Göppingen Künstler spenden für Kinder-Hospizdienst

Glaube und Hoffnung symbolisieren diese Werke. Foto: Horst Rudel
Glaube und Hoffnung symbolisieren diese Werke. Foto: Horst Rudel

Eine ungewöhnliche Ausstellung ist zurzeit in der Stadtkirche zu sehen. Rund 20 Künstler aus der Region haben sich dem Tod von Kindern auseinander gesetzt und je zwei Werke zu Gunsten der Malteser zur Verfügung gestellt.

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Göppingen - Ich bin traurig, weil ich bald woanders hin muss. Gerne würde ich nicht krank sein.“ Matthias Zondler hat sich überlegt, wie ein Kind namens Jonathan damit umgehen könnte, wenn es todkrank wäre, wenn das Geschenk Gottes, wie der Name Jonathan bedeutet, seinen Eltern und Geschwistern einen Abschiedsbrief schreiben würde. Die Sehnsucht dieses Jonathans, noch einmal die wärmende Sonne und das feuchte grüne Gras spüren zu können, hat er in einem seinem Bilder eingefangen.

In einem zweiten stellt Zondler die „Schritte Richtung Ewigkeit“ dar. „Wenn ich in der anderen Welt bin“, lässt er den fingierten Jonathan schreiben.

„Anfang, Leben, Ende“

Zwei Kunstwerke zum Thema Geburt und Tod, dieser Aufgabe haben sich rund 20 Künstler aus der Region gestellt. Es ist eine ungewöhnliche Benefiz-Aktion zu Gunsten des ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes der Malteser. Die Werke sind seit Freitag und noch bis zum 16. Februar täglich von 11.30 bis 14 Uhr in der Göppinger Stadtkirche zu sehen, also während der gleichzeitig stattfindenden Vesperkirche.

25 Gramm wiegt die Seele

Die Idee dazu hatte Gabriele Ulmer, eine der beiden Koordinatorin der rund 25 ehrenamtlichen Mitarbeiter des Dienstes, die betroffene Familien im Umgang mit dem Sterben begleiten. In dem Göppinger Künstler Detlev Schorlau fand Ulmer bald einen gewillten Mitstreiter, der seine Kontakte nutzte. So haben sich für die Aktion rund 20 Künstler wie Werner Stepanek, Jochen Riehle oder Jörg Zimmermann, aber auch Christiane Bstock, Roswitha Walenczyk oder Inge Czemmel, Christel Fuchs, Elke Widenmann und viele mehr zur Verfügung gestellt.

Und so kommt in der Stadtkirche eine Werkschau zusammen, die äußerst vielfältig ist. Da gibt es von Riehle ein filigran gestaltetes Holzkreuz zu sehen, das wie ein Wegweiser wirkt, von Elke Widenmann leuchtende Glasscheiben mit hintergründigen Linienmustern. Christel Fuchs hat Bilder mit Asche und Ölschiefer gestaltet, die das Mysterium vom Werden und vergehen aufgreifen und so die dunklen Seiten des Lebens charakterisiert. Hilde Durmin hat Schälchen gefilzt, alle 21 Gramm schwer. So viel wiegt angeblich die Seele haben Experimente eines Arztes vor mehr als 100 Jahren ergeben.

Spender können Bilder kaufen

Mit dem Werden und Vergehen hat sich auch Detlev Schorlau in zwei Werken auseinander gesetzt, Alpha und Omega, Anfang und Ende stellt er in den Raum. Bei anderen sind blühende und welke Blumen, Eine Mutter mit ihrem Neugeborenen und ein Jagdhund mit einer Gans die Platzhalter für Leben und Tod.

„Künstler haben eine sensible Sichtweise auf die Dinge“, erklärt Ferdinand Graf Degenfeld, der ehrenamtliche Leiter des Kinder- und Jugendhospizdienstes. „Ihnen gelingt ganz ohne Worte das auszudrücken, was uns vielleicht auch im Angesicht von leben und Tod bewegt“, sagt er.

Das besondere Ausstellung ist neben der klaren Aufgabenstellung aber, dass nahezu alle Künstler zu ihren großformatigen Werken auch zwei kleinformatige Gemälde geschaffen haben. Diese können für 25 Euro pro Stück erstanden werden. Das Geld kommt dem ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst zugute.

Viele Schulkassen zeigen Interesse

„Rund die Hälfte der Werke sind bereits verkauft“, freut sich Detlev Schorlau über die große Akzeptanz beim Publikum. Erwähnenswert sei überdies, dass die Kunst nicht nur einfach so ausgestellt werde, so Schorlau. Zum einen erhöht die täglich stattfinde Vesperkirche die Besucherfrequenz. Vor allem aber gebe es zahlreiche Führungen durch die Ausstellung, darunter auch für viele Schulklassen, die sich mit dem Thema Leben und Tod Gleichaltriger auseinander setzen wollen.




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