Globaler Klimastreik in Stuttgart Schulfrei für politisches Engagement?

Von Julika Wolf 

Einige Stuttgarter Schulen lassen Schüler zum Globalen Klimastreik am Freitag gehen. Viele beharren aber auch auf die Schulpflicht.

Am Freitag ist in der  Stuttgarter Innenstadt eine Sterndemo geplant. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Am Freitag ist in der Stuttgarter Innenstadt eine Sterndemo geplant. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Schulpflicht versus politisches En­gagement: Bereits im letzten Schuljahr sind Diskussionen über ­Fridays-for-Future-Demonstrationen während der Unterrichtszeit immer wieder laut geworden. Vor dem weltweiten Klimastreik am Freitag haben sich einige Schulen etwas Besonderes ausgedacht.

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So zum Beispiel das Evangelische Heidehof-Gymnasium. Schüler ab der achten Klasse dürfen den Unterricht um 12.45 Uhr statt zum Schulschluss um 13.10 Uhr verlassen, um zur Demonstration zu gehen. Unter 18-Jährige müssen eine Mitteilung der Eltern vorlegen, die bestätigt, dass die Erziehungsberechtigten Bescheid wissen. Zum Nachmittagsunterricht müssen die Schüler wieder in der Schule sein – allerdings dürfen sie auch dazu eine Viertelstunde später kommen als sonst. „Wir finden gesellschaftspolitisches Engagement sehr wünschenswert“, sagt Schulleiter Johannes Wahl. Deshalb habe man den Schülern einen Zeitraum eingeräumt, in dem sie zur Demonstration gehen können.

Referate rund ums Klima

Bei den jüngeren Schülern sei den Rektoren das zu heikel gewesen. Doch auch sie können sich jetzt beteiligen: Am Mittwoch hat auch die Evangelische Landeskirche zu Aktionen zur „Bewahrung der Schöpfung“ aufgerufen. Die Christuskirche in der Nähe des Gymnasiums beteiligt sich daran, indem sie um fünf vor zwölf die Glocken läutet. „Wir haben es den Kollegen freigestellt, mit ihren Unterstufenklassen daran teilzunehmen“, sagt Johannes Wahl.

Auch weitere Stuttgarter Schulen haben ihren Schülern das Demonstrieren ermöglicht. In vielen Fällen müssen sie Entschuldigungen von den Eltern vorlegen und den ersten Teil des Vormittags an der Schule verbringen, bevor sie streiken dürfen. Auch Referate rund um das Klima werden von manchen Schulen gefordert.

Die meisten Schulen lassen ihre Schüler nicht streiken

Doch so lobenswert viele Schulleiter das politische Engagement der Schüler finden, der Zweck heiligt bei den meisten nicht die Mittel. Holger zur Hausen, geschäftsführender Schulleiter der Stuttgarter Gymnasien und Leiter des Zeppelin-Gymnasiums, handhabt diesen Freitag wie alle anderen: Die Schüler dürfen nicht streiken. „Es wird sicher Schüler geben, die zur Demonstration gehen“, sagt er. Die müssen dann eben mit den vorgegebenen Konsequenzen leben. „Aber die sind ja auch nicht so hoch angesetzt“, ergänzt er. Außerdem zähle auch zum Erwachsenwerden dazu abzuschätzen, wann man sich so etwas erlauben könne und wann nicht. Mit den anderen Schulleitern habe er in diesem Schuljahr noch nicht darüber gesprochen. „Aber ich denke, das machen die meisten Schulen so.“

Beim Dillmann-Gymnasium trifft das jedenfalls zu. Schulleiter Manfred Birk hält sich da klar an die Vorgabe des Kultusministeriums. Sicher sei es verständlich, dass die Schüler sich für ein besseres Klima einsetzen. Das Engagement solle sich aber nicht im Streik erschöpfen. „Wir motivieren die Schüler dazu, sich zum Beispiel in Nachwuchsorganisationen der Parteien oder über Jugendarbeit zu engagieren.“ Er lege großen Wert darauf, das Thema mit einer Wissensgrundlage anzugehen. Und die biete das Dillmann-Gymnasium seinen Schülern etwa mit Vorträgen – und der Möglichkeit zur fundierten Diskussion. Die Forderungen der Fridays-for-Future-Bewegung seien ihm da oft zu wenig komplex.

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