Göppingen Kritik: Altbau würde die Klinik einschnüren

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Der Unternehmer Johannes Krauter bekommt im Gemeinderat zwar Beifall für seine Idee, die alte Klinik am Eichert umzunutzen, sobald der Neubau steht. Doch die Chancen, dass aus der Idee Realität wird, sind dennoch sehr gering.

Ein Blick aus der Vogelperspektive auf die alte Klinik (rechts) und den geplanten Neubau (Mitte). Die Gebäude stünden nach Ansicht der meisten Stadträte viel zu nahe bei einander. Foto: Arcass Planungsgesellschaft mbH
Ein Blick aus der Vogelperspektive auf die alte Klinik (rechts) und den geplanten Neubau (Mitte). Die Gebäude stünden nach Ansicht der meisten Stadträte viel zu nahe bei einander. Foto: Arcass Planungsgesellschaft mbH

Göppingen - Auf den ersten Blick ist der Vorschlag ansprechend: Der Unternehmer Johannes Krauter trommelt im Kreistag und bei den Fraktionen des Göppinger Gemeinderats seit einigen Wochen für seine Idee, die alte Klinik am Eichert nicht abzureißen, sondern umzunutzen, sobald die neue Klinik gebaut ist. Wie berichtet möchte er die Klinik vom Kreis übernehmen, für rund 90 Millionen Euro sanieren und dort unter anderem Wohnungen schaffen, Räume für ein Hotel, Gastronomie und einiges mehr. Das würde dazu beitragen, den Wohnungsmarkt in der Stadt zu entschärfen und der Kreis könnte sich den auf zehn Millionen Euro taxierten Abbruch sparen.

Am Donnerstag debattierte der Gemeinderat, der dazu den Bebauungsplan ändern müsste, zum ersten Mal über das Thema – und es zeigte sich schnell: Wie so oft steckt der Teufel im Detail. Krauter nahm an der Debatte nicht teil. Statt des Unternehmers stellten der Göppinger Landrat Edgar Wolff, der kaufmännische Geschäftsführer der Kliniken, Wolfgang Schmid, und der Architekt des Klinikneubaus, Manfred Ehrle, ihre Sicht auf die Initiative des Unternehmers dar.

Wolff sieht mehr Risiken als Chancen

Wolff hielt sich bei seiner Einschätzung zurück und sagte lediglich, er sehe zwar Chancen in dem Vorschlag, aber aus seiner Sicht würden im Moment die Risiken für das Neubauprojekt überwiegen, das auch so schon eine riesige Herausforderung für den Kreis sei. Zumal mittlerweile klar sei, dass der Kreis die Klinik nicht einfach an Krauter abgeben könne, sondern das Projekt Klinik-Umnutzung ausschreiben müsse. Tatsächlich, das hatte der Oberbürgermeister Guido Till zuvor bekannt gegeben, hat sich ein weiter Interessent gemeldet, der die alte Klinik übernehmen will.

Ehrle hingegen warnte eindringlich davor, der neuen Klinik eine „Zwangsjacke“ zu verpassen, nur um Abbruchkosten zu sparen. Denn die Ersparnis würde durch Mehrausgaben für Umplanungen und Zeitverzögerungen schnell zunichte gemacht. Außerdem könnte sich die neue Klinik nicht mehr frei entwickeln, wenn die alte stehen bleibe. Denn das frei werdende Gelände ist als Park für die Patienten und als Erweiterungsfläche für die Klinik vorgesehen. Was für Erweiterungen die Klinik eines Tages benötige, sei heute noch gar nicht absehbar. Genau deswegen aber wolle man sich die Fläche freihalten – um für alle Entwicklungen gewappnet zu sein.

Mehr Verkehr und Schwierigkeiten für den Hubschrauber

Ehrle führte auch einige besonders problematische Punkte auf: So läge der geplante Wirtschaftshof der neuen Klinik so nahe an der alten, dass man dort die von Krauter geplante Piazza vor dem Gebäude kaum umsetzen könne. Zumal der Wirtschaftshof genutzt werde, um Container abzustellen und den Lieferverkehr abzuwickeln – nicht gerade eine ansprechende Umgebung für einen Platz zum Flanieren.

Ehrle befürchtet auch, dass der Verkehr, den die zusätzlichen Wohnungen sowie ein Hotel und Gastronomie im Eichert verursachen würden, zu viel für den Standort würde. Weil das Bestandsgebäude außerdem rund zehn Meter höher ist als das neue, könnte der geplante Hubschraubelandeplatz nicht mehr richtig genutzt werden, die Piloten könnten nur noch von Süden oder Norden statt von Westen und Osten anfliegen, was wegen der vorherrschenden Windrichtungen schwierig sei.

Die meisten Stadträte lehnen Krauters Initiative inzwischen ab

„Wir sind als Klinik ein Betrieb, der keine Beeinträchtigung brauchen kann“, sagte Wolfgang Schmid im Anschluss mit Blick auf jede Menge Nachbarn, die das neue Krankenhaus auf einen Schlag hätte, und auf die man dann zum Beispiel beim Thema Lärm durch Krankenwagen und anderes Rücksicht nehmen müsse. Schmid wies die Stadträte auch auf das Risiko hin, dass Krauter die umgenutzte Klinik womöglich auch wieder verkaufen könne und man nicht wisse, wer dann komme.

Die Mehrheit der Stadträte fand Ehrles und Schmids Argumente einleuchtend. Und so gab es zwar von allen Seiten viel Grundsatz-Lob für Krauters Idee – aber die meisten waren sich einig, dass – wie es der CDU-Chef Felix Gerber ausdrückte – „der Altbau nur dann stehen bleiben kann, wenn dort oben kein Neubau kommt“. Und das wollte keiner. Damit streifte das Gremium die in den vergangenen Wochen neu entflammte Standortdebatte. Doch dem hatte Schmid bereits mit seinem Hinweis vorgebaut, dass man für die neue Klinik den „besten Standort“ brauche, und das sei der im Eichert. Denn, sagte Schmid, der im Kreis immer wieder mal diskutierte Standort neben dem Christophsbad in der Öde sei zu klein, die Synergieeffekte mit dem Christophsbad seien gering und außerdem seien im Eichert mit dem Bau des neuen Parkhauses, der Kindertagesstätte und der Mitarbeiterwohnungen längst Tatsachen geschaffen worden. Dort seien bereits rund 30 Millionen Euro verbaut und Zusagen für mehr als 50 Millionen Euro Bausumme gemacht worden. Die Zeit der Diskussionen über den Standort sei damit vorbei.

Das sahen auch die Stadträte so. Jede Fraktion sprach sich dafür aus, die neue Klinik zu bauen wie geplant und lieber auf die Umnutzung zu verzichten. Allein Horst Wohlfahrt (FDP) forderte, Krauter dennoch die Möglichkeit zu geben, zu den Einwänden Stellung zu nehmen.