Glosse Minutiöses Missgeschick

Von Gabriele Lindenberg 

Über diesen Minuten- oder eher Tagestakt des VVS hat sich eine STZ-Redakteurin respektlose Gedanken gemacht.

Hat schon die neue Zeitrechnung begonnen? Foto: -Dietmar Wittkowski
Hat schon die neue Zeitrechnung begonnen? Foto: -Dietmar Wittkowski

Bad Cannstatt - Das mit der Zeitrechnung ist so eine Sache. Die Vergänglichkeit kann zwar mit großen und kleinen Zeigern oder rinnenden Sandkörnern belegt werden, aber gegen die subjektive Wahrnehmung können die Minuten-Messgeräte auch nichts ausrichten. Wer schon auf eisig-zugigen Bahnhöfen gewartet hat, weiß, wie unendlich lange einem die Zeit vorkommt, bis endlich die Bahn eintrudelt.

Einen Beleg dafür, dass dieses Empfinden überhaupt nicht subjektiv ist, hat unser Leser Dietmar Wittkowski fotografisch dokumentiert.

Reisender, willst du nach Fellbach . . . fahre nicht über Bad Cannstatt – angesichts der Wahnsinns-Wartezeit von 1138 Minuten im Bahnhof des Nachbar-Orts. Sogar wenn einer auf dem Bauch in die Kappelbergstadt robben würde, wäre er immer noch schneller da als in der Wartezeit von 19,7 Stunden auf die S 2. Angesichts der gesamten Fahrtdauer von Filderstadt bis zum Badeort-Bahnhof wäre für eine etwaige Weiterfahrt bis zur Endstation dringend geboten, Essen und Trinken sowie Pyjama und Schlafsack mitzunehmen.

Es waren ja immer wieder Gerüchte im Umlauf, dass S 21 für eine Verlangsamung des öffentlichen Nahverkehrs verantwortlich ist. Aber eine derartige zeitliche Entgleisung hätten wohl die ärgsten Skeptiker nicht vorhergesehen.

Vielleicht ist es ja auch nur eine Taktik des VVS, um mehr Menschen von der Bahn weg und zurück auf die Straße zu bringen – nämlich auf den tollen Radweg, der den Stuttgartern viel Geld und noch mehr Feinstaub wert ist! Es wäre dann – zu Ende gedacht – sicher lustig, wenn dann nicht nur Autofahrer, sondern auch Pedalritter auf dem Weg durch Cannstatt im Stau stehen. Wenn sie sich dann zwischen Sitz und Sattel gemütlich austauschen können, vergeht die Zeit wie im Flug. Subjektiv betrachtet.

Aber es gibt einen positiven Aspekt des minutiösen Missgeschicks: Glücklicherweise wird vom Verkehrsverbund nicht das Ende der Sommerzeit angezeigt – oder gar die Wartezeit bis Weihnachten. Das könnte laut VVS-Rechnung vielleicht nur alle zwei Jahre gefeiert werden.




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