Glühweinentzug Prohibition 2.0

Droht bei Glühwein-Prohibition womöglich eine klammheimliche Heißgetränk-Mafia? Foto: dpa/Christoph Schmidt
Droht bei Glühwein-Prohibition womöglich eine klammheimliche Heißgetränk-Mafia? Foto: dpa/Christoph Schmidt

Bierverbot gäbe Ärger. Was aber, wenn draußen kein Glühwein mehr getrunken werden darf, fragt sich Harald Beck höchst besorgt und von mafiösen Albträumen geplagt.

Glühwein - Eines war schon immer klar: Erst, wenn du den Deutschen das Bier wegnimmst, gibt es eine Revolution. Das Glühweinverbot draußen erwischt uns dagegen kalt. Geschlossene Restaurants? Federn wir irgendwie ab. Mit Gans-to-go-Box oder einer Mitnahme-Bratwurst vom Discounterimbiss.

Bier saufen wir notfalls allein daheim vor dem Fernseher. Aber der entzogene gemeinschaftliche Glühwein, der könnte zum vorweihnachtlichen Albtraum werden. Beispiel? Der vorsätzlich düstere ab 18-Uhr-Treff beim Rössleswirt hinterm Gasthaus in – sagen wir mal – Schwabhausen an der Rems. Dass da der Tippgeber schon zwei Euro will, als Maut- und Maulhaltegeld an die beiden dunklen Gestalten, die zwei Ecken weiter den regelwidrigen Versorgungsstützpunkt bewachen, ist schon echt befremdlich. Dann, am einstigen Kneipenklofenster, gut versteckt hinter dem Holderbusch, die nächste 2020er Adventsüberraschung: 0,2-Liter-Becher Glühwein rot für 8,50 – immerhin inklusive einem garantiert nicht wiederverwendbaren Plastikbecher.

Drohendes Glühweinrisiko und die Frage des Preises

Sorry, heißt es dazu, das Risiko des Wirts, von der geheimen Corona-Polizei geschnappt zu werden, sei einfach verdammt groß. Quasi unbezahlbar. Dazu die Nachbarn, die ihn womöglich irgendwann wegen Lärmbelästigung, Steuerhinterziehung und Verstoß gegen das ganz neue „Bei Dunkelheit-muss-jedes-Fenster-zu-sein“-Gesetz anzeigen, das sei einfach kaum in Euro aufzuwiegen.

„Dem Risiko angemessener Preis“ sagt die gestern als Merkel, heute als Landrat Sigel maskierte Gestalt hinter dem Glühweintopf: „Schau’ doch bei Google unter dem Stichwort Prohibition im USA-Mafiapreiskatalog vor 100 Jahren nach.“ Und: Man könne es ja ansonsten auch im Nachbarort hinter dem Hirsch probieren. Der verlange hinter seinem sternbeleuchteten Vorweihnachtsstall seit der Corona-Strafverschärfung sogar zehn Euro.

Ach, alles nur geträumt?

Der Wecker klingelt, schweißgebadetes Aufwachen. Boah, Gott, Bacchus und allen echten Corona-Helden sei Dank, alles nur ein Traum. „Hallo“, schallt prompt die familiäre Realität ins Schlafzimmer: „Vadder, Bier isch em Keller, kannsch d’Revolution verschieba. Aber beim Aldi gibt’s wieder Glühwei, 1,79 d’Flasch.“

„Klar Junge, bring mal fünf Kartons und setz’ den großen Pot auf, glaub’, der erste Nachbar wartet schon kurz nach fünf hinten am Balkongeländer.“




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