Göppingen im VVS Der Landkreis will mehr Nahverkehr

Fährt hier mal die  Boller Bahn durch? Bürgermeister  Hans-Rudi Bührle (links) im Gespräch mit Landrat  Edgar Wolff. Foto: Jürgen Schäfer
Fährt hier mal die Boller Bahn durch? Bürgermeister Hans-Rudi Bührle (links) im Gespräch mit Landrat Edgar Wolff. Foto: Jürgen Schäfer

Neue Ziele gibt die Kreisverwaltung bei einer Wanderung aus, mit der die Feier zur Vollintegration in den VVS nachgeholt wurde. Viele Themen gibt es am „Hotspot“ in Bad Boll. Für den Expressbus sieht es gut aus, in Sachen Boller Bahn kommt immerhin eine Machbarkeitsstudie.

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Göppingen - Viel ist erreicht, viel bleibt zu tun. Das erfuhren die Teilnehmer einer Wanderung mit Landrat Edgar Wolff, Kreis-Verkehrsplaner Jörg-Michael Wienecke und VVS-Geschäftsführer Horst Stammler bei einer Wanderung von Bad Boll nach Hattenhofen, die die nachgeholte Festlichkeit zum vollen Beitritt des Kreises zum Verkehrsverbund Stuttgart darstellte. Der jetzige Fahrplan von Bus und Bahn im Kreis sei zuwenig. Es müsse mehr geschehen.

Halbstundentakt auch auf der Filstalbahn

In Bad Boll, dem Ausgangspunkt, gibt es schon weitgehend den Halbstundentakt der Busse, den sich Wienecke auch für andere Strecken wünscht. Für Verkehrsachsen im Landkreis. Denn: Der Nahverkehr müsse attraktiver werden, das Land gibt die Richtung vor. Bis 2030 soll die Zahl der Fahrgäste verdoppelt werden. Das will Wienecke mit mehr Bussen schaffen, allerdings nicht mit der doppelten Zahl. Ferner soll die Verbindung von Straße und Schiene optimiert werden. Auf der Filstalstrecke soll der reine Halbstundentakt kommen, und die Busse entsprechend vertaktet werden. Das sind Ziele für den Nahverkehrsplan 2025. Aber schon im Frühjahr 2023 soll die Marschroute stehen. Das ist nicht mehr so lange bei einer so komplexen Materie, sagt  Wienecke.

Die Ausgangslage: „Wir sind zurückgeworfen worden“, klagt Landrat Wolff. Mitten in der Pandemie ist der Kreis Vollmitglied im Verkehrsverbund Stuttgart geworden. „Wir sind im zweiten Lockdown gestartet“, resümiert VVS-Geschäftsführer Stammler. „Die Fahrgastzahlen gingen runter auf 40, 50 Prozent.“ Man bekomme die Fahrgäste langsam wieder zurück, jetzt seien es 70, 75 Prozent. „Den Gelegenheitsverkehr hat die Pandemie am stärksten getroffen. Veranstaltungen wurden abgesagt, Museen, Einkaufszentrum und Schwimmbäder waren geschlossen. Jetzt muss der Kreis auch noch eine Verdoppelung anstreben. Und umweltfreundliche Busse“, sagt Wienecke. 

Bad Boll hat große Pläne

Bad Boll hat den Halbstundentakt. Bis auf Eckwälden. Das ist für Gemeinderat Rainer Staib ein Manko. Aber Bad Boll hat ein Stadtticket, das den Teilort umfasst. Für drei Euro kann man im Gemeindegebiet den ganzen Tag Bus fahren. Ähnliches wünschen sich Bad Boll und die Nachbargemeinden auch für ihr Verbandsgebiet Raum Bad Boll. Ein Verbandsticket. Sie haben beim VVS deswegen angeklopft. Bisher ohne Erfolg. Staib würde auch gleich ein Ticket bis hoch zum Reußenstein einführen, um touristische Ziele einzubinden. Und eigentlich solle das gleich ein Landkreis-Ticket sein, sagt er. Das Problem: So ein Ticket kostet immer Geld.

Das Verbandsticket ist ein neuer Wunsch – es gibt auch einen alten: Einen Expressbus nach Kirchheim über Bad Boll. Das unterstützt VVS-Geschäftsführer Stammler. So schlage man die Verbindung vom Filstal zur S-Bahn nach Kirchheim. Die Entscheidung liegt beim Regionalverband. Stammler und die Bad Boller Regionalrätin Dorothee Kraus-Prause (Grüne) haben den Eindruck, dass die Zeichen gut stehen. Ein Expressbus nach Kirchheim könnte dann auch weiterführen zum Flughafen.

Der E-Bus ist noch Zukunftsmusik

Bad Boll ist überhaupt ein Hotspot des Nahverkehrs, findet Wienecke. Wegen der Boller Bahn. Bald werden Planer daran gehen, die Möglichkeit einer Voralbbahn bis Kirchheim zu untersuchen. Ein Problem: Wie soll es von der Bahnhofallee weitergehen, wo die Gleise enden und der Weg verbaut ist? Oder will man vorher abschwenken? Vorgegeben ist nichts, sagt Wienecke. Er ist nicht für einen Tunnel. Es gibt die Vorstellung, dass eine Stadtbahn von der Bahnhofallee zum Erlengarten kommt.

So startet die Wanderung auch. Etwa 20 Teilnehmer bewegen sich durch Gassen zum Erlengarten, dann zur Badallee. Dort erläutert Bürgermeister Hans-Rudi Bührle, dass beim neue Wala-Laborgebäude berücksichtigt werden musste, dass daneben mal eine Bahn mit entsprechenden Erschütterungen fahren könnte. Zurück ging es dann mit einem E-Bus, den Frank und Stöckle stellte und der im Kreis noch Zukunftsmusik ist. 

Wanderung ist dem Fahrgastbeirat zu wenig

Stationen
 Bad Bolls Bürgermeister Hans-Rudi Bührle führte die Wanderer zum Kurhaus, zum Wala-Labor mit Park und zum Blumhardtfriedhof, durchs schöne Butzbachtal ging es nach Hattenhofen. Dort führte Bürgermeister Jochen Reutter die Gäste zum Sauerbrunnen mit Kneippbecken. 

Kritik
Folkloristisch nannte Heiko Stobinski vom regionalen Fahrgastbeirat die Wanderung. Sie habe mit dem Nahverkehr eigentlich nichts zu tun, und man habe die Bevölkerung für den Aktionstag nicht erreicht. Es sei auch das kostenlose Fahren mit Bus und Bahn an diesem Tag zu wenig beworben worden.




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