Glosse Sasa Stanisic und die Autos

Zu jedem Abenteuer bereit: Sasa Stanisic Foto: dpa/Frank Rumpenhorst
Zu jedem Abenteuer bereit: Sasa Stanisic Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Neues Hobby: während der Corona-Krise ist der Hamburger Autor Sasa Stanisic zum Autobastler geworden.

Kultur: Stefan Kister (kir)
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Hamburg - Spielen ist ein Grundzug im Werk des Hamburger Schriftstellers Sasa Stanisic. Sein letzter, mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnete Roman „Herkunft“ unterbreitet dem Leser nach bester Computerspiel-Tradition das Angebot, selbst über den Fortgang der Handlung zu entscheiden. Und ähnlich offen ist auch immer die Frage, was von dem 43-jährigen Autor wohl als nächstes kommt. Wer hätte zum Beispiel an ein Kinderbuch gedacht, verfasst mit dem sechsjährigen Sohn als Co-Autor? Die Exkursionen, die die beiden in „Hey, hey, hey, Taxi!“ unternehmen, scheinen ihn jedenfalls nachhaltig geprägt zu haben.

Literarische Vehikel

Zumindest bekannte er jetzt in einem Interview ein überraschend erwachtes Interesse für das Zusammenbauen von ferngesteuerten Elektroautos. „Man kauft nicht das Auto fertiggebaut, sondern bekommt einen Bausatz. Das sind alles so Kleinteile, die man in mühsamster Arbeit zusammenbaut“, sagte Stanisic. Diese Bastelei habe ihn sehr begeistert. „Man sitzt da wirklich zwei, drei, vier Wochen lang und denkt, dass das niemals fahren kann. Und dann drückt man auf den Knopf und das Ding fährt tatsächlich blitzschnell über die Wiese.“ Geht man fehl, darin eine Anspielung auf jene Bedeutungsvehikel zu sehen, die der Autor rasant durch die Welt der Bücher steuert?

Seine Begeisterung jedenfalls scheint nicht allzu verschieden von der zu sein, wenn sich ein aus unendlich vielen Kleinteilen zusammengebastelter literarischer Text als funktionstüchtig erweist und die Leser darauf anspringen. Auto und Fiktion hängen in der Gegenwartsliteratur aufs engste zusammen.




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