Narrensprung in Göppingen Glasverbot in der Stadt sorgt für Empörung

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Die Stadt Göppingen hat verfügt, dass Getränke beim Narrensprung nur in Plastik ausgeschenkt werden dürfen. Stadträte befürchten jetzt, dass das künftig auch für andere Feste gelten könnte.

Rund 1500 Hästräger haben am Samstag in der Innenstadt gefeiert – allerdings unter erschwerten Bedingungen. Foto: Michael Steinert
Rund 1500 Hästräger haben am Samstag in der Innenstadt gefeiert – allerdings unter erschwerten Bedingungen. Foto: Michael Steinert

Göppingen - Wenn man bedenkt, dass Göppingen die Fasnet jahrzehntelang praktisch komplett ignoriert hat, haben die Galgenberghexen, die sich vor zwölf Jahren in der Stadt gegründet haben, einiges auf die Beine gebracht: Rund 1500 Hästräger aus 52 Faschingsvereinen haben am Samstag mit mehr als 1000 Zuschauern einen Nachtnarrensprung gefeiert – mit einem zweistündigen Guggenkonzert auf dem Schlossplatz, einem Umzug durch die Innenstadt und danach mit einer Party in einem Festzelt auf dem Marktplatz. Doch bei der Stadtverwaltung scheint diese Art der Innenstadtbelebung nicht gut anzukommen. Im Gegenteil.

Man mache ihnen mit unsinnigen Auflagen das Leben schwer, klagen die Galgenberghexen – und bekommen jetzt Unterstützung von Stadträten, die befürchten, dass unter den neuen Auflagen womöglich bald noch viel mehr Vereine und Feste wie das Stadtfest, das Weinfest oder der Maientag leiden werden.

Die Stadträte wussten vorab nichts von der neuen Regel

Besondere Empörung löste ein Glasverbot aus, dass die Stadtverwaltung für die Zeit des Narrensprungs für die Innenstadt verhängt hatte. Getränke durften deshalb nur noch in Plastikflaschen und Plastikbechern ausgeschenkt werden. Außerdem galt während der Veranstaltung ein Konfettiverbot, wie der Ehrenzunftmeister der Galgenberghexen, Daniel Paasch, berichtete. Der Verein musste deutlich mehr Sanitäter stellen als üblich und die Zufahrt zum Marktplatz mit Autos verbarrikadieren, die quer über die Straße geparkt waren. „Es würde mich nicht wundern, wenn wir dann am Ende noch Strafzettel wegen Falschparkens kassieren würden“, schimpfte Paasch am Samstagabend.

Stadträte, die bei dem Fest vorbeischauten, wurden von den Klagen der Galgenberghexen völlig überrascht. So berichten etwa Paul Lambert (CDU) und Christian Stähle (Linke), dass sie vorher nichts von dem Glasverbot gewusst hätten. Lambert, der als Vorsitzender des Stadtfestvereins ein großes Interesse an der Frage hat, ob das Glasverbot künftig bei allen Veranstaltungen in der City gilt, sicherte den Galgenberghexen zu, sich bei der Stadt über die Hintergründe der neuen Auflagen zu informieren. Aus seiner Sicht hat die Frage, wann und für wen das Glasverbot künftig gilt, eine „enorme Tragweite“. Umso ärgerlicher ist er, dass das Thema nicht im Gemeinderat besprochen wurde.

CDU und Linke sich in diesem Fall einig: Der Gemeinderat soll einbezogen werden

So unterschiedlich die Positionen von CDU und Linken häufig sind, so einig sind sich Lambert und Stähle darin, dass über das Glasverbot im Gremium diskutiert werden muss, falls es künftig für alle Veranstaltungen gelten soll. Schließlich, so Stähle, habe man in der Vergangenheit große Anstrengungen unternommen, den Verbrauch von Plastik zu reduzieren. Und Lambert weist daraufhin, dass beispielsweise die Organisatoren des Weinfests erst vor kurzem schicke neue Gläser für ihre Veranstaltung angeschafft haben.

Falls das Verbot aber nur für die Narren gelte, so Stähle, stelle sich die Frage nach den Gründen. „Es kann nicht sein, dass man so einem kleinen, engagierten Verein auf diese Art das Leben schwer macht.“