Göppingen Chance auf Technikmuseum

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Für die Sammlung historischer Maschinen des Technikforums zeichnet sich eine Lösung ab, allerdings anders, als sich das viele Kulturschaffende in der Stadt gewünscht hätten.

Die alte Lagerhalle könnte, wie diese Illustration zeigt, mit gläsernen Elementen und einer Stele  aufgemöbelt werden. Foto: Stadt
Die alte Lagerhalle könnte, wie diese Illustration zeigt, mit gläsernen Elementen und einer Stele aufgemöbelt werden. Foto: Stadt

Göppingen - Die gute Nachricht zuerst: Die Stadtverwaltung, allen voran der Göppinger Oberbürgermeister Guido Till, und die Mitglieder des Technikforums scheinen sich nach vielen Jahren voller Auseinandersetzungen zusammengerauft zu haben. Bei einem Treffen der Stadtspitze mit dem Verein hat man sich auf ein neues Konzept geeignet, wie die Sammlung historischer Maschinen, die der Verein seit vielen Jahren pflegt, künftig ausgestellt werden könnte.

Der Verein bekommt demnach wesentlich mehr Fläche als bisher von der Stadt zur Verfügung gestellt, nämlich 590 statt 340 Quadratmeter, und städtische Unterstützung bei der modernen Gestaltung und der Entwicklung eines Konzepts. Geplant ist, die Maschinenhalle des Vereins in der Hermannstraße auf dem Boehringer-Areal zu erweitern, indem eine direkt angrenzende Halle dazugenommen wird. Außerdem soll die Maschinenhalle optisch aufgewertet werden, etwa durch neue verglaste Elemente, die das Gebäude optisch zur Straße hin öffnen und eine Stele, die auf die Ausstellung hinweist. Angedacht ist auch, Büroräume im Obergeschoss des Gebäudes hinzuzunehmen.

Die Alte Gießerei ist vom Tisch

Was den Kulturschaffenden in der Stadt vermutlich weniger gefällt: Die Alte Gießerei auf dem Boehringer-Areal, die lange als möglicher Standort eines Technikmuseums im Gespräch war, damit endgültig vom Tisch. Darüber hinaus sieht es so aus, als habe die Stadt sich gedanklich bereits von der Idee verabschiedet, die Halle künftig für kulturelle Zwecke zu nutzen und damit Industrie und Kultur auf dem Boehriger-Areal zusammenzubringen.

Darauf deutet zumindest ein Schreiben Tills an den Freie-Wähler-Chef Emil Frick hin. Auf den Vorschlag der Freien Wähler, der von den Grünen und der SPD unterstützt wurde, die Alte Gießerei nicht an Gewerbetreibende zu verkaufen, sondern für kulturelle Nutzungen in städtischer Hand zu behalten, antwortet Till, es sei „schwierig“, eine wesentliche Fläche des Areals aus der wirtschaftlichen Vermarktung zu nehmen.

Die Firma Blue Estate, die zurzeit für die Stadt ein Gesamtkonzept für das Boehringer-Areal entwickelt, hat offenbar vier Varianten geplant. Nur zwei davon sehen Insidern zufolge eine kulturelle Nutzung der Alten Gießerei vor, die anderen beiden konzentrieren sich demnach auf eine gewerbliche Nutzung.

Der Kompromiss stößt auf breite Zustimmung

Guido Till hatte ursprünglich den Vorschlag in die Debatte eingebracht, die Gießerei als Ersatz für die Werfthalle im Stauferpark zu nutzen, die seit ihrem Verkauf an die Firma Kleemann immer seltener für Veranstaltungen und Messen genutzt werden kann. Die Erste Bürgermeisterin Almut Cobet hatte eine Chance gesehen, in der Alten Gießerei auch Angebote für Kulturtreibende zu schaffen, Proberäume für Bands und Ateliers für Künstler etwa. So mancher Stadtrat hatte bereits davon geträumt, auf dem Boehringer-Areal eine schicke Mischung aus Start-Ups und Kultur in historischem Ambiente zu erreichen – und in unmittelbarer Nähe zum Märklineum, das zurzeit gebaut wird. Öffentlich beraten wird über das Konzept voraussichtlich im Herbst.

Immerhin, der Kompromiss mit dem Technikforum stößt auf breite Zustimmung. Selbst die SPD, die sich stets für die große Lösung in der Alten Gießerei stark gemacht hatte, ist von den neuen Ideen angetan. Es sei ein „guter Ansatz“, sagt der SPD-Chef Armin Roos. „Die Grünen begrüßen es, dass die Stadtverwaltung 40 Jahre nach der Gründung des Fördervereins in Gespräche mit dem Technikforum eintritt“, sagt auch der Grünen-Chef Christoph Weber. Entscheidend werde es aus seiner Sicht sein, „gemeinsam ein Betriebskonzept zu entwickeln, um die guten Ideen der Ingenieure mit Leben zu erfüllen und finanzierbar zu machen.“ Denn, da sind sich offenbar alle einig, die Schwierigkeit werde weniger sein, die Räume angemessen zu gestalten, sondern ein Konzept für die Ausstellung zu erarbeiten und auf Dauer zu finanzieren.




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