Glosse über einen Spaziergang mit Dackel Hinterherdackeln erwünscht

Dackelblick Foto: Alfred Nesswetha/adobe.com

Der Dackel erlebt eine Renaissance, am Sonntag im Schönbuch zu erleben. Eine Glosse über kurze Beine, Dackelblicke und fliegende Ohren.

Wenn der Mut größer ist als der gesamte Hund – dann steht ein Dackel vor Dir, so sagt man das wenigstens. Wenn dem so ist, dann wimmelt es am Sonntag im Schönbuch wahrscheinlich vor mutigen Brutussen und Cäsars. Denn der größte Dackelclub Deutschlands lädt zum Spaziergang ein: Treffpunkt Parkplatz „Braunäcker“ zwischen Waldenbuch und Dettenhausen um 10 Uhr, Freunde und Gäste sind willkommen, alle dürfen durch den sommerlichen Wald hinterherdackeln. Unweigerlich hat man als einstige Dackelmama (Schlappi, Waldi, Higgins, ja, wie der aus „Magnum“) ein Bild vor Augen – ein schönes. Denn Dackel haben einfach ein sehr natürliches Charisma, finde ich. Meiner Meinung nach gehen sie ja auch nicht zu Fuß. Sie berühren punktuell den Boden, heben dann aber wieder ab. Weil eigentlich fliegen sie, also fast, also wirklich um Kurz- oder Rauhhaaresbreite klappt es nur nicht. Darum fliegen halt nur die Ohren.

 

Dackel erleben ja gerade eine Renaissance als Lieblingshunde. Zu recht. Lange waren sie als Wurst auf vier Beinen oder als perfektes Sinnbild für den biederen Nachkriegsopa verpönt. Klar, ihr Körperbau ist schon außergewöhnlich. Aber wir Menschen sollten gut darüber nachdenken, ob wir uns über einen Dackel lustig machen sollten, wenn wir vor einem Spiegel stehen. Vielleicht ist das aber auch der Grund, warum Waldi jetzt wieder sehr beliebt ist: herrlich unperfekt, so als Hund, wie Waldemar so als Mensch.

Mein Dackel Waldemar und ich

Endlich bekommt der Dackel also die Würdigung, die ihm zusteht: charakterstark, einfach mit einem riesigen Herz ausgestattet und mit das Ulkigste, was man daheim haben kann. Wer mal unter einem Dackel sein Zuhause hatte, der weiß, was damit gemeint ist. Was ist unschuldiges Gucken nach der versehentlichen Zerstörung des halben Hausrats, weil man seine Beine nicht hoch genug heben kann – oder will? Dackelblick, selbstredend. Den haben irgendwann natürlich auch Herrchen oder Frauchen drauf. Man ist ja lernfähig, der Blick ist übrigens einsetzbar in sämtlichen prekären Lebenslagen.

Also die Verabredung steht: Mein Dackel Waldemar und ich, wir zwei. Wir wohnen Regenbogenstraße drei. Und wenn wir morgens durch den Schönbuch gehn’, dann kann man Dackelbeine wackeln sehn’. cas

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