Der Intendant Armin Petras wechselt vom Gorki Theater in Berlin zum Stuttgarter Staatstheater: Man staunt, wie andere die Stadt sehen.

Kultur: Adrienne Braun (adr)

Stuttgart - Seitdem Armin Petras erklärt hat, dass er Schauspielintendant in Stuttgart wird, muss er ständig Interviews geben. Ob es die Berliner oder die überregionalen Zeitungen sind, alle stellen immer die eine große Frage: Wieso geht einer wie Petras nach Stuttgart? Ausgerechnet Stuttgart! Als könnte man nachvollziehen, dass einer nach Bottrop oder Buxtehude will, nach Brotterode oder Bruchköbel. Aber doch nicht Stuttgart.

Da kann man tatsächlich ins Grübeln kommen. Petras wechselt an ein Haus, das ein doppelt so großes Ensemble hat wie sein Berliner Gorki Theater. Das nicht nur eine, sondern drei Spielstätten betreibt, wobei das Schauspielhaus bald auch noch frisch saniert, mit neuester Technik und 689 Plätzen ausgestattet sein wird. Das Maxim Gorki Theater ist nicht nur knapp bei Kasse, sondern hat auch nur 420 Plätze. Aber die sind eben in Berlin, alle.

Genau deshalb wollen wir ihn - weil er verrückt ist

Petras selbst wurde erst durch diese Reaktionen bewusst: "Kein Mensch geht offenbar freiwillig nach Stuttgart." Ihm sei die Stadt ja auch fremd, fremder als alles andere. "Vielleicht bin ich einfach verrückt."

Genau deshalb wollen wir ihn - weil er verrückt ist. Das fehlt uns Stuttgartern, da wir immer nur Geld scheffeln, Häuser bauen und nie über Schiller hinausgekommen sind. So sind wir halt, nichts als Trollinger trinkende Trolle, Schwäbischschwätzer, Kesselfurzer. Das große Theater haben wir nur durch Zufall. Denn eigentlich hocken wir immer nur in unseren dicken Autos. Falls wir aus denen je mal aussteigen, dann nur, um die Gehwege schnell zu fegen. Bevor sie wieder hochgeklappt werden.

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