss, hatte sie erklärt. Die Anmeldebestätigung beziehe sich nur auf die Schulart. Das Schulamt verweise die Schüler gegebenenfalls an andere Gemeinschaftsschulen.

„Wir haben in diesem Schuljahr grundsätzlich keine Gemeinschaftsschüler abgewiesen“, sagt Elke Schnaithmann, die stellvertretende Direktorin des Ludwigsburger Schulamts. Man sei aber an einigen Standorten über die gewünschte Zügigkeit hinausgekommen. Details zu den Vorgängen im Glemstal waren ihr aber nicht bekannt, die Experten am Freitag nicht anzutreffen.

Auch den Vorwurf, Auswärtige nur wegen des Abiturs zu locken, hatte Vöhringer gekontert. Schon zu Realschulzeiten seien viele aus Eberdingen und Münchingen gekommen. Und die kritisierten Infos zur Oberstufe seien allgemein, denn Gemeinschaftsschulen sehen eben diesen Abschluss vor. Sie werde aber die Homepage überprüfen, versprach sie. Viele der Vorwürfe sah sie parteipolitisch begründet.

Und auch wenn die Sitzung wenig harmonisch verlief: am Ende einigten sich die Räte einstimmig auf Rahmenbedingungen. Sie sehen unter anderem maximal eine Vierzügigkeit und eine Priorisierung von Schwieberdingern und Hemmingern vor, danach folgen Geschwisterkinder und Kinder aus angrenzenden Gemeinden ohne eigene Sekundarstufe I. Über eine mögliche Oberstufe soll frühestens im Schuljahr 2016/17 entschieden werden. „Beide Partner sind aufeinander zugegangen“, freute sich der Schwieberdinger Bürgermeister Nico Lauxmann hinterher. „Das war eine wichtige Sitzung für die Schule.“ Weitere werden aber folgen, „und da wird’s noch heftige Diskussionen geben“, ist sich Vöhringer sicher. Denn am Ziel, das Abitur anzubieten, will sie langfristig festhalten.




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