Globale Erwärmung Klima macht dem Bodensee zu schaffen

Von Wolfgang Messner 

Zu beobachten sind die Folgen der globalen Erwärmung schon heute. Forscher befürchten Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt - auch am Bodensee.  

Normale Wetterverhältnisse an den Wahrzeichen des Lindauer Hafens, Leuchtturm und bayerischer Löwe – Experten zufolge werden Hoch- und Niedrigwasser häufiger. Foto: dapd
Normale Wetterverhältnisse an den Wahrzeichen des Lindauer Hafens, Leuchtturm und bayerischer Löwe – Experten zufolge werden Hoch- und Niedrigwasser häufiger. Foto: dapd

Konstanz - Der Klimawandel ist keine ferne Zukunftsfrage. Er findet schon heute statt. Dessen sind sich Forscher sicher. Zu beobachten sind die Folgen der globalen Erwärmung etwa am Bodensee, wo es noch ein wenig wärmer ist als in anderen Teilen des Südwestens. Seit 1950 ist es in Baden-Württemberg durchschnittlich um bis zu 1,5 Grad wärmer geworden. Dabei waren die größten Steigerungen in den Jahren nach 1990 zu beobachten.

Prognosen zufolge wird es im Bodenseeraum bis zum Jahr 2050 im Sommer mittlere Temperaturen von 15 Grad Celsius geben - 1,4 Grad mehr als heute. Im Winter soll die Durchschnittstemperatur mit 4,5 Grad Celsius sogar um zwei Grad höher als jetzt liegen. Es wird mehr warme Sommertage mit Temperaturen über 25 Grad geben. In Überlingen etwa werden es 2050 statt bisher 32 dann 54 Tage sein. Dafür werden im Winter die Frosttage um die Hälfte absinken.

Die veränderten Klimabedingungen haben Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem des Bodensees mit seiner Pflanzen- und Tierwelt. Grund genug für ein Team internationaler Wissenschaftler aus unterschiedlichsten Richtungen und Anrainerstaaten am See, die Erkenntnisse zusammenzubringen und Prognosen für die Zukunft zu erstellen. Klimawandel am Bodensee (Klimbo) heißt das im Herbst vorigen Jahres begonnene und mit 650.000 Euro aus dem Interreg-IV-Programm geförderte Forschungsprojekt, das bis zum Jahr 2014 umfassende Ergebnisse zur Klimaveränderung erbringen soll.

Extreme Wetterereignisse werden zunehmen

Hochwasser an der Bregenzer Aach, Überschwemmungen am Ufer bei Schloss Monfort, Tornados über Konstanz - all das gibt es heute schon. Die beteiligten Wissenschaftler wie Heinz Gerd Schröder, Leiter des Instituts für Seenforschung in Langenargen, erwarten, dass die extremen Wetterereignisse gerade auch am Bodensee zunehmen werden. Stürme wird es häufiger geben, ebenso werden extreme Hochwasser wie in den Jahren 1999 und 2005 öfter an der Tagesordnung sein wie auch extreme Niedrigwasserstände wie im Jahrhundertsommer 2003 und im Frühjahr 2011. Im Winter soll es öfter regnen oder schneien als heute, im Sommer hingegen nimmt die Niederschlagsmenge ab. Dennoch kann es nicht selten lokal zu starken Überschwemmungen kommen, wenn die Niederschläge heftig und konzentriert fallen.

Seegefrörne, wie es sie zuletzt im Winter 1962/63 gab, als der Bodensee in seiner Gänze zugefroren war, werden damit ebenso der Vergangenheit angehören wie die regelmäßige Schneeschmelze im Frühsommer, die den See mit Frischwasser füllte, prognostiziert auch Hans Mehlhorn, der Technische Leiter der Bodensee-Wasserversorgung. Dadurch droht auch in den Zuflüssen zum See Niedrigwasser. Denn im Winter soll künftig noch viel weniger Schnee als heute fallen; zudem schmelzen die Gletscher schneller als erwartet ab. Die Bodensee-Wasserversorgung will Klimbo mit einer eigenen Studie zum Klimawandel begleiten.

Dem Wasseraustausch der wärmeren oberen Schichten und der kälteren tieferen Schichten gilt das besondere Augenmerk der Wissenschaftler. Denn er garantiert, dass der See im Idealfall durchgehend etwa vier Grad kalt ist. Dadurch können sich untere mit oberen Schichten vermischen und frisches, sauerstoffreiches Wasser kann in tiefere Zonen gelangen. In wärmeren Jahren erfolgt diese wichtige Durchmischung nur teilweise oder gar nicht. So etwa im Winter 2006/2007, dem wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, als sich der See an der Oberfläche nicht ausreichend abkühlen konnte.

Mit Hilfe von Klimbo wollen sich die Wissenschaftler ein genaues Bild vom Wärmehaushalt des Sees sowie von den Mischungs- und Transportvorgängen in den Flachwasserzonen, den Flussmündungen und im Freiwasser machen. Dazu werden an festgelegten Orten im Bodensee regelmäßig Messungen vorgenommen und Proben entnommen. Auch Wasserflöhe und Algen sowie Felcheneier sollen periodisch untersucht werden. Anhand der Menge des Laichs seien Rückschlüsse möglich, wie die Tiere auf den Klimawandel reagieren.

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