Glosse zu Mäh-Workshop mit Sense Sensitive Erfahrungen

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Wer seine Wiese mit der Sense kultiviert, dem verspricht ein Mäh-Workshop des Naturschutzzentrums Schopflocher Alb weit mehr als kurzes Gras.

Laut einem Kurs des Naturschutzzentrums Schopflocher Alb vermittelt das Mähen mit der Sense fast geistig-spirituelle Erfahrungen. Foto: Gottfried Stoppel/Archiv
Laut einem Kurs des Naturschutzzentrums Schopflocher Alb vermittelt das Mähen mit der Sense fast geistig-spirituelle Erfahrungen. Foto: Gottfried Stoppel/Archiv

Lenningen - Wer dem wild und ungestüm wuchernden Graswuchs auf seiner Streuobstwiese mit der Sense zu Leibe rückt, ist laut einer Beschreibung aus dem Programm des Naturschutzzentrums Schopflocher Alb weit mehr als nur ein einfacher Mähknecht. Denn er rückt durch diese so urwüchsige Art der Landschaftspflege offenbar in Sphären auf, die ansonsten tibetischen Mönchen vorbehalten sind, wenn sie durch das Drehen ihrer buddhistischen Gebetsmühlen körperliche Aktivität und geistig-spirituelle Inhalte miteinander verknüpfen und so den Pfad der Erleuchtung beschreiten.

Eins werden mit seinem Bewusstsein

„Spüre das sanfte Schneiden und Gleiten der Sense durch das Gras. Spüre deinen Körper, der sich rhythmisch und gleichmäßig bewegt. Spüre die Sonne, den Regen, das Gras, deine gemähte Streuobstwiese“, heißt es in dem Begleittext, der für die Teilnahme an einem Kurs an diesem Samstag, 13. Juli, wirbt.

In diesem Kurs wird das Mähen mit der Sense samt des Schärfens und Dengelns derselben gelehrt. Und noch viel mehr, lässt das archaische Mäherlebnis mit all diesen wunderbaren Nebenwirkungen die Teilnehmer womöglich Eins werden mit ihrem Bewusstsein. Die Handarbeit baut demnach Stress ab und schenkt meditative Erfahrungen, die man beim plumpen Mähen mit dem schnöden Balkenmäher vergeblich sucht.

Nichts für erfahrene Sensenfrauen und -männer

Freilich richtet sich der Kurs offenkundig an blutige Sensenanfänger – „Vorkenntnisse sind nicht erforderlich“, heißt es in der Beschreibung. Novizen lassen sich mit solch verlockenden Aussichten womöglich für eine Teilnahme erwärmen. Ganz anders sieht es jedoch bei Sensenfrauen und -männern aus, die bereits erste sensitive Erfahrungen gesammelt haben. Deren Text für die Beschreibung der landwirtschaftlichen Tätigkeit würde sicherlich anders lauten: „Spüre den Muskelkater in jeder Faser deines Körpers. Spüre den Heuschnupfen, der sich langsam in deiner Nase und in deinen Augen ausbreitet. Spüre deinen Rücken, der sich gegen den Hexenschuss wehrt. Spüre die Blasen in deinen Handflächen und das pulsierende Brennen, wenn sie am Abend aufplatzen.“