Göppingen Naturschutz contra Freizeitsport

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Die SPD lässt beim Thema Mountainbike-Trail nicht locker und kommt ihrem Ziel, Freizeitsportlern ein neues Angebot machen zu können, zumindest ein Schrittchen näher.

Mountainbiker sind gerne am Hörnle unterwegs. Foto: Fotolia/Alexander Rochau
Mountainbiker sind gerne am Hörnle unterwegs. Foto: Fotolia/Alexander Rochau

Göppingen - Wenn man ganz ehrlich ist, handelt es sich bei den heftigen Diskussionen im Gemeinderat über eine mögliche Mountainbike-Strecke am Hörnle ein bisschen um Augenwischerei. Die Stadträte sind seit Jahren uneins, ob so eine Strecke sinnvoll wäre, um Freizeitsportlern mehr Angebote machen zu können, wie die SPD sagt. Oder ob man sie besser weiterhin ablehnen sollte, um die Natur zu schützen, wie die CDU und die Freien Wähler finden. Alle Jahre wieder scheitern die Genossen mit ihrem Antrag auf den Bau einer solchen Strecke an der Gemeinderatsmehrheit. Tatsächlich aber seien auf der Strecke schon heute Mountainbiker unterwegs, sagt der SPD-Fraktionschef Armin Roos.

„Ich muss über die ganze Debatte lachen, denn den Trail gibt es doch schon längst“, sagte Roos jüngst im Gemeinderat als die Stadträte den diesjährigen Antrag der SPD diskutierten. Ingo Hagen hatte da bereits im Namen der CDU gefordert, aus dem Oberholz „kein Disneyland“ zu machen. Rudi Bauer (FWG) hatte das Ansinnen im Namen seiner Fraktion ebenfalls abgewiesen. Seine Fraktion sei „strikt dagegen, in dieser Oase einen Weg anzulegen“.

Die Stadtverwaltung hat viele Bedenken

Freie Wähler und CDU wiesen unisono daraufhin, dass bisher kaum jemand in dem Bereich, den die SPD für die Mountainbikestrecke im Visier hat, unterwegs sei. Das Gebiet östlich der Straße nach Hohenstaufen sei mit seinen steilen Hängen bisher ein wichtiges Rückzugsgebiet für Tiere und Pflanzen, und das solle es auch weiterhin bleiben. Den Pfad, der nach dem Willen der SPD in eine Mountainbikestrecke verwandelt werden soll, würden 95 Prozent der Wanderer und Spaziergänger erst gar nicht finden, geschweige denn begehen, sagte Bauer.

Roos hingegen argumentierte, seiner Fraktion gehe es darum, Freizeitsportlern ansprechende Angebote zu machen. Seine Fraktion verspreche sich davon auch ein Ende der vielen illegalen Strecken, die es zurzeit am Hohenstaufen gebe. Auch den Trail am Hörnle „gibt es schon längst. In Wahrheit geht es doch nur noch darum, ihn zu legitimieren“, sagte der SPD-Fraktionschef.

Die Stadt empfahl den Stadträten wie im vergangenen Jahr, den Antrag der SPD abzulehnen. Die Argumente der Verwaltung sind die gleichen wie im vergangenen Jahr: Sie fürchtet neben Nachteilen für den Naturschutz vor allem, bei möglichen Unfällen haften zu müssen. Denn wenn sie eine offizielle Radstrecke ausweise, sei sie auch für die Verkehrssicherheit zuständig und müsse die Strecke regelmäßig kontrollieren und in Schuss halten. Die Stadt hafte sogar dann, wenn sie die Verkehrssicherung der Strecke zum Beispiel an einen Radsportverein abgebe und dieser dann seine Aufgaben vernachlässige, heißt es in der Beratungsvorlage.

Thema kommt im Lauf des Jahres erneut auf den Tisch

Stephan Horn (Grüne) wies allerdings daraufhin, dass seine Fraktion die Argumente der SPD überzeugend finde. Vielleicht, so Horn, könne man ja, wenn man sich genauer mit dem Thema befasse, auch noch eine geeignetere Strecke finden. Ins selbe Horn stieß der Lipi-Chef Christian Stähle. Eigentlich hätten beide Seiten gute Argumente. Der Naturschutz sei wichtig, aber der Freizeitsport sei es ebenfalls. Er schlug deshalb vor, den Antrag der Genossen nicht einfach abzulehnen, sondern im Laufe des Jahres ausführlicher in einer Ausschusssitzung zu beleuchten. „Es wäre schade, den guten Vorschlag einfach so abzuschmettern.“

Der Gemeinderat einigte sich am Ende darauf, das Thema im Ausschuss für Umwelt und Technik erneut zu besprechen. Im Rahmen der Beratung wollen die Stadträte dann auch den zuständigen Forstrevierleiter Reiner Ertl zu seiner Sicht auf die Sache befragen. Die SPD ist mit ihrem Vorschlag damit zumindest einen Schritt weiter gekommen als im vergangenen Jahr, als die Mountainbikestrecke von der Gemeinderatsmehrheit sofort rundweg abgelehnt wurde.




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